In der Knautschzone

DORTMUND ▪ Es ist nicht gerade leicht, die eigene Rolle zu definieren, wenn man sich in der „Knautschzone“ der oberen Bundesliga-Tabellenhälfte befindet. Wie er sich denn fühle, wurde Jürgen Klopp gestern gefragt, als Jäger oder Gejagter? Von Frank Heidenreich

„Als Vierter“, antwortete der Trainer von Borussia Dortmund und lächelte verschmitzt. Viel mehr als eine reine Zustandsbeschreibung ist Klopp in der entscheidenden Phase der Saison nicht zu entlocken. Zu viel ist angesichts des dicht gedrängten Feldes möglich. Das Herauspurzeln aus dem Feld der europäischen Starter ebenso wie das Erreichen der Champions League. Den Qualifikationsplatz für die Königsklasse könnte der BVB bereits am Ende des viertletzten Spieltages belegen, wenn die Schwarz-Gelben am Sonntag (15.30 Uhr) daheim 1899 Hoffenheim schlagen und Bayer Leverkusen heute beim VfB Stuttgart verliert. Wieder so ein Szenario, mit dem sich Klopp ungern beschäftigt. „Der Plan ist: Wir gewinnen, und dann ist jedes andere Ergebnis egal“, meinte er.

77 000 Tickets sind für das morgige Duell gegen die Kraichgauer bereits verkauft – sichtbares Indiz dafür, dass die 0:1-Niederlage der Dortmunder in Mainz die Euphorie im Umfeld kaum gedämpft hat. Zwar bekannte Klopp, dass die Enttäuschung nach dem Spiel in der Vorwoche „riesengroß“ gewesen sei, Gegenstand einer tiefschürfenden Analyse wurde die Partie indes nicht. Positives Denken ist angesagt; Angst, im Schlussspurt das große Ziel Europa zu verpassen, soll erst gar nicht entstehen. Hinzu kommt, dass der 42-Jährige Begegnungen der Mainzer Kategorie, in denen es einen tief stehenden Gegner zu demontieren gilt, bis zum Saisonende nicht mehr erwartet. Auch nicht gegen Hoffenheim, obwohl die TSG, das zweitschwächste Rückrundenteam, ein tiefes Tal durchschreitet. „Es ist in der Entwicklung des Vereins die erste wirkliche Schwächeperiode“, sagte Klopp. Blenden lassen will sich der Coach von der Krise des Vorjahres-Herbstmeisters nicht und mahnt bei seinen Schützlingen volle Konzentration an. „Wir müssen mit den besten Hoffenheimern rechnen, die es gibt. Sie lechzen danach, die Wende herbeizuführen. Unsere Aufgabe ist es, zu verhindern, dass ihnen das bei uns gelingt“, so Klopp.

Und das mit leicht verändertem Personal. Fest steht, dass der gelbgesperrte Marcel Schmelzer fehlt und damit die Rolle des Linksverteidigers in der BVB-Startelf erstmals seit dem 9. November wieder an Routinier Dede geht – an seinem 32. Geburtstag. „Mein Tank wird voll sein, ich werde auf jeden Fall marschieren“, versprach der Brasilianer, und auch Klopp weiß: „Dede hat enorm viel Lust auf Fußball. Er macht einen sehr guten Eindruck.“

Etwas brenzliger gestaltet sich die Situation auf der rechten Seite in der Abwehr-Viererkette. Patrick Owomoyela droht wegen seiner Adduktorenzerrung auszufallen, ein Härtetest heute soll den Ausschlag geben. Erhält er kein grünes Licht, muss Youngster Julian Koch die Lücke füllen. „Das Gesamtpaket bei ihm ist gut“, lobte Klopp den 19-Jährigen, der bislang nur auf 17 Bundesliga-Minuten in seiner sportlichen Vita verweisen kann.

Doch ihn soll wie den Rest der Mannschaft die Heim-Atmosphäre beflügeln. „Wir haben ein Gespür dafür entwickelt, dass es sich sehr gut anfühlt, im Signal-Iduna-Park zu spielen“, befand Klopp. Was Hoffenheim zu spüren bekommen soll. Damit der BVB in seiner „Knautschzone“ bleibt. Denn schließlich kann es auch dort recht bequem sein.

Quelle: wa.de

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