Nach Anschlag in Hanau

Fans in Bremen nach Schweigeminute mit klarem Statement - Rundumschlag in Gladbach: "Schäme mich!"

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Die Bundesligisten treten am 23. Spieltag mit Trauerflor an und versammelten sich am Mittelkreis zur Schweigeminute.

Die Fußball-Bundesligisten gedenken heute mit einer Gedenkminute und Trauerflor den Opfern von Hanau. BVB-Boss Watzke und Marco Reus mit emotionalen Worten.

  • Der 23. Bundesliga-Spieltag steht im Zeichen der Trauer.
  • Die Bundesligisten gedenken heute mit Trauerflor und Schweigeminute den Opfern von Hanau.
  • Während in Bremen ein Statement gesetzt wurde, holten vereinzelte Gladbacher Ultras zum Rundumschlag aus.

Update vom 23. Februar, 9.35 Uhr: Es war ein Rundumschlag der rund "50 Hornochsen" im Fanblock, wie Gladbachs Sportdirektor Max Eberl die Ultra-Gruppierung beim Heimspiel von Borussia Mönchengladbach bezeichnete. Nach der Schweigeminute für die Opfer des Attentats in Hanau hielt sie ein Plakat mit dem Konterfei des TSG-Mäzen Dietmar Hopp in die Höhe. Daneben: Ein Plakat, das in Richtung Borussia Dortmund verstanden werden dürfte.

„Hurensöhne beleidigen einen Hurensohn und werden von Hurensöhnen bestraft", hieß es dort als Reaktion auf das Urteil, welches das Sportgericht des Deutschen Fußball Bundes (DFB) am Freitag getroffen hatte. Borussia Dortmund wurde wegen Beleidigungen von Hopp zum Fan-Ausschluss bei den kommenden beiden Spielen in Hoffenheim verurteilt.

Fans in Bremen nach Schweigeminute mit klarem Statement - Entsetzen in Gladbach: "Schäme mich!"

Update vom 22. Februar, 16.55 Uhr: Dass es auch anders gehen kann, bewiesen vereinzelte Ultras von Borussia Mönchengladbach beim Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. Nachdem die Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Hanau beendet war, hielt die Gruppierung ein mehr als unangemessenes Plakat ins Rund des Stadions.

Zu sehen: Das Konterfei von Dietmar Hopp, Mäzen der TSG, im Fadenkreuz. Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. "Sehe ich da ein Banner mit Hopp im Fadenkreuz?", schrieb ein Nutzer auf Twitter. Ein Gladbach-Fan ließ seiner Wut freien Lauf: "Da schäme ich mich tatsächlich fast, Gladbach-Fan zu sein ... Peinlich!! Sowas gehört sich sowas von absolut gar nicht. Schweigeminute durchziehen und dann so ein Plakat ... Geht wirklich gar nicht."

Ein Weiterer äußerte sich appellierend im Netz, die Gruppierung nicht als Gladbach-Fans zu identifizieren: "Diese Trottel von Sottocultura schaden dem Verein nur, solche dummen Aktionen werfen auf jeden einzelnen Fan der Borussia ein schlechtes Licht. Das sind keine Fans, das ist keine Fußball-Liebe!"

Über die Stadionmikrofone wurden die Ultras daraufhin angewiesen, solche Aktionen zu unterlassen. Und auch das Stadion meldete sich zu Wort und skandierte „Ultras raus!“. Erst am Freitag war der BVB wegen eben solcher Aktionen mit einer Strafe belegt worden. Welches Nachspiel der Samstagnachmittag für Borussia Mönchengladbach haben wird, bleibt abzuwarten.

Fans von Bremen und Dortmund nach Schweigeminute mit klarem Statement

Update vom 22. Februar, 16 Uhr: Die traditionelle Einlaufmusik im Bremer Weserstadion, die die Vorfreude auf die Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund auf die Spitze trieb, ertönte. Anschließend jedoch herrschte eine Minute lang bedrückende Stille, in denen den Opfern des Anschlags von Hanau gedacht wurde.

Mit lautem Beifall bedankten sich Spieler und Fans respektvoll beieinander. Es folgten laute "Nazis raus!"-Rufe der Fanlager von Werder und des BVB. Ein klares Statement - und ein schönes Zeichen für ganz Deutschland.

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Stadiondurchsage vor SV Werder vs Borussia Dortmund: "Liebe Fans, am vergangenen Mittwoch sind bei einem rassistischen Anschlag in Hanau 10 Menschen ermordet und weitere schwer verletzt worden. Dieses entsetzliche Verbrechen lässt uns verständnislos und geschockt zurück. In dieser schweren Zeit möchten wir den Opfern und ihren Familien geschlossen unsere Anteilnahme zum Ausdruck bringen. Der SV Werder Bremen und Borussia Dortmund stehen für eine offene, tolerante und bunte Gesellschaft. Hier ist kein Platz für rassistische Äußerungen, Gewalt und jegliche Art der Ausgrenzung und Diskriminierung. Lasst uns weiterhin nicht aufhören, gemeinsam Zeichen zu setzen und eine klare Kante gegen Rassismus zu zeigen!" _______ #werder #bremen #svw #svwbvb #lebenslanggegenrassismus #hanau #nazisraus

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Bundesligisten gedenken heute mit Trauerflor und Schweigeminute den Opfern von Hanau

Update vom 21. Februar, 10.30 Uhr: Der 23. Bundesliga-Spieltag steht im Zeichen der Trauer. Nach dem mutmaßlichen rechtsradikal und rassistisch motivierten Anschlag von Hanau trauert der deutsche Fußball am Wochenende um die Opfer.

