Ganz bitterer Nachmittag

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DORTMUND ▪ Roman Weidenfeller hielt nichts mehr. Der Schlusspfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark war gerade verklungen, da offenbarte der Torwart von Borussia Dortmund Sprinterqualitäten und stürmte stinksauer in die Katakomben des Signal-Iduna-Parks. Von Frank Heidenreich

Die Gemütslage des Keepers stand stellvertretend für die der gesamten Mannschaft, die zwischen Enttäuschung, Wut und Fassungslosigkeit schwankte. Am Ende eines ganz bitteren Nachmittags vor 80 100 Zuschauern hatten die Borussen gegen ein überaus harmloses Team von 1899 Hoffenheim durch ein spätes Gegentor und das daraus resultierende, unnötige 1:1 (0:0) den Sprung auf den dritten Platz verpasst. „Das fühlt sich total ungerecht an“, meinte BVB-Trainer Jürgen Klopp, als er mit gequälter Miene das Remis kommentierte.

Das Ergebnis war indes nur ein Grund für die tiefe Niedergeschlagenheit bei den Dortmundern. Es gab bereits in der ersten halben Stunde zwei weitere – und die waren personeller Natur. Zunächst musste Nuri Sahin das Feld räumen, nachdem er im Zweikampf im Sejad Salihovic den Ellenbogen abbekommen hatte – Nasenbeinbruch (22.). Nur sieben Minuten später verdrehte sich Mohamed Zidan das Knie – Verdacht auf Kreuzbandriss. „Wenn ein Spiel so beginnt, dann läuft es meist in die komplett falsche Richtung. Eigentlich war alles angerichtet für eine Niederlage“, meinte Klopp.

Doch der BVB zeigte sich relativ unbeeindruckt. Die Gastgeber bissen sich in Spiel, bestimmten das Geschehen gegen die nach vielen Tiefschlägen ausschließlich auf Sicherheit bedachten Hoffenheimer, die nicht einmal gefährlich vor dem Kasten der Gastgeber auftauchten. Hochkarätige Chancen erarbeiteten sich die Borussen aber nicht. Immerhin sorgten Lucas Barrios per Kopf (10.) und mit einem 20-Meter-Schuss (19.) sowie Neven Subotic mit einem Kopfball nach Ecke von Tamas Hajnal (31.) für Gefahr. „Wenn sich eine Mannschaft komplett auf das Verteidigen beschränkt – woher sollen dann die Chancen kommen?“, fragte Klopp. „Wir mussten uns jeden kleinen Vorteil brutal erarbeiten.“

Der Grad der Bedrohung für das Hoffenheimer Tor stieg allerdings unmittelbar nach dem Wechsel mächtig an. Zunächst hatten die Kraichgauer noch Glück, als Barrios einen Kopfball von Mats Hummels über die Linie drückte, Stark allerdings fälschlicherweise auf Abseits entschied (47.). „In so einem Spiel braucht man die absolut richtigen Entscheidungen. Und die hatten wir nicht“, ärgerte sich Klopp. Zehn Minuten später allerdings nutzte Nelson Valdez die Schlafmützigkeit der Hoffenheimer Hintermannschaft und köpfte aus kurzer Distanz eine Flanke von Kevin Großkreutz zum 1:0 ein.

Was folgte, war ein kollektiver Rückzug der Borussen, die Hoffenheim die Initiative überließen. Die Gäste wussten lange nichts mit dem Platz anzufangen, hätten sogar den vorentscheidenden zweiten Treffer kassieren können, als Barrios an Timo Hildebrand scheiterte (84.). Dass die Borussen letztlich trotzdem zwei Punkte abgaben, hatten sie sich selbst zuzuschreiben – vor allem Hajnal. Dessen Ballverlust im Mittelfeld leitete den einzigen gescheiten Hoffenheimer Angriff im gesamten Spiel ein, an dessen Ende eine Flanke von Carlos Eduardo und der zehnte Saisontreffer des eingewechselten Bosniers Vedad Ibisevic standen (89.). „Bei Tamas ging die Kette los“, sagte Klopp, wollte dem Mittelfeldmann aber nicht die Alleinschuld am Gegentor geben. Denn das „hätte noch an zwei, drei Stellen verhindert werden können. So sind wir für den einzigen Fehler bestraft worden.“ Und das „tut richtig weh“, meinte Leonardo Dede nach der gefühlten Niederlage, die ihm so ganz nebenbei den 32. Geburtstag verhagelt hatte. Es war halt ein ganz bitterer Nachmittag.

Quelle: wa.de

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