Barrios-Dreierpack bringt Borussia Dortmund in die Europa League

NÜRNBERG ▪ Von Marcus Bark ▪  Ein kleiner Junge im Trikot von Borussia Dortmund drückte sich an der Scheibe die Nase platt. Er sah viele Menschen, viele Scheinwerfer und viele Mikrofone.

Es war selten so leicht, Gedanken zu lesen: Wenn dieser Mann, der von den Scheinwerfern ausgeleuchtet wird und dem die ganzen Mikrofone entgegen gestreckt werden, mir doch jetzt ein Autogramm geben würde! Dass der Junge gerne träumt, war schon daran zu sehen, dass er eine Meisterschale aus Pappe in der Hand hielt. Borussia Dortmund Deutscher Meister? Darauf wird er noch warten müssen, mindestens ein Jahr lang, vermutlich länger. Aber schon in der kommenden Saison wird der Träumer den BVB wieder gegen Mannschaften aus Ländern spielen sehen, von denen er vielleicht noch nie etwas gehört hat.

Durch das 5:1 von 1899 Hoffenheim gegen den Hamburger SV gestern ist den Dortmundern die Teilnahme an der Europa League sicher. Für diesen Fall hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Samstagabend nach dem 3:2-Sieg beim 1. FC Nürnberg angekündigt: „Dann werden wir uns mit größeren Dingen beschäftigen und eine neue Kommunikationsstruktur aufbauen.“ Übersetzt für kleine Jungs mit Meisterschale in der Hand: „Jetzt wollen wir auch noch in die Champions League und gegen den FC Barcelona spielen.“

Das wäre – für alle, die ein BVB-Trikot tragen und dazu eine schwarz-gelbe Brille – ein Duell der Superlative. Lionel Messi, der weltbeste Fußballer, gegen Lucas Barrios, den Welttorjäger von 2008, den Mann, auf den die Scheinwerfer gerichtet waren. Vier Spiele war der gebürtige Argentinier ohne Treffer geblieben. Er wirkte in diesen Partien etwas müde vom aufreibenden Kampf als alleiniger Stürmer in einem System, das läuferisch ohnehin schon viel verlangt. Am Samstag aber war Barrios wieder da und zeigte, warum sie ihn in der südamerikanischen Heimat „Il Pantera“ nennen. Der Panther schlich durch den Nürnberger Strafraum, köpfte einen Freistoß von Nuri Sahin zum 1:0 ein (27.), traf nach einem Pass von Sahin zum 2:1 (62.) und nach einem zunächst abgewehrten Schuss von Sahin zum 3:1 (78.). Der Mann mit der Gesichtsmaske, die er wegen eines Nasenbeinbruchs trug, und Barrios waren die überragenden Spieler in einer Mannschaft, die alles andere als überzeugend gespielt hatte. Es wurde zwar nach dem Anschlusstreffer von Christian Eigler (84.) nicht mehr bedrohlich für das Tor der Borussen, aber ihnen schlotterten unter den müden Oberschenkeln die Knie. „Man stelle sich nur einmal vor, wir hätten noch das 3:3 kassiert. Dann hätten wir einen Knacks bekommen“, sagte Sahin, der Maskenmann. „Wer mit einer jungen Truppe da oben mitmischen will, der muss in solchen Spielen am Ende auch einmal Glück haben“, schnaufte Jürgen Klopp durch. Der Trainer bemängelte einige Dinge im Spiel des BVB, etwa das Abwehrverhalten beim 1:1 durch Mike Frantz (30.).

Zwei überragende Spieler, eine durchschnittliche Leistung und eiserner Wille reichten dem BVB zum ersten Auswärtssieg seit dem 4:1 beim VfL Bochum im März. Damals waren Barrios zwei Treffer gelungen, nun erzielte er in Nürnberg erstmals drei in einem Bundesligaspiel. „Lucas hat einfach ein eingebautes Tor-Gen“, sagte Watzke, bevor er dem „Club“ Mut machte für die restlichen Aufgaben: „Die Nürnberger haben gegen uns den besten Eindruck von den Abstiegskandidaten gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass sie die Klasse halten. Das ist auch gut so, denn ich mag Traditionsklubs.“ Einige aber mehr als andere. Auf die Frage, wem er die Meisterschaft wünsche, sagte Watzke: „Dem Traditionsklub aus München.“ Dann grinste er und schritt auf den Ausgang zu, an dem ein kleiner Junge im BVB-Trikot träumte.

Quelle: wa.de

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