Die Leiden des Leonardo Dede

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DORTMUND ▪ Tabellendritter gegen Tabellenfünfter – zweifellos ist das 135. Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund auch ein Spitzenspiel. Für BVB-Trainer Jürgen Klopp ist dieser Aspekt allerdings nur eine Randerscheinung, mehr nicht. „Die Tabellenkonstellation spielt in einem Derby eigentlich keine Rolle. Was Bereitschaft und Leidenschaft auf dem Platz angeht, muss man den Spielern vorher nicht besonders erklären, weil die ganze Woche darüber gesprochen wird.“ Einen gewissen Reiz spürt der Dortmunder Fußball-Lehrer allerdings doch: „Wenn wir gewinnen, dann würden die Schalker schon unseren Atem spüren.“ Von Peter Schwennecker

Einer, der an diesem Bestreben selbst gern großen Anteil hätte, ist Leonardo de Deus Santos, kurz Dede genannt. 314 Bundesligaspiele hat er bisher für die Borussia bestritten, dabei zwölf Tore erzielt. Der 31-jährige Brasilianer, der seit 1998 das BVB-Trikot trägt, hat für Dortmund schon so manche Derby-Schlacht geschlagen. Kein anderer Akteur des aktuellen Kaders hat so oft gegen Schalke gespielt wie Dede. 18 Mal war er „beim größten Derby der Bundesliga“, wie er es selbst nennt, dabei. Doch diesmal ist das Fieber bei ihm nicht besonders hoch. Momentan läuft er mit etwas traurigem Gesicht durch Dortmund. Denn Dede weiß, dass er heute beim Anpfiff in der Schalker Arena vermutlich nur auf der Bank sitzen wird. Verletzungen wie ein Kreuzbandriss, ein Kieferbruch oder zuletzt der Meniskus- und Innenbandriss haben den Dortmunder Dauerbrenner in den vergangenen zwei Jahren immer wieder zurückgeworfen. Und zu Beginn der Rückrunde hat Junioren-Nationalspieler Marcel Schmelzer mit guten Leistungen Dede von der linken Abwehrseite verdrängt. Ein Fakt, den Dede zwar akzeptiert, doch kampflos will er das Feld auf Dauer nicht räumen. Immerhin verhält sich der Brasilianer wie ein echter Profi, meldet in der Öffentlichkeit keine Ansprüche an. Dede stellt sich momentan ganz in den Dienst der Mannschaft. „Ich mache kein Theater“, bestätigt er seine vorbildliche Einstellung. Doch sein Blick verrät, wie es wirklich in ihm aussieht. Das weiß auch Klopp. „Zu diesem Thema gibt es einfach keine zwei Meinungen“, begründet der BVB-Trainer Dedes Bankdasein. „Und Diskussionen darüber würde ich auch nicht zulassen.“ Laut Klopp hat Schmelzer zuletzt seine Aufgabe sehr ordentlich erledigt. „Dedes Vorbereitung ist sicherlich nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hat“, betont der Coach. „Sie war nicht perfekt. Ihm fehlen Sicherheit und Timing.“ Doch diese Eigenschaften kann Dede nur durch Einsätze zurückgewinnen. Am 8. November stand er beim 1:1 in Bremen zum letzten Mal in der Startformation der Borussen. Seitdem hat er gerade einmal 32 Minuten gespielt, wurde dreimal in der Schlussphase eingewechselt. 14 Minuten beim 1:0 gegen Freiburg am 100. Geburtstag des BVB, 60 Sekunden beim 1:0 gegen den Hamburger SV und eine Viertelstunde beim 2:3 gegen die Frankfurter Eintracht. Wenn er heute auf Schalke etwas länger spielen dürfte, wäre Dede sicherlich schon zufrieden. Und falls dann am Ende aus BVB-Sicht ein positives Ergebnis herauskommt, würde auch seine Laune wieder sprunghaft steigen. Denn der Brasilianer ist in zwölf Jahren ein echter Borusse geworden.

Quelle: wa.de

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