Pokalspiel gegen BVB ist für Dresden-Coach echtes Heimspiel

DORTMUND - Er galt als das größte Talent im deutschen Fußball, führte die U 20 zum WM-Titel, doch aus der ganz großen Karriere als Profi wurde nichts. Heute kehrt Ralf Loose als Trainer von Dynamo Dresden in seine Heimatstadt Dortmund zurück - und hofft auf eine Sensation.

„Ich bin ein echtes Dortmunder Eigengewächs, fühle mich in der Stadt sauwohl, kenne und liebe die Mentalität. Schon als Steppke ging ich mit meinem Vater ins Stadion Rote Erde, stand später auf der Südtribüne“, sagte der 48-Jährige.

Ralf Loose spielte fünf Jahre bis 1986 für den BVB und absolvierte dort als Libero 120 seiner 211 Bundesliga-Spiele. Es war 1981, als Loose und Co. Deutschland entzückten. Die Schulen riefen einen Wandertag aus, wenn die U 18 bei der EM im eigenen Land spielte, die Schüler strömten in die Stadien. Loose war der Liebling der Massen und führte den DFB-Nachwuchs zum Titel, ein halbes Jahr später in Australien sogar zum WM-Triumph. An seiner Seite war stets Adlatus Michael Zorc, der später dank seiner Treue zum BVB die größere Karriere hinlegen sollte. „Wir schätzen uns, die Begrüßung wird mit Sicherheit freundlich ausfallen“, sagt Loose über seinen langjährigen Nebenmann. Zorc hat es auch nach der Karriere auf dem Platz als Sportdirektor des BVB etwas besser getroffen. Loose ging Umwege, spielte in Oberhausen und Düsseldorf, trainierte Liechtenstein und Augsburg, ehe er bei Dynamo anheuerte.

In Dresden leistet Loose bislang ganze Arbeit. Nach dem überraschenden Aufstieg über die Relegation führte er den achtmaligen DDR-Meister ins Mittelfeld der 2. Liga und befriedete dank sportlicher Erfolge das schwierige Umfeld. Er meisterte einen großen Umbruch mit 13 Ab- und 16 Zugängen. „Es war ein wahnsinniger Kraftakt“, sagt Loose. Das Highlight lieferte der Coach aber mit dem Pokal-Krimi gegen Leverkusen in der ersten Runde. Bis zur 68. Minute lag sein Team 0:3 hinten, dann drehte Dynamo auf und gewann dank eines Treffers von Alexander Schnetzler in der 117. Minute 4:3. „Ein unglaubliches Spiel“, sagt Loose. Für Schnetzler indes war das „goldene Tor“ kein Auftakt zu besseren Zeiten. Der Pokalheld ist bislang nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinausgekommen und muss auch am Dienstag um seinen Einsatz bangen. Hoffnungsträger Dynamos ist Robert Koch. Der Mittelfeldspieler gilt als Mann für besondere Tore – und das meist im Doppelpack.

In der Relegation um den Aufstieg gegen Osnabrück traf er doppelt, im Pokalkrimi gegen Leverkusen war er zweimal erfolgreich, und auch am Samstag beim 2:0 in Braunschweig erzielte er beide Tore. „Ich hoffe, wir nehmen das Selbstvertrauen aus dem Spiel gegen Braunschweig mit nach Dortmund“, sagte Koch. Loose hingegen gibt sich vorsichtig. Der deutsche Meister sei „das schwerste Los, das im Topf war“. Sportlich sei die Aufgabe eingentlich nicht zu lösen, dennoch werde man die Herausforderung annehmen. Schließlich reisen mehr als 10 000 Fans mit nach Dortmund. Zumindest in Sachen Euphorie sind sich die beiden Klubs des Ralf Loose ziemlich ähnlich. - sid

Quelle: wa.de

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