Jürgen Klopp zeigt Reue nach Auseinandersetzung mit Schiedsrichter

Nur schwer zu bremsen: BVB-Trainer Jürgen Klopp. ▪

DORTMUND ▪ Jürgen Klopp ist ein großer Freund der Videoanalyse. Selbst in der Halbzeit einer Bundesliga-Begegnung bedient sich der Dortmunder Trainer gern der aufgezeichneten Fernsehbilder. Auch beim 2:0 (0:0) am Freitagabend gegen den Hamburger SV zeigte er seinen Profis zwei, drei Szenen, wie die sichere Abwehr der HSV zu knacken war.

Von Peter Schwennecker

Nur Bilder, bei denen er selbst eine große Rolle spielt, sah der 43-Jährige nicht allzu gern. Die wurden ihm direkt nach dem Schlusspfiff im Sky-Studio vorgespielt. In der ersten Hälfte hatte sich Klopp nach einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung mit dem vierten Unparteiischen angelegt und war Stefan Trautmann dabei mit dem Kopf bedrohlich nahe gekommen, hatte ihn mit seiner Schirmmütze sogar berührt. „Ich bin ein Idiot“, zeigte Klopp Reue. „Dazu gibt es keine zwei Meinungen.“ Immerhin hatte sich der impulsive Coach bereits zuvor bei Trautmann persönlich entschuldigt. Schiedsrichter Deniz Aytekin verzichtete deshalb auf eine Eintragung in den Spielbericht. Deshalb dürfte der Coach um eine Geldstrafe durch den DFB herumkommen

Doch die würde der Trainer verschmerzen können. Denn der Prämienfluss ist bei der Borussia seit der Auftaktniederlage gegen Bayer Leverkusen ungebrochen. Elf Spiele ohne Niederlage, davon zehn gewonnen. Der BVB eilt der Konkurrenz davon, baute den Vorsprung auf sieben Punkte aus. Doch das Wort Meisterschaft steht bei den Dortmundern auf der Tabu-Liste ganz oben. „Die M-Frage werden wir weiter nicht beantworten“, betonte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Das ist nicht unser Zielkorridor. Die Fans dürfen feiern, aber wir bleiben vernünftig.“ Doch werden die Borussen keineswegs orientierungslos der Bundesliga-Winterpause entgegen taumeln. „Wir haben ja klare Ziele“, beteuerte zumindest Klopp. „Wir wollen Woche für Woche guten Fußball zeigen. Das ist nicht immer deckungsgleich mit dem, was man uns einreden möchte. Aber damit kommen wir klar.“ Auch seine Spieler. Selbst dem Japaner Shinji Kagawa, der gegen den HSV mit seinem sechsten Tor (49.) den Erfolg einleitete, den Lukas Barrios (70.) schließlich perfekt machte, muss Dortmunds Standardspruch „Wir schauen von Spiel zu Spiel“ nicht mehr durch Dolmetscher Jumpei Yamamori übersetzt werden.

Auf den Favoritenschild heben derzeit andere den BVB. Auch Hamburgs Trainer Armin Veh zeigte sich nach der 500. Bundesliga-Niederlage des HSV tief beeindruckt: „Die Dortmunder machen die ganze Saison schon sehr gute Dinge. Sie sind sehr laufstark, haben gutes Tempo und spielen richtig guten Fußball. Sie sind für mich auch Favorit in dieser Saison.“ Und sie haben sich mit den Erfolgen der vergangenen Wochen weiterentwickelt, was die Reife angeht. So zeigten die Borussen eine Halbzeit lang sehr viel Geduld, ließen nicht eine Hamburger Torchance zu. „Der Schlüssel zum Erfolg war das Spiel gegen den Ball“, lobte Klopp die Defensivarbeit. „Das war einfach überragend.“ Dieser Meinung konnte Hans-Joachim Watzke nur zustimmen. Und mit leuchtenden Augen stellte er heraus, dass in der BVB-Startelf wieder acht Jungprofis standen, die eigentlich noch in der U 21 spielen könnten. Glänzende Perspektiven also für die Borussia, die sich in den kommenden Wochen lediglich gegen die Begehrlichkeiten der Konkurrenz wehren muss. Denn Dortmunds Talent-Quartett mit Mario Götze, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz, das geschlossen zur Nationalmannschaft reiste, dürfte inzwischen bei einigen großen Klubs auf der Wunschliste stehen.

Quelle: wa.de

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