Nationalspieler beim BVB

Gündogan im Interview: "Nie den Spaß verlieren"

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Ilkay Gündogan hat 2012 das wohl beste Jahr seiner Laufbahn gespielt.

DORTMUND - Ilkay Gündogan hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Nach anfänglichen Problemen beim BVB hat sich der Mittelfeldspieler enorm gesteigert und einen Stammplatz erkämpft. Peter Schwennecker sprach mit dem Nationalspieler über seine Entwicklung und über die Aussichten mit Blick auf die Bundesliga-Rückrunde und Champions League.

Wie war die bisheriger Vorbereitung?

Gündogan: Gut, anstrengend, aber dafür ist ja die Vorbereitung da. Man weiß, dass man was tut und dass man das auch braucht. Und ich denke, dass wir im Trainingslager in La Manga eine hervorragende Basis für eine hoffentlich wieder erfolgreiche Rückrunde gelegt haben.

Nach dem Trainingslager an gleicher Stelle im vergangenen Jahr ist der BVB richtig durchgestartet. Wird das diesmal wieder funktionieren?

Gündogan: Das ist unser Ziel. Ob das ähnlich so wie letztes Jahr wird, ist abzuwarten. Aber ich denke, das vergangene Jahr ist ein guter Maßstab für uns. Das war sehr erfolgreich. Konditionell werden wir sicherlich keine Probleme haben, das hatten wir auch noch nie. Wir wollen wieder zu unserem Spiel, was wir in der Hinrunde vielleicht phasenweise vermissen lassen haben, zurückfinden.

Vor einem Jahr hatten Sie hier eine ganz andere Rolle. Was hat sich inzwischen geändert, was ist passiert?

Gündogan: Die Situation hat sich für mich um Welten geändert. Vor einem Jahr war ich verletzt. Ich hatte nicht gerade die erfolgreichste Hinrunde meiner Laufbahn hinter mir. Das waren schwierige Zeiten. Und dann habe ich mich, glaube ich, eindrucksvoll zurückgekämpft. Ich habe an mich geglaubt, habe versucht, wieder durch die leichten Dinge zu meinem Spiel zu finden. Ich denke, dass mir das dann auch sehr gut gelungen ist. Das Jahr ist überragend für mich verlaufen. Da bin ich sehr stolz drauf, weil es auch sehr wichtig für meine Karriere war. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt an dem Punkt bin, wo ich gerade stehe.

Hat Trainer Jürgen Klopp mit Ihnen darüber geredet, was sie an Ihrem Spiel ändern müssen?

Gündogan: Wir haben natürlich immer ab und zu das Gespräch gesucht. Wichtig war aber, dass mir erst einmal selbst klar wurde, dass nicht alles so abläuft wie ich es mir vorgestellt habe. Man hat eben mal Höhen und Tiefen. Für einen jungen Spieler ist es völlig normal, dass man viel dazulernen muss. Deswegen waren mir die Gespräche mit dem Trainer wichtig. Ich kann mich erinnern, dass wir auch das eine oder andere Gespräch geführt haben, wo ich zielgerichtet auf den Trainer zugegangen bin. Deshalb habe ich mein Spiel im vergangenen Jahr enorm entwickelt.

Es gibt ja den Begriff Straßenfußballer. Haben Sie selbst auch auf der Straße gespielt?

Gündogan: Ja, sehr oft sogar. Wenn man den Fußball als Beruf ausübt, sollte man nicht den Spaß verlieren und das auch vermitteln. Ich denke, dass wir als Mannschaft sowohl auf dem Platz als auch außerhalb sehr viel Spaß miteinander haben.

Am Anfang mussten Sie vor allem das Defensivspiel verbessern. Zuletzt haben Sie sogar einige Male auf der defensiven Sechs gespielt.

