"Gonzo" im Gespräch

Castro im Exklusiv-Interview: „Pokalsieg macht Lust auf mehr“

Gut gelaunt im Interview: Gonzalo Castro.
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Gut gelaunt im Interview: Gonzalo Castro.

Gonzalo Castro, technisch beschlagener Antreiber im Mittelfeld, geht in seine dritte Saison beim BVB. Was der Führungsspieler über Peter Bosz, Mario Götze denkt und was seine Träume sind, lesen Sie bei uns im Interview.

Bad Ragaz - Denkt man an die Eckpfeiler in der Mannschaft von Borussia Dortmund, fallen den meisten wohl Namen wie Sokratis, Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang ein. Doch eine der großen Stützen war Gonzalo Castro, der seinen Vertrag erst kürzlich bis 2020 verlängerte. Der 30-jährige Mittelfeldspieler bestritt in den vergangenen beiden Jahren beeindruckende 83 Pflichtspiele für den BVB. Im exklusiven Interview mit dem Westfälischen Anzeiger gibt „Gonzo“ Einblicke in die Vorbereitung, beschreibt seine Rolle unter dem neuen Trainer Peter Bosz und spricht über die Gier nach weiteren Erfolgen im BVB-Trikot.

Hallo Herr Castro. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft hier im Trainingslager in Bad Ragaz?

Gonzalo Castro: „Gut! Wir haben jetzt zum Glück schönes Wetter. Die ersten zwei Tage waren nicht so toll, auch wegen des Spiels, das wir leider verloren haben (Anm. d. R.: 0:1 gegen Espanyol Barcelona). Ich denke, dass wir das gut aufgearbeitet haben. Wir hatten den Samstagnachmittag frei, konnten so die Köpfe freibekommen.“

"Angenehm, nicht Bus fahren zu müssen"

Es ist bereits das siebte Mal, dass sich der BVB in Bad Ragaz auf die kommende Saison vorbereitet. Was zeichnet den Ort und die Trainingsbedingungen aus?

Castro: „Man hat vor allem sehr viel Ruhe. Die Behandlungs- und Erholungsmöglichkeiten sind sehr gut, wir müssen keine weiten Wege zurücklegen. Wir fahren mit dem Fahrrad zum Training, das dauert rund zehn Minuten. Es ist sehr angenehm, dass wir nicht jedes Mal mit dem Bus fahren müssen.“

War die 0:1-Niederlage gegen den spanischen Erstligisten Espanyol Barcelona ein Stimmungsdämpfer oder ein Warnschuss zur rechten Zeit vor dem Saisonstart?

Castro: „Weder, noch. Der Trainer hat uns nach der Partie gesagt, dass wir ein ordentliches Spiel gemacht haben, nur die Tore fehlten. Wir haben uns Chancen erspielt und sehr viel nach vorne gepresst, so wie sich Peter Bosz das vorstellt. Wir wissen aber auch, woran wir noch arbeiten müssen.“

"Variabler als letzte Saison"

Die erste halbe Stunde hat der BVB attraktiven Offensivfußball geboten. War das bereits ein Vorgeschmack auf die neue Philosophie von Trainer Peter Bosz?

Castro: „Wir spielen nach vorne variabler als im vergangenen Jahr. Der Trainer gibt vor, dass die offensive Reihe ins direkte Duell gehen soll und auch den Ball verlieren darf. Die Stürmer haben sehr viel Vertrauen in die Mannschaft. Sie wissen, dass bei einem Ballverlust die Spieler dahinter schon wieder lauern. Das ist die Philosophie, die der Trainer haben möchte.“

Gegen Barcelona sind Sie gemeinsam mit Mario Götze aufgelaufen. Wie klappt das Zusammenspiel nach Götzes monatelanger Pause?

Castro: „Gut, wir haben ja auch das eine oder andere Mal gemeinsam gespielt, bevor Mario krank wurde. Er ist ein hervorragender Spieler, braucht das Vertrauen des gesamten Vereins. Man merkt, dass er jetzt wieder lacht und langsam dahingeführt wird, wo wir ihn brauchen. Er ist sportlich und menschlich ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft.“

"Vorne schon pressen"

Das wilde Pressing von bis zu fünf Leuten gegen den gegnerischen Spieler war gegen Espanyol sehr auffällig. Glauben Sie, dass die in der vergangenen Saison bisweilen wackelige Abwehr dadurch stabiler wird?

