Ein großer Tag für den BVB

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Jürgen Klopp erhalten während der laufenden Pressekonferenz eine Bierdusche. ▪
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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Jürgen Klopp erhalten während der laufenden Pressekonferenz eine Bierdusche. ▪

DORTMUND ▪ Über eine Stunde nach Spielschluss hatte Jürgen Klopp, der Meistermacher des BV Borussia Dortmund, die Schale noch nicht einmal berührt. Und der ansonsten so redselige Fußball-Lehrer suchte während der obligatorischen Pressekonferenz nach dem 3:1 (0:0) zum Saisonkehraus gegen die Frankfurter Eintracht vergblich nach den passenden Worten. Von Peter Schwennecker

„Ich finde diese Situation äußerst skurril“, stammelte der 43-Jährige und versuchte, Rücksicht auf seinen Kollegen Christoph Daum zu nehmen, der nur zwei Meter neben ihm saß und gerade zum ersten Mal in seiner Karriere abgestiegen war. „Das ist sicherlich ein großer Tag für den BVB, der 14. Mai 2011 wird in die Geschichte des Vereins eingehen, doch mehr fällt mir derzeit nicht ein“, betonte der Coach.

Ohnehin war nur wenige Sekunden später der letzte Auftritt vor der Journalistenschar abrupt beendet, denn die Dortmunder Profis hatten sich von hinten in den Presseraum geschlichen und Klopp, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Pressesprecher Josef Schneck eine kräftige Bierdusche verpasst. Nur der äußerst verdutzt dreinblickende Daum wurde verschont, der an den Gerstensaft wohl auch keinen Gefallen gefunden hätte.

So richtig ausgelassen feierten die Borussen erst in den Katakomben des Signal Iduna Parks. Denn die offizielle Feier auf dem Stadionrasen war schneller als geplant beendet. Schiedsrichter Peter Gagelmann pfiff die Partie direkt nach dem 3:1 durch Lucas Barrios ab. Die überraschende Frankfurter Führung durch Sebastian Rode (46.) hatte zunächst Barrios (68.) ausgeglichen, Marco Russ (73.) mit einem Eigentor das 2:1 markiert. Die Dortmunder vergaben zudem durch Barrios und Leonardo Dede zwei Foulelfmeter. Die Fans auf der Südtribüne waren von den Ordnern kaum noch zu halten. Als DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sowie DFL- und BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball um 17.41 Uhr die Meisterschale an Kapitän Roman Weidenfeller überreichten, brachen alle Dämme. Nach einer verkürzten Ehrendunde flüchteten die Dortmunder Profis vor den auf den Rasen gestürmten Anhängern in den Tunnel. „Das ist schier unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das als Profi noch einmal erlebe“, schwärmte der Dortmunder Schlussmann beim Gang in die Kabine.

Allen voran Kevin Großkreutz sorgte dort für ausgelassenen Stimmung. „Bambule, Randale – Dortmund hat die Schale“, stimmte er immer wieder an, wurde dabei von seinen Teamkollegen mit Sekt geduscht. Und als dann gegen 18.30 Uhr auch Jürgen Klopp in der Mannschaftskabine erstmals die Schale hochheben durfte, musste er durch den zum Saisonende scheidenden Dede die dritte kräftige Bierdusche hinnehmen. „Einfach geil, mit meinem Verein in meiner Stadt Deutscher Meister zu werden, das ist einfach ein Traum. Ich werde in den nächsten drei Tagen bestimmt nicht ins Bett gehen“, strahlte der gebürtige Dortmunder Großkreutz und lief – leicht bekleidet – immer wieder nach draußen zu den Fans, um mit ihnen zu feiern.

Lucas Barrios herzte im Kabinengang seine ganze Familie, die eigens aus Argentinien angereist war. Immer wieder ließ er Fotos mit seinem Vater und seinem Sohn und der Meisterschale schießen. „Ich freue mich, dass sie direkt erleben können, was hier in Dortmund los ist“, sagte der Torjäger.

Derweil musste Shinji Kagawa den zahlreich vertretenen japanischen Journalisten Rede und Antwort stehen. Er hatte in der Schlussphase erstmals nach seinem Mittelfußbruch einen Kurzeinsatz gefeiert. „Diesen Tag werde ich im Leben nicht vergessen“, erklärte der Mittelfeldakteur. Morgen, Dienstag (20.30 Uhr), tritt er mit der Borussia in Duisburg zu einem Benefizspiel für die Tsunami-Opfer gegen eine japanische Auswahl an. Spätestens dann dürfte für die BVB-Profis der Feier-Marathon beendet sein.

Quelle: wa.de

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