Gündogan: Ich bin ja, als ich von Nürnberg nach Dortmund gekommen bin, eher offensiv ausgerichtet gewesen. Deswegen stand ja von vornherein fest, dass ich mich in der Defensive verbessern muss. Es gehört einfach dazu, dass ich das lerne. Schließlich hat man mich ja auch für die Sechs geholt. Man sollte sich ohnehin in allen Bereichen verbessern.

Also sehen Sie selbst große Fortschritte?

Gündogan: Ja, ich glaube dass ich gegenüber der Anfangszeit in Dortmund auch auf dem Platz präsenter geworden bin. Dass ich jetzt auch versuche, Bälle zu fordern und Bälle zu bekommen, die ich dann natürlich bestmöglich weiterleiten will. Sie haben zuletzt auch in punkto Balleroberung enorm an Qualität gewonnen. Gündogan: Das müssen andere beurteilen, doch ich denke schon, dass ich auch in dieser Hinsicht einen Schritt nach vorn gemacht habe. Die Balleroberung und das schnelle Umschalten sind sehr wichtige Bestandteile unseres Spiels. Sie sind eine Voraussetzung dafür, dass man überhaupt bei Borussia Dortmund spielen darf.

Viele haben Ihnen beim 1:1 in der Champions League bei Manchester City eine Weltklasseleistung bescheinigt. War das Ihr bisher bestes Spiel im BVB-Trikot?

Gündogan: Ich denke, dass wir dort als Mannschaft eine fantastische Partie gemacht haben. Leider haben wir nur 1:1 gespielt. Doch wir können stolz darauf sein, solch ein außergewöhnliches Team in Manchester an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben. Das war sicherlich auch eines meiner besten Spiele.

Im Februar steht die Reise nach Donezk an. Das ist ein unangenehmer Gegner, nicht zuletzt wegen der dortigen Verhältnisse im Winter.

Gündogan: Die Verhältnisse gelten ja für beide Mannschaften. Deswegen hängt vieles ja auch von der Einstellung ab, die man an den Tag legt. Es ist ein sehr unbequemer Gegner, der ähnlich wie wir in der Champions League überrascht hat, mit Chelsea auch den Titelverteidiger raus gekegelt hat. Donezk ist ein fantastisches Team mit einem großen brasilianischen Temperament in der Offensive, das wir auf keinen Fall unterschätzen werden. Wir haben aber auch unsere Qualität und wissen, dass wir sie schlagen können. Deswegen brauchen wir uns auch nicht zu fürchten.

Was ist in der Bundesliga noch machbar?

Gündogan: Wenn wir erneut die direkte Qualifikation für die Champions League schaffen, wäre das ein großer Erfolg für uns. Für uns stehen viele Dinge an, die sehr, sehr wichtig sind. Deswegen wollen wir in der Rückrunde noch einmal einen Schritt nach vorn machen. Wir stehen momentan auf dem dritten Platz. Das ist ordentlich, doch wir haben in der Hinrunde unnötig ein paar Punkte liegen lassen. Deswegen wollen wir in der Rückserie ein paar Zähler mehr holen. Zumindest der zweite Platz ist sehr realistisch.

Im Sommer steht die U21-Europameisterschaft an. Und Bundestrainer Joachim Löw möchte, dass dort die beste deutsche Mannschaft spielt. Wären Sie dazu bereit, in Israel aufzulaufen oder sehen Sie sich als A-Nationalspieler?

Gündogan: Falls ich für die U21 spielen würde, heißt das ja nicht, dass ich mich wieder ein Stück von der A-Nationalmannschaft entferne. Ich glaube, dass es in der Karriere eines Fußballers immer wieder schön ist, solch tolle Turniere zu spielen. Warten wir erst einmal ab, wie die Rückrunde verläuft. Wenn Reiner Adrion und Joachim Löw darauf bestehen, dass ich in Israel spiele, denn bin ich definitiv auch dazu bereit. Bis dahin kann aber noch sehr viel passieren, deswegen mache ich mir darüber eigentlich keine Gedanken.

Quelle: wa.de

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