Talent Götze bleibt auf dem Teppich

BVB-Profi Mario Götze (rechts) würde sich schon über eine Einwechslung durch Bundestrainer Joachim Löw gegen Italien riesig freuen. ▪
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BVB-Profi Mario Götze (rechts) würde sich schon über eine Einwechslung durch Bundestrainer Joachim Löw gegen Italien riesig freuen. ▪

KAMEN ▪ Mario Götze ist ein aufgeweckter Kerl, und so verwundert es nur wenig, dass der 18-Jährige seine zweite Einladung zur deutschen Nationalmannschaft ganz pragmatisch zu einer Art Industrie-Spionage nutzen möchte. Die Trainingseinheiten sollen dem jungen Dortmunder auch dazu dienen, vielleicht die ein oder andere Schwäche bei National-Torwart Manuel Neuer aufzuspüren. Von Jens Greinke

Götze war wie viele seiner Dortmunder Teamkollegen am Freitag im Revierderby am Schalker Schlussmann verzweifelt, weshalb er Neuer am Sonntagabend beim Wiedersehen in der Sportschule Kaiserau fragte, warum er denn alle Dortmunder Torschüsse habe parieren müssen. Neuer habe darauf hin lächelnd entgegnet: „Vielleicht lasse ich ja das nächste Mal einen ‘rein.“

Der Stern von Mario Götze ging zwar erst vor gut einem halben Jahr auf, doch er leuchtet am Fußball-Firmament bereits strahlend hell. Seinem rasanten Aufstieg bei Borussia Dortmund folgte fast folgerichtig auch seine Nominierung fürs Nationalteam, bei der er am 17. November des vergangenen Jahres beim Spiel in Schweden debütierte, als ihn Bundestrainer Joachim Löw in der 76. Minute einwechselte. Wenn das DFB-Team morgen im Dortmunder Stadion Italien zum Freundschaftsspiel (20.45 Uhr/ARD) empfängt, hofft Götze in seinem „Wohnzimmer“ natürlich ebenfalls auf eine Einsatzzeit: „Ich freue mich auf das Spiel. Und wenn mich der Bundestrainer einwechseln würde, wäre das großartig“, sagt der 1,76 Meter große, extrem torgefährliche Mittelfeld-Spieler.

Götze, der im Alter von sechs Jahren aus seiner Heimat Ober-Schwaben nach Dortmund gezogen war, gilt nicht nur für DFB-Sportdirektor Matthias Sammer als „eines der größten Talente, die wir in Deutschland je hatten“. Den Kopf lässt sich Götze dadurch bislang nicht verdrehen. „Wie ich auf dem Teppich bleibe? Ganz einfach: Ich fahre nach dem Training nach Hause zu meinen Eltern, die mich behandeln wie jeden anderen in der Familie auch“, sagt der 18-Jährige, der noch zwei Brüder hat. Fabian, der ältere, spielt in der U 23 des FSV Mainz; Felix, der jüngere in der C II-Jugend des BVB. „Dort, wo ich in Dortmund auch angefangen habe.“ Felix gilt übrigens ebenfalls als hochveranlagt. „Doch wo sein Weg hinführen wird, kann man jetzt noch nicht sagen“, meint Götze.

Eine großartige Vorbereitung auf die aus seiner Sicht turbulenten und ereignisreichen vergangenen sechs Monate habe er nicht erhalten. „Für mich kam das alles sehr überraschend“, so Götze. Für Jürgen Klopp eher nicht. Der BVB-Trainer hatte nicht öffentlich bereits im Sommer prognostiziert, dass Mario Götze in dieser Saison den Durchbruch schaffen werde. Dass dieser allerdings schnurstracks in die Nationalmannschaft führen würde, damit hatte wohl auch Klopp nicht gerechnet. Götze ist seinem Vereinstrainer, der den 18-Jährigen behutsam ins Rampenlicht geführt hatte, jedenfalls sehr dankbar. Auch dafür, dass Klopp wie die Familie darauf beharrt hatte, dass Götze seine Schullaufbahn zumindest mit dem Fach-Abitur abschließt. „Ich persönlich wollte die Schule zwar ein paar Mal abbrechen, aber mein Vater war dagegen. Es war dann zwar eine große Belastung für mich, aber letztlich bin ich heute sehr froh, dass ich mein Fach-Abi habe“, sagt der Teenager.

Seine weitere Akklimatisierung in der Nationalmannschaft dürfte Götze nicht besonders schwer fallen. Sein enormes Talent ist den anderen Nationalspielern nicht verborgen geblieben, weshalb dem 18-Jährigen in der Mannschaft bereits viel Respekt entgegenschlägt. „Außerdem sind noch vier andere BVB-Spieler dabei. Das macht es natürlich etwas leichter“, sagt Götze.

Quelle: wa.de

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