Castro: „Das Wilde ist der fehlenden Kraft über die gesamte Spielzeit geschuldet. Ich denke, dass wir zum Bundesligastart genug Reserven haben, es dann nicht mehr so wild aussehen zu lassen.“

Hatte das keine Methode?

Castro: „Klar, unser Trainer will schon, dass wir nach vorne pressen. Es darf aber trotzdem nicht vogelwild werden, sonst nutzen das die guten Mannschaften in der Bundesliga aus, und wir fangen uns nach einem Konter ein Gegentor.“

Hat sich ihre Rolle als „Achter“ unter Bosz verändert?

Castro: „Mit dem Ball hat sich nicht viel verändert, aber bei gegnerischem Ballbesitz laufen wir den Gegner höher an, wollen den Ball so früh wie möglich wieder erobern. Das ist der Unterschied zur vergangenen Spielzeit.“

"Brauche die Aufmerksamkeit nicht"

In der medialen Berichterstattung stehen Sie – etwa verglichen mit Mario Götze, Ousmane Dembélé oder Pierre-Emerick Aubameyang – nicht so prominent im Rampenlicht. Genießen Sie das oder würden Sie sich über mehr Aufmerksamkeit freuen?

Castro: (lacht) „Ich brauche die Aufmerksamkeit nicht und bin ganz froh, dass es so ist. Die Jungs mit den großen Namen stehen völlig zurecht im Fokus. Ich bin ein Spieler, der lieber im Hintergrund ist und in Ruhe Fußball spielt.“

Sie gelten als ruhiger Charakter. Ihr Kapitän Marcel Schmelzer forderte, dass nach dem Abgang von Sven Bender weitere Spieler Führungsaufgaben mit Blick auf die Team-Chemie übernehmen sollen. Fühlen Sie sich angesprochen und sehen Sie sich als Führungsspieler?

Castro: „Ja! Sven war ohne Frage ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Wir haben eine ziemliche junge Mannschaft, und die Aufgabe vor allem der erfahrenen Spieler ist es, eine gute Chemie zwischen den Älteren und Jüngeren herzustellen.“

"Wollen wieder in die Champions League"

Bereits am Samstag steht das erste Highlight der Saison an: Der BVB duelliert sich mit dem FC Bayern München um den Supercup. Könnte ein Sieg Ihrer Mannschaft einen Schub zum Saisonstart verleihen?

Castro: „Natürlich, jeder Sieg gegen Bayern gibt Selbstvertrauen. Aber man darf so ein Spiel auch nicht zu groß bewerten, denn danach geht es mit dem DFB-Pokal und dem Ligaauftakt in Wolfsburg weiter. Wir müssen uns von Woche zu Woche vorbereiten und konzentrieren, das ist auch gerade für die jungen Spieler wichtig. Nicht, dass einer meint, dass nach einem Sieg gegen Bayern alles von alleine läuft (grinst).“

Glauben Sie, dass die Borussia das Titelrennen in dieser Saison offen gestalten kann?

Castro: „Erstmal schauen wir auf uns, wir wollen uns wieder direkt für die Champions League qualifizieren und im DFB-Pokal so weit wie möglich kommen. Was darüber hinaus ist, ist zu weit weg, da können wir im nächsten Jahr nochmal drüber sprechen. Für die Liga ist es natürlich interessanter, wenn die Mannschaften dicht hinter den Bayern lauern. Wir können aber nur unsere Spiele beeinflussen, alles andere wird sich dann ergeben.“

"Pokalsieg macht Lust auf mehr"

Sie sind jetzt seit 2015 in Dortmund, waren zuvor als Profi ausschließlich bei Bayer 04 Leverkusen. Welche Ziele hatten Sie sich beim Wechsel vom Rheinland ins Ruhrgebiet gesetzt? Welche davon wurden bereits erfüllt, welche sind noch offen?

Castro: „Zu Beginn war es wichtig, gut anzukommen. Mein Ziel war es immer, einen Titel in den Händen zu halten. Jetzt kann ich sagen: Der Pokalgewinn hat Lust auf mehr gemacht! Die Euphorie der Fans war riesig, es war unglaublich, wie viele Menschen auf den Straßen waren. Wenn wir Meister werden würden oder gar die Champions League gewinnen sollten, will ich gar nicht wissen, was dann in und um Dortmund los sein wird.“

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