Borussia Dortmund

BVB-Boss Watzke feiert 60.: Der Kämpfer wird nicht müde

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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

Hans-Joachim Watzke hat Borussia Dortmund einst am Rande des Ruins übernommen. Zu seinem 60. Geburtstag kann sich das Lebenswerk des Geschäftsführers sehen lassen.

Dortmund - Champagner schon am Morgen, Buttercremetorte und seichte Festreden, das ist alles nichts für Hans-Joachim Watzke. "Es wird ein ganz normaler Tag für mich, da gibt es keine Feier", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund dem SID vor seinem 60. Geburtstag am Freitag (21. Juni): "Wie schon vor zehn Jahren zum Fünfzigsten. Da war ich einfach mit unserer U19 zum Halbfinale beim SC Freiburg."

Allzu salbungsvolles Geschwafel, berichtete Watzke im kicker, "törnt mich total ab". Der BVB-Boss ist ein handfester Mann, ein Sauerländer aus Marsberg, ungeduldig, mit Hang zum klaren, bisweilen polternden Wort.

Deshalb ist er auch kein Politiker geworden, wie es sein Vater war, was wiederum nicht heißt, dass der CDU-nahe Watzke kein Kalkulierer ist: Er weiß ganz genau, wie er mit Medien und Positionen spielt. Er beherrscht den Stammtisch - und das Staatstragende.

Watzke übernahm dem BVB am Rande des Ruins

Vor allem aber kann "Aki" Watzke: den BVB. Er rückte vom Schatzmeister-Amt 2005 an die Vereinsspitze vor, "auf dem Höhepunkt der existenziellen Krise". Kurz: Er übernahm den BVB am Rande des Ruins. Kaum einen Monat später stimmten die Gläubiger nach einer dramatischen Marathonsitzung dem Sanierungsplan zu. "Wie die Entwicklung seitdem ist, nachdem wir bis September 2006 unter Gläubigerabhängigkeit waren, überlasse ich gerne Menschen mit Fachkenntnis", sagte er dem SID.

Dies lässt sich anhand seiner eigenen Worte erklären. "Einen Millimeter vor der Insolvenz" habe der BVB seinerzeit gestanden, inzwischen ist er ein Dickschiff mit einem Jahresumsatz jenseits von 500 Millionen Euro. Den großen Rivalen FC Bayern München, an dem sich Watzke seit Jahren nicht nur verbal abmüht, bezeichnete er jüngst als "Mount Everest". In diesem Bild der Achttausender des deutschen Fußballs wäre die Borussia längst der K2, der zweitgrößte Riese.

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In München sollte man sich keinen Hoffnungen hingeben, dass der schwarz-gelbe Dauerdruck bald nachlässt. Denn Watzke hat seinem Herzensverein gerade erst eine selbstbewusstere, lautere Kommunikationskultur verordnet. "Wir werden noch ambitionierter auftreten", sagt er, "ohne Wenn und Aber" wird das Ziel formuliert: "Wir wollen Meister werden."

Watzke bleibt angriffslustig

Watzke ist mit 60 ebenso topfit wie angriffslustig. "Natürlich ist irgendwann mal Schluss. Aber wir müssen nicht jeden mit 60 oder 62 halbtot reden", sagt er: "Ich habe überhaupt keinen Bock aufzuhören, warum auch? Die Menschen werden immer älter - warum sollten sie sich immer früher aus dem Arbeitsleben verabschieden?" Watzkes Vertrag endet am 31. Dezember 2022. Sein Engagement wohl kaum. So ein "Mount Everest" lässt sich auch mit 65 oder 67 bezwingen.

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Auch abseits des großen Sports gibt es viel zu tun, beispielsweise in Marsberg, wo Watzke seit vielen Jahren dem SV Rot-Weiß Erlinghausen vorsitzt. Seine Schutzbekleidungsfirma ("Watex") hat er seiner Ehefrau Annette weitergegeben, die Zwillinge André und Katharina helfen, wo sie können.

Darsteller in Amazon-Doku

Und Hans-Joachim Watzke wird auf seine nicht ganz so alten Tage Neues erleben. Er schaut selbst gerne Netflix, um sich nach Niederlagen nachts abzulenken. Bald allerdings wird er als Darsteller zu sehen sein - beim Konkurrenten Amazon Prime.

Am 9. August startet beim Streamingdienst ein Vierteiler über die BVB-Saison 2018/19. Der Boss hat sich verkabeln lassen, was er ab und an vergaß und recht zünftig agierte - es dürfte witzig werden. "Egal, wo ich hinkam, die waren schon da", berichtete Watzke: "Manchmal dachte ich, ich hätte mit dem Team mehr Kontakt als mit meiner Frau."

Zumindest dies wird an seinem 60. Geburtstag wohl anders sein.

sid

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Quelle: wa.de

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