Faustballer vor Sprung in die zweite Liga

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Bei der SG Coesfeld/Nottuln gehen unter anderem eine Herren- und eine Damenmanschaft im Faustball an den Start. Die Herren kämpfen aktuell um den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Coesfeld/Nottuln. Ein Ball fliegt 50 Meter weit über den Rasenplatz. Ein Abwehrspieler hechtet in die gleiche Richtung und erwischt das runde Leder mit dem Unterarm. Ein unerlaubtes Handspiel? Nein. Denn anders als beim Fußball, ist bei der Randsportart „Faustball“ ein „gutes Händchen“ gefragt. Thomas Langer, Spieler und Jugendtrainer bei der SG Coesfeld/Nottuln, erklärt im Interview mit Streiflichter-Mitarbeiterin Marie Bockholt, was den Sport besonders macht. Außerdem gibt er einen Ausblick auf wichtige Spiele der ersten Herrenmannschaft des Vereins: An diesem Wochenende, Samstag, 12. August, und Sonntag, 13. August, kann die Feldsaison für die SG mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga im Coesfelder Stadion ein perfektes Ende finden.

In der hiesigen Umgebung müssen viele Leute vermutlich erst einmal googlen, um herauszufinden, was Faustball für eine Sportart ist. Wie erklären Sie Laien das Spiel?

Thomas Langer: Von der Spielidee her ähnelt Faustball dem Volleyball. Mit 50 Metern ist der Platz allerdings deutlich länger. In der Mitte ist in zwei Meter Höhe eine Leine gespannt, über die der Ball nach maximal drei Ballkontakten mit der Faust und dem Unterarm geschlagen wird. Vor jedem Schlag darf der Ball einmal den Boden berühren. Pro Team treten jeweils fünf Spieler an, die üblicherweise Spezialisten auf festen Positionen sind. Ab Mai startet die Feldsaison, da spielen wir draußen auf Rasen. Im Winter, genauer ab Oktober, wird auf einem etwas kleineren Feld in der Halle gespielt. Faustball auf dem Feld und Faustball in der Halle werden offiziell als zwei unterschiedliche Sportarten gesehen, auch wenn üblicherweise die gleichen Mannschaften an den Start gehen. Es sorgt beim Laien aber immer für etwas Verwirrung, wenn zum Beispiel unsere erste Herrenmannschaft in der Halle in der zweiten Bundesliga, auf dem Feld aber derzeit nur in der Verbandsliga spielt.

Letzteres kann sich schon an diesem Wochenende ändern, denn dann finden die Aufstiegsspiele zur zweiten Bundesliga im Feld statt. Wie laufen diese ab?

Thomas Langer: Die Meister und Vizemeister aus drei Verbänden - aus Niedersachsen, aus dem Rheinland und aus Westfalen – kämpfen am Samstag ab 11 Uhr und am Sonntag ab 9 Uhr um den Aufstieg in die zweite Bundesliga Nord. Jeder spielt dabei gegen jeden. Als Meister der Verbandsliga Westfalen müssen wir unter anderem noch einmal gegen unseren eigenen Tabellenzweiten aus Dahlbruch antreten. Natürlich hoffen wir auf spannende Spiele und viele Zuschauer. Für deren Verpflegung wird bestens gesorgt sein. Der Eintritt ins Stadion an der Osterwicker Straße ist frei – also eine tolle Gelegenheit, sich hochklassigen Faustball einmal live anzuschauen. 

In der Halle spielt die erste Herrenmannschaft der SG bereits seit der vergangenen Saison in der zweiten Bundesliga, welche Highlights gab es da?

Thomas Langer: In Erinnerung bleiben wird auf jeden Fall unser erster Sieg vor heimischem Publikum gegen den MTV Diepenau. Zuvor hatten wir alle Spiele verloren und galten als erster Abstiegskandidat. Danach sind wir dann immer besser geworden und haben auch auswärts mehrere Spiele gewonnen. Ein Highlight war dann sicherlich noch der letzte Spieltag, bei dem wir erneut vor eigenem Publikum zwei klare 3:0-Siege verbucht haben und unsere erste Zweitligasaison sogar auf dem vierten Tabellenplatz beendeten. Das ist besonders bemerkenswert, weil wir ein ganz junges und unerfahrenes Team ins Rennen geschickt hatten. Wenn man mal davon absieht, dass ich als Spielertrainer auch ab und zu zum Einsatz kam und etwas mehr Erfahrung mitbringe, war der Zweitälteste im Team gerade einmal 21 Jahre jung. Ich erwähne das besonders, da Faustball ja häufig als Seniorensport gesehen wird - dabei ist es durchaus eine junge und äußerst dynamische Sportart.

Wie erklären Sie sich, dass Faustball eher zu den Randsportarten gehört?

Thomas Langer: Ich selbst stamme ursprünglich aus Oldenburg und habe im Alter von ungefähr zwölf Jahren angefangen Faustball zu spielen. In unserer Gegend war die Sportart recht verbreitet und ich habe Faustball als ganz normalen Sport wahrgenommen. Dass das nicht überall so ist, habe ich dann erst später gemerkt. Es ist eben so, dass das Spiel in einigen Gegenden Deutschlands mehr in anderen weniger große Bekanntheit genießt. Faustball gehört historisch zu den Sportarten, die unter dem Dach des Deutschen Turner-Bundes organisiert waren – vermutlich besitzt der Sport auch daher nicht das Image einer Trendsportart sondern eher das eines Altherrensports. Dies wird aber völlig widerlegt, wenn man sich das Spielen in den Leistungsklassen anschaut. Wahrscheinlich müssen wir uns einfach medienwirksamer vermarkten. Besonderes Engagement in der Jugendarbeit ist ebenfalls ein wichtiger Schritt, um die Zukunft des Faustballs zu sichern. Bei der SG Coesfeld/Nottuln haben wir nicht nur Herren- und Damenmannschaften im Spielbetrieb, in der aktuellen Feldsaison waren wir auch wieder mit einem U14-Team am Start. Und wir hoffen, dass wir in der nächsten Zeit noch viele weitere Jugendliche finden werden, die in ein paar Jahren in der Faustball-Bundesliga spielen wollen.

Worin liegt für Sie persönlich der Reiz der Sportart?

Thomas Langer: Aus sportlicher Sicht ist das zunächst die Kombination aus Dynamik und Einsatz. Anders als viele andere Sportler lieben wir den „Bodenkontakt“ und werfen uns auch gerne mal in den Matsch. Aus „nicht-sportlicher“ Sicht: Im Faustball geht es nicht um das große Geld. Die Atmosphäre ist familiärer; man kennt sich und man hilft sich gern. Auch Vereinswechsel sind eher selten. Mit Oliver Schmitz von Preußen Münster und Philipp Greiner vom Hammer SC haben wir für die aktuelle Saison erstmals zwei Neuzugänge für unsere erste Mannschaft verpflichtet. Ich selbst habe in meiner ganzen Faustballkarriere auch nur dann den Verein gewechselt, wenn es aufgrund von beruflichen Ortswechseln unvermeidbar war.

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