Eurosport-Experte

Das denkt Matthias Sammer über die Situation des BVB

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Klare Ansagen: Matthias Sammer.

Ist es eine Krise? Oder nur eine Delle? Fakt ist: Borussia Dortmund ist vom Selbstverständnis der Hinserie weit entfernt. Jetzt hat sich Matthias Sammer geäußert.

Dortmund – Wer Matthias Sammer als Experte bei Eurosport beobachtet, mag nicht glauben, dass es sich um dieselbe Person handelt, die mit hochrotem Kopf für stetige Explosionsgefahr stand: Erst als Weltklasse-Fußballer, dann als Dortmunder Meistertrainer und später als Sportvorstand der Bayern. Der 51-Jährige hat längst seine innere Ruhe gefunden und besticht Woche für Woche als Fachmann, der im deutschen Fußball-Fernsehen kein zweites Mal zu sehen ist.

Sammer, der nicht mehr als verantwortliche Kraft in erster Reihe wirken möchte, ist aber nicht nur ein ausgezeichneter Analyst. Er ist auch als externer Berater für Borussia Dortmund im Einsatz. Ein gelungener Schachzug von Hans-Joachim Watzke. „Du musst irgendwann neue Impulse setzen“, erklärte der BVB-Boss. Sammer beansprucht für sich, im Austausch mit Dortmunds Führungsriege „klipp und klar meine Meinung“ zu sagen. Intern. Nun aber auch öffentlich. Denn Sammer bezog bei Eurosport Stellung zur aktuellen Situation des Bundesliga-Tabellenführers.

„Jetzt ist man einen Tick unter dem Limit, aber das ist ganz normal innerhalb einer Saison“, erklärte der frühere Coach der Schwarzgelben. Es gelte, „die Mitte anzustreben“. So wie Sammer es als Experte nach seiner aktiven Zeit eben auch geschafft hat. Die Mannschaft habe in der Hinrunde und zu Beginn der Rückserie „so überragend agiert, dass das vielleicht ein bisschen über dem Limit war“. Dortmunder Anhänger dürften bei diesen Worten an Partien wie in Leverkusen (4:2), gegen die Bayern (3:2) und Augsburg (4:3) denken. Spiele, die tatsächlich gänzlich anders hätten ausgehen können. „Was in der Hinserie noch mit Glück zu Ende gespielt wurde, ist jetzt manchmal auch ein bisschen Pech oder ein individueller Fehler, durch den ein Punktverlust zustande kommt“, erklärte Sammer. Sein Fazit: „Borussia Dortmund ist in der Realität gelandet.“

Immer noch Vorsprung

Was bitter klingt, sieht mit einem Blick aufs Tableau schon gar nicht mehr so schlimm aus für den BVB. Schließlich hat er immer noch einen Vorsprung auf die Bayern. Und kann diesen am Montagabend (20.30 Uhr/Eurosport Player) auch wieder ausbauen, wenn das Gastspiel bei Schlusslicht Nürnberg ansteht. Der Druck ist allerdings enorm. Denn auch wenn es niemand so schnell zugeben wird: Nach dem Rausch der Hinrunde wäre es eine Enttäuschung, würde die Borussia am Saisonende ohne Titel dastehen. Zwei von drei Möglichkeiten verspielte der Klub aber nahezu sicher innerhalb von nur sieben Tagen: Erst gab es das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen, dann die 0:3-Klatsche im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen Tottenham.

Bestimmten vor wenigen Tagen noch die Geniestreiche von Marco Reus und Co. die Schlagzeilen, muss sich der Klub jetzt mit lästigen Themen herumschlagen. Das allerdings selbst verschuldet. 

So reagierten Funkel und Streich

Zwei Spieler hatten vor dem Abflug nach London ihre Pässe vergessen, ein anderer seine Bordkarte verloren. Am Vorabend des Spiels begrüßten einige Akteure einen englischen Starfriseur im Hotel. Gefundenes Fressen, um einen kriselnden Spitzenreiter anzuzählen. Und auch andere Trainer zu befragen. So wie Friedhelm Funkel. „Es sind alles so Kleinigkeiten“, sagte der Coach von Fortuna Düsseldorf. „Wo bin ich mit meinen Gedanken, wenn ich zu einem Champions League-Spiel nach Tottenham fahre? Das frage ich mich. Wahrscheinlich schon beim Friseur, der abends um 20 Uhr aufs Zimmer kommt. Keine Ahnung. Das war früher undenkbar und das darf es heute einfach auch nicht geben.“ 

Deutlich gelassener reagierte Freiburgs Christian Streich: „Die Konzentration ist nicht gestört, wenn mir jemand die Haare schneidet. Ganz im Gegenteil, die freuen sich, wenn sie beim Friseur waren und eine gute Frisur haben. Und dann freuen sie sich, dass sie gut aussehen. Das sind junge Kerle.“

Junge Kerle, die sich gerade deutlich mehr Fehler erlauben als noch vor wenigen Wochen. Ein sportliches Problem, das Sammer deutlich mehr beschäftigt als der Hotelbesuch eines Friseurs. Der Berater sagte: „Das Spektakuläre, für das Borussia Dortmund gelobt wurde, ist ja erstmal etwas Schönes. Aber Spektakel ist nicht über ein ganzes Jahr haltbar. Zwischendurch musst du zu Einfachheit, Kompaktheit und totaler Disziplin, zur Gemeinsamkeit und auch mal zum gnadenlosen Verteidigen zurückkehren, um daraus deine Fähigkeiten zu entfalten. Der eine oder andere sollte ein paar individuelle Fehler weniger machen – das ist richtig.“ 

Sammer wagt keinen Meistertipp

Denn sonst droht der Spitzenreiter seinen Vorsprung auf die Bayern schon bald verspielt zu haben. Einen Meistertipp wagte Sammer nicht: „Vom reinen Leistungsvermögen, von der Erfahrung und der Breite des Kaders ist der FC Bayern – auch mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund – in allen Phasen bis zum Saisonende favorisiert gewesen, aber ich gebe keine Garantie.“ Er wird es aber ganz genau verfolgen. Und wenn er es als notwendig betrachtet, auch kommentieren. Intern und extern. Unter Garantie.

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Quelle: wa.de

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