Provinzposse um Landeverbot für BVB am Dortmund Flughafen

DORTMUND/NÜRNBRG ▪ Traditionell besucht die Mannschaft von Borussia Dortmund im Advent die Kinderklinik der Stadt einschließlich der Krebsstation. Die Spieler verteilten schwarz-gelbe Nikoläuse, Kalender und Spielzeug. Wie nichtig ihr Problem in der Nacht zuvor war, wurde den Profis dabei bewusst.

Von Marcus Bark 

 Weil ihre Charter-Maschine auf dem Rückflug vom souveränen 2:0-Sieg beim 1. FC Nürnberg 29 Sekunden nach 23 Uhr und damit 29 Sekunden zu spät auf dem Flughafen in Dortmund gelandet wäre, musste sie durchstarten und Paderborn ansteuern. Mit einem Fan-Bus des Zweitligisten SC Paderborn ging es über glatte Straßen nach Hause, viel später als gedacht. „Eine Provinzposse erster Güte“, nannte BVB-Sportdirektor Michael Zorc die strikte Einhaltung des Nachtlandeverbots.

Die Schutzgemeinschaft Fluglärm Dortmund – Kreis Unna e.V. wird es freuen, dass sich mal wieder jemand erfolgreich dem Ballspielverein in den Weg gestellt hat. In der Bundesliga schaffte dies seit dem ersten Spieltag, als Bayer Leverkusen in Dortmund mit 2:0 gewann, keiner mehr. Es war das einzige Mal, dass der Tabellenführer, den auch Trainer Jürgen Klopp nun offiziell zum Kreis der Titelanwärter zählt, zwei Tore hinnahm. Seitdem gab es jeweils sieben Mal einen oder keinen Gegentreffer. „Es ist ein gravierender Unterschied zu anderen Mannschaften, dass unser Ansatz immer ein defensiver ist“, sagte Klopp nach dem achten Auswärtssieg in Folge, der die Punkte 38 bis 40 brachte. Einige Male war er im Nürnberger Schneetreiben an die Seitenlinie gerannt und hatte die Mannschaft mit erhobenem Finger und wild kreisendem Arm gemahnt, auf Defensive umzuschalten. „Das Spiel gegen den Ball ist das wichtigste“, fügte Klopp an. Wer das nicht verinnerliche, habe bei ihm keine Chance.

Blitzschnell nach einem Angriff wieder eine stabile Grundordnung einzunehmen, aus der heraus der ballführende Gegner genauso schnell wieder unter Druck gesetzt werden kann, ist eine trainingsintensive Kunst. Sie erregt während eines Spiels weniger Aufmerksamkeit als ein missglückter Fallrückzieher. Das ist das Los von Sven Bender, der im defensiven Mittelfeld des BVB neben Nuri Sahin spielt. Sahin spielt die Pässe oder leistet die Vorarbeiten wie am Sonntag zum 1:0 von Mats Hummels, Bender verhindert die Pässe des Gegners. „Meine Aufgabe ist es, an allen Brennpunkten zu sein“, beschreibt der unauffälligere Teil der Dortmunder Doppel-Sechs seine Stelle. „Die letzte Instanz vor der Viererkette“ nannte Klopp den 21 Jahre alten Bender, über dessen Bezeichnung als Ersatz für Sebastian Kehl noch zu reden sein wird, wenn der Kapitän eventuell zur Rückrunde wieder einsatzbereit ist.

Im Sommer 2009 wechselte der gebürtige Bayer von 1860 München nach Westfalen. Michael Zorc handelte mit dem Zweitligisten ein Geschäft aus, das im Schatten der Transfers eines Lucas Barrios und Shinji Kagawa steht. Inzwischen erweist es sich als Coup, denn der Sportdirektor tauschte den hoch talentierten Bender gegen den mäßig begabten Antonio Rukavina, ohne einen Aufschlag zahlen zu müssen. Bender, dessen eineiiger Zwillingsbruder Lars bei Bayer Leverkusen spielt, war in Nürnberg der einzige BVB-Feldspieler ohne einen Einsatz in einer A-Nationalmannschaft. Das dürfte sich ändern.

Quelle: wa.de

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