Feiern bis die Schale kommt

Die BVB-Profis feierten Trainer Jürgen Klopp vor der Südtribüne. ▪

DORTMUND ▪ Die obligatorische Bierdusche war nicht zu vermeiden, von den Spielern war er vor der Südtribüne auf Händen getragen worden, um sich anschließend vor den Fans zu verneigen: Jürgen Klopp, der „Meistermacher“, durchlebte nach dem Schlusspfiff im „Tollhaus“ Signal Iduna Park ein Wechselbad der Gefühle.

Von Peter Schwennecker

Er benötigte unheimlich lange, um nach dem 2:0 (2:0) gegen den 1. FC Nürnberg, mit dem die siebte Deutsche Meisterschaft des BVB feststand, die passenden Worte zu finden. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das so anfühlt“, lächelte der Fußball-Lehrer. „Ich hatte gedacht, das wird euphorischer, aber so war doch eher eine große Erleichterung zu spüren.“ Wonach sich Klopp sogar zu einem für ihn ungewöhnlichen Eingeständnis durchrang: „Der Druck in den vergangenen Wochen war schon gewaltig.“

Die große Anspannung unter den Dortmunder Fans hatte sich am Samstag spätestens um 16.53 Uhr gelöst, als Stadionsprecher Norbert Dickel mit freudetrunkener, krächzender Stimme die Führung der Kölner gegen Verfolger Bayer Leverkusen verkündete. Zu diesem Zeitpunkt führten die Schwarz-Gelben durch Treffer von Lucas Barrios (32.) und Robert Lewandowski (43.) souverän mit 2:0, der Weg zum vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft war endgültig frei.

In der Schlussphase interessierte sich keiner mehr so richtig für das Spiel, und nach dem Abpfiff gab es dann kein Halten mehr. Vor allem nicht bei Kevin Großkreutz, der sich Dickels Mikrofon schnappte und vor der Südtribüne den Meister-Song anstimmte. Anschließend befreite ihn der Brasilianer Felipe Santana mit einem Akkurasierer von seinem Haarschmuck. Wegen der Meisterwette war Großkreutz seit Oktober nicht mehr zum Frisör gegangen. „Es ist ein überragendes Gefühl, mit meinem Verein in der Stadt, in der ich geboren wurde, Deutscher Meister zu werden“, jubelte der Jung-Nationalspieler. „Vor zwei Jahren stand ich selbst noch auf der Südtribüne und bin als Fan zu den Auswärtsfahrten gefahren. Es ist unglaublich, was in der Zeit bis heute passiert ist.“ Über eine Stunde lang genossen die Dortmunder Spieler im Stadion mit ihren Fans den Triumph, die anschließend in die Innenstadt zogen, um nach alter Tradition auf dem Borsigplatz weiter zu feiern.

Die Mannschaft zog sich in ein italienisches Restaurant zurück, wo der Titel im kleinen Kreis genossen wurde. Dort ging es allerdings weitaus ruhiger zu als im Stadion. „Nach dem Schlusspfiff war ich zwei bis drei Minuten so richtig in Ekstase“, berichtete Innenverteidiger Mats Hummels. „Doch dann bin ich erst einmal in ein tiefes Loch gefallen.“ So richtig realisieren konnte er den Titelgewinn noch nicht, erzählte von äußerst unruhigen Wochen und schlaflosen Nächten. „Seit fünf Wochen habe ich geträumt, die Meisterschaft zu holen. Doch nachts bin ich immer wieder aufgewacht, und habe registriert, dass wir noch nicht durch waren“, lächelte Hummels, der dann umso erleichterter war, als Norbert Dickel während des Spiels durchgesagt hat, dass Köln gegen Leverkusen führt. „Das war ein geiler Moment. Ich hatte richtig Gänsehaut.“ Die Spieler hatten sich von den Fans schnell Nachbildungen der Meisterschale aus Pappe besorgt, mit der sie anschließend ihre Ehrenrunden drehten. Die richtige Schale wird DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball, gleichzeitig auch Präsident des BVB, seinen Profis erst nach dem letzten Heimspiel am 14. Mai gegen die Frankfurter Eintracht bei der offiziellen Ehrung überreichen. Bis dahin heißt es für alle Dortmunder: Feiern bis die Schale kommt...

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