Hummels im Interview: Vater wie ein römischer Kaiser

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Mats Hummels (l.) gegen Franck Ribéry

DORTMUND - Mats Hummels ist eine feste Größe bei Borussia Dortmund und auf dem Weg dahin, dies auch in der Nationalmannschaft zu werden. Der Innenverteidiger spricht im Interview über seine Spielweise und seinem Vater als strengsten Kritiker.

Herr Hummels, haben Sie sich Ihre langen Pässe schon abgewöhnt?

Hummels: Nicht ganz (lacht). Mich erstaunt, wie sehr sich dieses Thema hält. Ich weiß, dass ich bei meinen ersten drei, vier Spielen in der Nationalelf eine ganze Menge lange Bälle gespielt habe. Dann habe ich gemerkt, die funktionieren hier nicht – und habe sie abgestellt.

Dabei klappt es in Dortmund sehr gut. Ein Experte hat sie sogar schon als Dortmunds Spielmacher bezeichnet.

Hummels: Ja, ich wollte nach Nuri Sahins Weggang eine noch dominantere Rolle einnehmen. Und wenn nun einige Gegner meinen, sie müssten mich als Innenverteidiger schon in Manndeckung nehmen (lacht), dann ist das ein Kompliment und spricht wohl für meine Qualitäten in der Spieleröffnung.

Sind diese denn nun auch bei der EM gefordert? Ihr Konkurrent in der Innenverteidigung, Per Mertesacker, ist verletzt.

Hummels: Zunächst mal gehe ich davon aus, dass Per rechtzeitig zur EM wieder fit wird. Und dann werden wir mit vier Spielern um zwei Plätze streiten. Ich habe im letzten Jahr die viert- oder fünftmeisten Einsatzminuten gehabt von allen Spielern, deswegen bin ich sehr zufrieden und sehe gute Chancen.

Sind Sie der BVB-Spieler, der am sichersten bei der EM dabei ist?

Hummels: Das glaube ich nicht. Wenn Mario (Götze) fit ist, wird kein Trainer auf ihn verzichten. Natürlich stehen für mich und ihn die Chancen im Moment am besten. Aber ich hoffe, dass Sven (Bender), wenn er mal kein Pech hat mit seinem Gesicht hat, und auch Schmelle (Marcel Schmelzer) und Kevin (Großkreutz) zum Einsatz kommen.

Haben Sie eigentlich einen Berater? Oder macht das komplett Ihr Vater?

Hummels: Das macht mein Vater.

Wie genau funktioniert das zwischen Ihnen?

Hummels: Mein Vater kennt ja ganz Fußball-Deutschland, dadurch dass er nun auch schon seit 35 Jahren im Geschäft ist. Deswegen macht er das für mich. Ich bin da ganz froh, da ich eh kein Freund der Beraterszene bin. Für mich sind da einige fragwürdige Leute unterwegs.

Telefonieren Sie jeweils nach den Spielen? Gibt es eine Analyse Ihrer Leistung?

Hummels: Im Großen und Ganzen macht er nur den Daumen hoch oder runter. Er ist wie der römische Kaiser, der sagt, ob es gut oder schlecht war.

Und der aus seiner eigenen Zeit erzählt?

Hummels: Er meint immer nur, dass er viel mehr gelaufen ist als ich. Und dass ich erst was sagen darf, wenn ich mehr Zweitliga-Spiele habe als er. Aber die habe ich ja immer noch nicht.

Allerdings, Sie sind mit Dortmund vor dem FC Bayern. Gibt es noch einen Grund für einen jungen Spieler, nach München zu wechseln?

Hummels: Ja natürlich, sehr viele! Man weiß zum Beispiel, dass Bayern auch in zehn Jahren noch ganz vorne sein wird, da müssen wir uns in Dortmund erst noch erkämpfen.

Sind Sie nach wie vor sauer oder enttäuscht, dass man Sie damals nicht wollte?

Hummels: Nein. Das war damals ja völlig verständlich. Bayern hatte die Rekordabwehr Lucio/Demichelis, da hatte ich relativ wenig Argumente. Deswegen war es kein Problem. Und als dann Jürgen Klinsmann kam, stand ich nicht so im Blickpunkt und er kannte mich gar nicht richtig. Deswegen sagte er auch, den können wir verkaufen. Und damit bin ich ganz glücklich.

Interview: Michael Knippenkötter

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Quelle: wa.de

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