Rubbeldikatz am Borsigplatz

Im Party-Rausch: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (links) und Trainer Jürgen Klopp. ▪
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Im Party-Rausch: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (links) und Trainer Jürgen Klopp. ▪

und Heinz Büse DORTMUND ▪ Borussia Dortmund hat ein Fußballmärchen geschrieben und die ganze Stadt in einen Freudentaumel versetzt. Knapp 400 000 begeisterte BVB-Anhänger feierten mit ihrem Verein die siebte deutsche Meisterschaft. Vor der rekordverdächtigen Kulisse durchquerten am Sonntag Trainer Jürgen Klopp und seine Mannschaft im Autokorso die Stadt. Von Christina Horsten

Zwischen dem Borsigplatz, der Geburtsstätte des BVB, und der Meisterbühne an der gesperrten B 1 stimmten die Massen immer wieder ihre Lieder an. „Deutscher Meister ist nur der BVB“, „Wer ist deutscher Meister? BVB Borussia!“. Insgesamt hatten bei den friedlichen Feiern am Samstag im Stadion und in der Westfalenhalle sowie am Tag danach mehr als eine halbe Million Menschen ganz Dortmund in Partystimmung versetzt.

Beim ersten Höhepunkt des Sonntags feierten 10 000 Fans auf dem Borsigplatz mit der Mannschaft um die Wette. Von der Nacht noch gezeichnet und mit heiserer Stimme brüllten Spieler und Trainer die Gesänge mit. Klopp, wie die Spieler im dunklen Anzug und die übernächtigten Augen von einer Sonnenbrille verdeckt, fühlte sich im siebten Fußballhimmel: „Davon haben wir geträumt. Das ist unglaublich.“ BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der den Verein vor dem finanziellen Ruin bewahrt hatte, sieht Dortmund nicht nur fußballerisch obenauf. „Man kann das gar nicht richtig fassen. Die Mannschaft hat der Stadt ihren Stolz wiedergegeben.“ Der als besonnen geltende Vereinspräsident Reinhard Rauball äußerte sich ungewohnt überschwänglich: „Das hat es in der Geschichte der Bundesliga noch nie gegeben.“

Überglücklich war BVB-Stürmer Kevin Großkreutz, ein Kind der Stadt. „Ich bin so stolz. Das kann mir keiner mehr nehmen. Ich bin hier geboren. Ich werde den Verein immer lieben“, sagte der 22-Jährige und brüllte den Fans durch ein Megafon Feierparolen zu.

Vorn auf dem Meistertruck ein fröhlich-weinender Dede, ausstaffiert mit brasilianischem Schal. Nach 13 Jahren verlässt der Publikumsliebling den BVB. Über ihm, auf dem Dach des Trucks, posierte Torjäger Lucas Barrios mit der Schale in der Hand. Mario Götze bekam nur noch ein „Es ist so schön hier“ heraus.

Etwas wehmütig verfolgte der während der Saison überragende Spielmacher Nuri Sahin die gigantische Feier. Er wechselt zu Real Madrid. Bevor er geht, erhält er zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft, wird aber weiter im Nationalteam der Türkei spielen: „Den deutschen Pass werde ich morgen kriegen.“ Das gilt auch für den Ägypter Mohamed Zidan. Die Pässe können sie am Montag nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt gleich mitnehmen.

Zeitgleich mit der Umrundung des Borsigplatzes startete um 12.09 Uhr an den Westfalenhallen vor zehntausenden BVB-Anhängern ein Bühnenprogramm mit Künstlern von Atze Schröder und Guildo Horn bis zu Nena und Co. Der Platz musste am Nachmittag für weiteren Zulauf gesperrt werden. Der Meistertruck musste vorher abdrehen. Die Borussen kamen mit Polizeiwagen zur Bühne. Die Mannschaft präsentierte die Schale, schoss Bälle in die Menge und sang mit den Fans. Klopp bekam nach sechs Stunden nur noch ein Krächzen heraus. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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