„Derby-Sieg ist geiler als die Meisterschaft“

Die BVB-Profis standen nach dem Schlusspfiff auf dem Zaun vor der Südtribüne. ▪

DORTMUND ▪ Nach dem 28. Derbysieg in der Fußball-Bundesliga wurden die Helden zu Zaungästen. Hoch oben auf dem Stahlgeflecht stehend bejubelten die Profis des BVB nach dem 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den FC Schalke 04 gemeinsam mit den Anhängern auf der Südtribüne den Triumph im Revierschlager.

„Der Sieg ist ein Traum für die Fans und für die ganze Stadt, die jetzt feiern darf“, strahlte der junge Moritz Leitner nach seinem Derby-Debüt. „Es sind so viele Fans mit uns nach London gereist und haben uns trotz der Niederlage gefeiert“, begründete Verteidiger Mats Hummels den außergewöhnlichen Mannschafts-Ausflug. „Da wollten wir einfach mal etwas zurückgeben und uns hautnah mit den Fans freuen.“ Grund genug hatten die Schwarz-Gelben, denn sie degradierten die blau-weißen Erzrivalen vor 80 720 Zuschauern mit einer starken Teamleistung zu Statisten. Mit dem Ergebnis nach den Toren von Robert Lewandowski (16.) und Felipe Santana (61.) waren die harmlosen Schalker mehr als gut bedient.

BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte seine Elf gleich auf mehrere Positionen verändert und sich dabei „für Frische statt Eingespieltheit“ entschieden. Shinji Kagawa und ausgerechnet der Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz saßen beim Anpfiff nur auf der Bank. „Kevin ist unsere Maschine, er ist in den beiden vergangenen Spielen jeweils über 13 Kilometer gelaufen“, erklärte der Coach. „Auch er wird irgendwann mal müde.“ Die personellen Veränderungen sorgten für eine kräftige Rotation in der Abteilung Attacke. Stürmer Lucas Barrios stand erstmals in dieser Saison in der Startformation, weshalb sich Lewandowski hinter die Spitze zurückfallen ließ. Mario Götze wich von rechts auf den linken Flügel aus und schaffte Platz für Jakub Blaszczykowski.

Maßnahmen, die sich auf dem Rasen auszahlten, zumal sich der BVB glänzend auf den Gegner eingestellt hatte. „Öffentlich lobe ich meine Co-Trainer viel zu selten“, sagte Klopp. „Zejlko Buvac und Pete Krawietz haben den Gegner akribisch analysiert und die Elf optimal vorbereitet, wir haben alles eins zu eins umgesetzt und Schalke nie ins Spiel kommen lassen.“ Lediglich in einer kurzen Phase nach der Pause gelang es den Blau-Weißen, in der Offensive Akzente zu setzen. Doch mehr als ein Schuss ans Außennetz von Lewis Holtby kam dabei nicht heraus.

Jedenfalls hatte auch Klopp in keiner Minute der Partie das Gefühl, dass an diesem Tag aus Dortmunder Sicht etwas schiefgehen könnte: „Es ist alles gut gelaufen, ich bin mehr als zufrieden, ich bin fast schon begeistert. Das war Wahnsinn. Die Jungs haben rotzfrech gespielt, da wird es dann in diesem Stadion generell für jeden Gegner schwer.“

Jedenfalls hat sich die Borussia nach dem Überraschungscoup in München mit dem Sieg im Derby endgültig im Titelkampf zurückgemeldet, die Enttäuschung von London mit dem drohenden Aus in der Champions League überwunden. „Die Jungs haben drei Tage nach einem ganz schwierigen Spiel hier so einen rausgehauen. Das ist nicht selbstverständlich“, lobte Klopp die Einstellung. Und auch Kevin Großkreutz, der in den letzten Minuten noch eingewechselt wurde, hatte nach der Partie den Frust vom anfänglichen Bankdasein überwunden: „Der Sieg ist geiler als die Meisterschaft.“ Und die ist jetzt wieder ein Thema. Die Woche der Wahrheit findet für die Dortmunder eine Fortsetzung. Denn am kommenden Samstag (15.30 Uhr) steht für den BVB gleich das nächste Spitzenspiel an – beim Namensvetter in Mönchengladbach. ▪

Peter Schwennecker

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