Alle Bundesligisten werden mit Trauerflor auflaufen, zudem wird es eine Schweigeminute vor dem Anpfiff geben. Das teilte die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball Bund mit. Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. 

Sechs weitere wurden laut Bundesanwaltschaft verletzt, einer davon schwer. Anschließend wurde der mutmaßliche Täter und seine Mutter tot aufgefunden.

Foto-Galerie: Werder Bremen gegen Borussia Dortmund

Trauerflor: BVB-Boss Watzke mit emotionalen Worten

"Die Gedanken der gesamten BVB-Familie sind bei den Opfern des rechtsextremen Terroranschlags von Hanau sowie deren Familien und Freunden. Die taten in Halle und jetzt in Hanau sind schrecklich. Die deutsche Gesellschaft muss alles dafür tun, um Rassismus und Antisemitismus klar zu bekämpfen. Wir werden unseren Teil beitragen", äußerte sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Vorfeld der Partie gegen Werder Bremen (15.30 Uhr/im Live-Ticker und live im TV).

Auch BVB-Kapitän Marco Reus äußerte sich öffentlich bei t-online.de zu dem Anschlag von Hanau: "Werte wie Toleranz, Respekt und Weltoffenheit sind mir schon früh von zu Hause mit an die Hand gegeben worden. Schon als Kind bin ich im Fußball mit vielen verschiedenen Nationen und Religionen in Kontakt gekommen, ohne dass man es als kleiner Junge überhaupt bewusst wahrnimmt. Kein Tor, kein Sieg, kein Titel im Fußball bedeutet mir so viel wie eine offene und friedliche Gesellschaft", so Reus.

Borussia Dortmund ist am Samstag nach dem bitteren Pokal-Aus um Wiedergutmachung bemüht. Nach dem denkwürdigen Abend in der Champions League könnte Trainer Lucien Favre rotieren. Gibt es deshalb beim BVB eine Premiere in der Startelf? Nicht auszuschließen nach den lobenden Worten von Mats Hummels.

Darum spielte der BVB gegen den 1. FC Köln mit Trauerflor

[Ursprungsmeldung] Dortmund - Borussia Dortmund hat am Freitagabend gegen den ersten 1. FC Köln den 19. Bundesliga-Spieltag eröffnet. Das erste Heimspiel des Jahres im Dortmunder Signal Iduna Park begann allerdings in ruhiger Trauer. In einer Gedenkminute vor dem Anpfiff wurde BVB-Legende Hans Tilkowski vor 81.365 Zuschauern die letzte Ehre erwiesen.

Die Akteure von Borussia Dortmund betraten mit Trauerflor am linken Oberarm den Rasen, ehe sie sich am Mittelkreis versammelten und ihre Blicke gen Videowand richteten. Zu sehen: Ein Foto von Hans Tilkowski. Zu hören in respektvoller Stille: Hans Tilkowskis Lebensgeschichte, die in abschließendem Applaus sein würdiges Ende fand.

BVB mit Trauerflor: Borussia Dortmund gedenkt Hans Tilkowski

Hans Tilkowski war am 5. Januar nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren verstorben. Von 1963 bis 1967 hütete er in 81 Bundesligapartien das Tor des BVB und mauserte sich langsam zur Vereinslegende. In seinem dritten Jahr beim BVB führte er seine Mannschaft zum Gewinn des DFB-Pokals 1965 nach einem 2:0-Erfolg über Hannover 96. Anschließend wählten ihn die deutschen Sportjournalisten zum Fußballer des Jahres.

Ein Jahr später gelang ihm der ganz große Wurf mit dem BVB. Borussia Dortmund schaffte es ins Halbfinale des Europapokals, wo Schwarz-Gelb auf Titelverteidiger West Ham United mit Geoff Hurst und Bobby Moore traf. Hans Tilkowski war kaum zu überwinden beim entscheidenden 3:1-Erfolg im Stadion Rote Erde, nachdem der BVB bereits das Hinspiel für sich entschieden hatte (2:1). 

Rund drei Wochen später versenkte Reinhard  Libuda in der 107. Minute gegen den FC Liverpool eine Bogenlampe und machte den BVB so zum Europapokalsieger im schottischen Glasgow - und Hans Tilkowski endgültig zur Vereinslegende.

BVB mit Trauerflor: Hans Tilkowskis Erfahrung mit dem berühmten "Wembley-Tor"

Berühmtheit erlangte Tilkwoski, der 39 Mal im Kasten der deutschen Nationalmannschaft stand, durch das "Wembley-Tor" im WM-Finale 1966. Die DFB-Elf verlor mit 2:4 - auch, weil Englands Geoff Hurst den Ball vermeintlich über die Torlinie beförderte. Von der Unterkante der Latte sprang die Kugel wieder heraus, die Linie übertrat sie nicht - und dennoch zählte der 3:2-Führungstreffer der Engländer.

"Er war nicht drin", hatte Hans Tilkowski, der nur wenige Meter vom Tatort entfernt stand, vehement protestiert. Das allerdings tat er umsonst. Rund 54 Jahre später, am Freitagabend im Heimspiel gegen den 1. FC Köln, hat die BVB-Legende seinen verdienten Abschied nach langem Krebsleiden bekommen. "Er hat den Kampf im Beisein seiner Familie verloren", sagte sein Sohn Ralf dem SID.

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Quelle: wa.de

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