Tretschok will den BVB ärgern: "Das ist Schicksal"

BERLIN - Rene Tretschok soll als Interimscoach von Hertha BSC den Abwärtstrend des Klubs aus Berlin in der Fußball-Bundesliga stoppen. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub und deutschen Meister Borussia Dortmund.

Seine größten Erfolge feierte er mit der schwarz-gelben Borussia aus Dortmund, doch das Herz von Rene Tretschok schlägt nur noch blau und weiß. "Ich bin 1997 da weg und habe keinen Kontakt mehr nach Dortmund. Ich bin mit Leib und Seele Herthaner", sagte der Interimstrainer von Hertha BSC, der bei seinem Debüt als Bundesligacoach am Samstag (15.30/Sky und Liga total!) ausgerechnet auf seinen Ex-Klub trifft.

Mit dem BVB gewann Tretschok 1997 die Champions League und wurde zweimal deutscher Meister. "Es ist wirklich Schicksal, dass man jetzt so ein Spiel bestreiten darf", sagte er. Am ersten Champions-League-Sieg einer deutschen Mannschaft hatte der frühere Mittelfeldspieler sogar gehörigen Anteil. Im Halbfinale gegen Manchester United schoss er im Hinspiel das 1:0, auch beim 1:0 im Rückspiel stand er auf dem Platz. Doch im Finale blieb ihm nur die Zuschauerrolle.

Viel lieber als über seinen größten Erfolg als Spieler redet er allerdings über seine bisher größte Aufgabe als Trainer. Immer wieder fallen die Worte Leidenschaft, Ehrgeiz und Euphorie. Genau das, was der Berliner Mannschaft beim desaströsen 0:5 am vergangenen Wochenende beim VfB Stuttgart gefehlt hatte, woraufhin Michael Skibbe seinen Job verlor.

Doch nicht nur die Entlassung Skibbes ging nach der fünften Pleite im fünften Spiel ganz schnell - auch Tretschoks Beförderung zum Interimscoach geschah im Eiltempo: Vom Coach des U19-Nachwuchses zum Cheftrainer in wenigen Stunden. "Ich kann sagen: Das war ein ereignisreicher und einzigartiger Sonntag", betont der 43-Jährige.

Um 8 Uhr war er mit seiner Mannschaft zum Spiel nach Wolfsburg aufgebrochen, eine Buspanne inklusive. Wenig später erfuhr er von der Entlassung Skibbes und wurde von Manager Michael Preetz nach dem Sieg der Berliner beim VfL noch auf der Rückfahrt zu einem abendlichen Gespräch geladen. Um 20 Uhr war seine Beförderung perfekt.

Ambitionen auf dauerhafte Beschäftigung in der Bundesliga hat er nicht. "Es ist nur eine Interimslösung", sagt Tretschok realistisch. Der in die Kritik geratene Manager Preetz bastelt an einer externen Lösung, als Favorit wird der Bulgare Krassimir Balakow gehandelt. "Es gibt nichts zu vermelden", sagte Preetz am Donnerstag.

Übergangslösung Tretschok nimmt die "anspruchsvolle Aufgabe" mit einer gehörigen Portion Lockerheit im Angriff. Nach seinem ersten Training am Dienstagmorgen gab er bei der Pressekonferenz sogar den einen oder anderen Scherz von sich.

Dabei ist die Situation der Berliner alles andere als lustig. Nach vier Ligapleiten in vier Spielen steckt die Hertha mitten im Abstiegskampf. Lediglich zwei Punkte beträgt noch der Abstand zum Relegationsplatz. Und nun geht es gegen Dortmund, das seit 15 Ligaspielen nicht verloren hat. Vielleicht gelingt dem Aufsteiger aber wieder ein Überraschungscoup wie im Hinspiel, als die Berliner 2:1 beim Meister gewannen. Es war die erste Heimniederlage der Borussia nach 18 Begegnungen.

Und um es seinem Gegenüber Jürgen Klopp nicht allzu einfach zu machen, ordnete Tretschok ab Mittwoch gleich Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit an: "Damit Jürgen Klopp nicht so viele Infos bekommt, wie er vielleicht schon hat." - sid

Quelle: wa.de

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