Der BVB will auf der Ideallinie bleiben

DORTMUND ▪ Es ist nicht gerade leicht, auf der Ideallinie zu bleiben, wenn links und rechts der Bahn die Schulterklopfer Spalier stehen. Wenn schon nach fünf Spielen die Lobeshymnen kein Ende nehmen wollen. Dabei sei die Bundesliga-Saison doch wie „eine Fahrt mit dem Viererbob am Königssee“, erklärt Jürgen Klopp. „Wir haben uns sehr über die Startzeit gefreut. Aber wenn wir jetzt aussteigen würden, dann hätten wir ein echtes Problem.“

Und so sitzt der Trainer derzeit als Pilot im Bob Borussia Dortmund an den Lenkseilen, versucht, das Gefährt sicher durch die nächste Kurven zu lenken und einen Überschlag zu verhindern. Auch heute (15.30 Uhr) am Millerntor, im Gastspiel beim FC St. Pauli. Bei dem Klub, für den Klopp unüberhörbar eine gewisse Bewunderung hegt. Das sei ein Verein, der „nicht klein zu kriegen ist. Er besetzt eine ganz andere Nische. Man muss ihn einfach mögen, wenn man nicht gerade HSV-Fan ist“, sagt der Trainer mit Blick auf die Rivalität zwischen den beiden Stadtrivalen und fügt grinsend hinzu: „Ich habe den Eindruck, dass man, wenn man zu St. Pauli wechselt, einen Tick cooler wird.“ Vor allem aber, dass man die Vereinsphilosophie lebe. St. Pauli, so Klopp, werde sich auch gegen den BVB „klar über die Kampfkraft definieren. Das wird sportlich eine ganz schwere Aufgabe.“

Da trifft es sich gut, dass der schwarz-gelbe Bob derzeit nahe an der Höchstgeschwindigkeit fährt. Und dass die Besatzung trotzdem einen „guten, frischen Eindruck“ (Klopp) macht. Auch die Anschieber. Wie Nuri Sahin. Oder auch Lucas Barrios. Der 25-jährige Stürmer, in der vergangenen Saison 19 Mal erfolgreich, „hat für sich persönlich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Klopp – und bezieht dies auf die Mannschaftsdienlichkeit des einst auf den Abschluss fixierten Südamerikaners. „Er weiß jetzt, dass er nicht ständig in der Beweispflicht steht bei uns wegen seiner damaligen Ablösesumme“, so der Trainer. „Wir haben ihm klar gemacht, dass er auch Fußball spielen darf.“ Was er bisweilen spektakulär macht. Wie das gesamte Team.

Klopp unternimmt alles, damit der BVB die kräftezehrenden Tage abschüttelt und zugleich nicht zu lange den sportlichen Großtaten der vergangenen Tage nachhängt, die den BVB zusammen mit einem Sieg heute – im Falle einer Mainzer Niederlage in München – gar zum Tabellenführer machen könnten. „Wir bleiben hochkonzentriert“, ist sich Klopp sicher. „Wir gehen den Weg, den wir bis jetzt gewählt haben, konsequent weiter.“ Damit der Bob nicht ins Schlingern gerät.

FRANK HEIDENREICH

Quelle: wa.de

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