Der BVB lässt zu viele Chancen ungenutzt

PARIS/DORTMUND ▪ „Wir sind zwar niedergeschlagen, liegen aber nicht ganz am Boden.“ Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic beschrieb die Gemütslage aller Borussen nach dem 0:0 in der Europa League bei Paris St. Germain treffend.

Wieder einmal waren die Schwarz-Gelben nahe am erhofften Dreier, verpassten es aber erneut, den entscheidenden Punch zu setzen.

Fast alle BVB-Profis hatten noch während des Rückfluges am Freitag jene Szene in der Nachspielzeit vor Augen, als Robert Lewandowski und Shinji Kagawa jeweils freistehend an Schlussmann Edel gescheitert waren. Mit einem Sieg hätten es die Dortmunder weiter selbst in der Hand gehabt, im Wettbewerb zu überwintern. Jetzt müssen sie nicht nur gegen Lwiw und in Sevilla gewinnen, sondern sind auch noch auf fremde Hilfe angewiesen. „Kein Vorwurf an Robert“, meinte Außenverteidiger Marcel Schmelzer. Doch der Linksverteidiger wusste nur zu gut, wo die Dortmunder derzeit der Schuh drückt. „Wir brauchen auch in der Bundesliga zu viele Möglichkeiten, um ein Tor zu erzielen.“ Was die Kicker-Statistik eindeutig beweist. Mit 91 herausgespielten Chancen liegt die Borussia in der Bundesliga weit vorn, hat davon allerdings lediglich 25,3 Prozent verwertet, was nur Rang zwölf in der Tabelle bedeutet. Am effektivsten ist hier die TSG Hoffenheim (39,6).

Auch Fußball-Lehrer Jürgen Klopp monierte nach der Partie die Verspieltheit seiner Profis in und um den Sechzehner, wünschte sich in einigen Situationen mehr Präzision und Entschlossenheit. Doch er nahm seine „Azubis“ in Schutz. „Die meisten Jungs spielen zum ersten Mal in diesem internationalen Wettbewerb. Da kann man nicht erwarten, dass sie Europa gleich im Sturm erobern.“ Die K.o.-Runde hatte Klopp in Paris keineswegs abgeschrieben. „Wir können immer noch auf elf Punkte kommen, und das wäre eine Zahl, mit der ich in dieser starken Gruppe vorher zufrieden gewesen wäre.“

Direkt nach der Landung in Dortmund-Wickede begannen die Borussen mit der Vorbereitung auf die anstehende Bundesliga-Aufgabe am Sonntag (15.30 Uhr) bei Hannover 96, wobei gestern nur der regenerative Teil anstand. Heute werden die Schwarz-Gelben lediglich eine Trainingseinheit absolvieren. „Dabei werden wir sehen, wer alles noch kann“, schmunzelte Klopp. „Und dann werden wir direkt nach Hannover fahren.“

Wobei Klopp nicht davon ausgeht, dass seine Mannschaft müde und ausgelaugt sein wird. „Schließlich konnten wir in der Schlussphase im Gegensatz zu Paris, das in den vergangenen Wochen ständig rotiert hat, sogar noch zulegen.“

Über ein muskuläres Problem klagte allerdings der Pole Lukasz Piszczek, der zur Pause ausgewechselt wurde. „Kein Muskelfaserriss, sondern ein reines Überlastungsproblem“, hoffte der Trainer darauf, dass der Außenverteidiger zur Verfügung stehen wird. Ansonsten würde wieder, wie im Prinzenpark, Kevin Großkreutz diese Aufgabe übernehmen. „Das hat Kevin gigantisch gut gemacht“, lobte Klopp das Dortmunder Urgestein. Vor Hannover zeigte Klopp übrigens großen Respekt. „96 spielt bisher eine überraschend gute Saison“, sagte der BVB-Coach. „Wenn man bedenkt, welche Unruhe dort vor dem Auftakt herrschte, ist die Mannschaft jetzt sehr gut aufgestellt, spielt kompakt und mit sehr viel Leidenschaft.“ Eigenschaften, die Klopp morgen auch wieder vom BVB erwartet. Schließlich soll die Tabellenführung verteidigt werden.

PETER SCHWENNECKER

Quelle: wa.de

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