Ilkay Gündogan hat derzeit einen schweren Stand

Ilkay Gündogan. ▪

DORTMUND ▪ Wenn nahezu alle Akteure des Kaders zur Verfügung stehen, dann wird hinsichtlich der Aufstellung oft von der Qual der Wahl gesprochen. „Die Qual hat nur der Trainer, darunter leiden muss in erster Linie der Spieler“, sagt Jürgen Klopp, Fußball-Lehrer des Bundesligisten Borussia Dortmund.

Einer, der seit einigen Tagen auch unter der Entscheidung Klopps leiden muss, ist BVB-Neuzugang Ilkay Gündogan. Der gehörte zuletzt nicht einmal mehr dem Kader der Schwarz-Gelben an, musste von außen mit ansehen, wie Routinier Sebastian Kehl im defensiven Mittelfeld neben Sven Bender voll überzeugte.

Gündogan auf die Tribüne schicken zu müssen, war auch für Klopp nicht einfach. „Ich habe mit ihm darüber gesprochen“, bestätigt er. „Er hat das professionell akzeptiert, ist dabei aber natürlich nicht gerade in Jubelstürme ausgebrochen.“ Schließlich hat sich der Dortmunder Trainer momentan nicht gegen den Jung-Nationalspieler, sondern für Sebastian Kehl ausgesprochen. „Unser Spiel hat sich verändert“, erklärt Klopp. Andere Akteure haben inzwischen im Aufbau die Rolle von Regisseur Nuri Sahin übernommen haben, der zu Real Madrid wechselte. Vor allem ergriff Innenverteidiger Mats Hummels in den vergangenen Wochen die Initiative, war er es, der unheimlich viele Ballkontakte hatte und die langen Pässe nach vorn spielte. „Weil der Gegner meist nur mit einer Spitze angreift, hat ein Innenverteidiger auch die Zeit und den Raum dazu, diese Rolle zu übernehmen“, betont Klopp. „Deswegen brauchen wir die Stabilität im zentralen Mittelfeld.“ Und diese Aufgabe erfüllen derzeit Sven Bender und Sebastian Kehl „sehr ordentlich“, wie der Coach versichert. Vor allem Routinier Kehl hat sich erheblich gesteigert, was, so Klopp, in erster Linie an der verbesserten Physis des Kapitäns liegt. „Sebastian ist wieder so weit, dass  er den Belastungen der vielen englischen Wochen standhalten kann. Das wäre vor einem Jahr nicht möglich gewesen“, betont Klopp.

Weil sich nach dem enttäuschenden Auftritt in Piräus eine Anti-Stimmung im Umfeld gegen Neuzugang Ilkay Gündogan richtete, nahm der Dortmunder Trainer den Deutsch-Türken erst einmal aus der Schusslinie: „Bei ihm war die Luft etwas raus.“ Abgeschrieben hat der 44-Jährige den neuen Mittelfeldmann allerdings nicht. „Ilkay Gündogan ist für uns ein Langzeitprojekt“, beteuert Klopp. „Deswegen haben wir ihn ja auch für mehrere Jahre verpflichtet. Wir sind alle nach wie vor 100 Prozent von ihm überzeugt.“ Was Gündogan derzeit vor allem fehle, seien das Selbstvertrauen und die Sicherheit. Und diese Dinge soll er sich erst einmal im täglichen Training erarbeiten. Dabei stellt der Coach den Vergleich mit Lucas Barrios an. „Der wurde nach nur wenigen Spielen bei uns schon als Welt-nix-Jäger bezeichnet“, schmunzelt Klopp. „Als er dann in der richtigen Verfassung war, ist er durchgestartet.“

Am Samstag im schweren Auswärtsspiel in Stuttgart wird Klopp aber wieder Sven Bender und Sebastian Kehl auf der Doppel-Sechs vertrauen, obwohl beide angeschlagen aus dem Pokalspiel gegen Dresden gingen. Bender klagt über Beschwerden am Sprunggelenk, Kehl über leichte muskuläre Probleme. Beide trainierten deswegen gestern nur individuell. Laut Teamarzt werden sie aber heute an der Abschlussübungseinheit teilnehmen können.

Quelle: wa.de

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