Reus rüttelt auf

"Bank-Überfälle" können das große Plus für den BVB werden

Julian Brandt (rechts) belebte das Dortmunder Spiel nach seiner Einwechslung in Köln.
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Julian Brandt (rechts) belebte das Dortmunder Spiel nach seiner Einwechslung in Köln.

Die Tiefe der Ersatzbank könnte das große Plus von Borussia Dortmund im Titelkampf werden. Kapitän Marco Reus warnt.

Köln - Marco Reus nahm einen Schluck Fanta und lächelte befreit, er war heilfroh über den erlösenden "Bank-Überfall" von Köln. Dennoch sah der Kapitän von Borussia Dortmund die Zeit für eine klare Ansage gekommen.

"Am Dienstag", also bei der Video-Analyse, "werden wir uns wahrscheinlich alle in den Arsch beißen, weil es viel einfacher hätte gehen können", mahnte er: "Wir sind noch nicht da, wo wir uns sehen und wo wir hinwollen."

Das bezog sich, logischerweise, nur auf das Spielerische. Denn nach dem hart erkämpften 3:1 (0:1) beim wie von Sinnen rackernden Aufsteiger 1. FC Köln ist der BVB eigentlich genau dort, wo er hin will. Tabellarisch jedenfalls: weit, weit oben und zwei Punkte vor Meister Bayern München.

Joker zünden wie Mondraketen

Und das, obwohl der Vize-Meister und selbst ernannte Titelanwärter nach seinem Traumstart in die Saison gegen den FC Augsburg (5:1) zwei Drittel des zweiten Spiels komplett verschlafen hatte - bis Julian Brandt und Achraf Hakimi von der Ersatzbank kamen und sofort zündeten wie Mondraketen.

"Wir dürfen nicht denken, dass jetzt alles so geht", sagte Reus und schnippte mit den Fingern, "nur weil wir so tolle Qualitätsspieler dazubekommen haben. Nur spielerisch wird's nicht funktionieren." Kampf, Leidenschaft, Wille - alles kam am Freitagabend spät, sehr spät, und doch noch gerade früh genug.

Wie gut also, wenn die Tiefe der eigenen Bank der Wahnsinn ist. Brandt benötigte ganze fünf Sekunden, um die Mannschaft mit einem Traumpass wachzurütteln, Hakimi überragte mit seiner Schnelligkeit und köpfte das 2:1.

Brandt bleibt bescheiden

"Dafür sitzen wir ja auf der Bank", sagte Brandt bescheiden. "Damit wir nachlegen können, ein belebendes Element sind." Dies könnte besonders im Vergleich mit dem dünner besetzten FC Bayern ein großes Plus werden.

"Es haben bei uns Spieler keine Minute gespielt, die hatten auch ganz gute Namen auf dem Rücken", sagte Brandt zur Erinnerung. Mario Götze war da beispielsweise, der bedrückt in die Nacht schlurfte. Oder Kämpfer Thomas Delaney, der feine Techniker Mahmoud Dahoud, Marcel Schmelzer als Alternative zu Nico Schulz, Dan-Axel Zagadou für die Innenverteidigung. Europameister Raphael Guerreiro stand nicht mal im Kader.

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Der BVB war also hin- und hergerissen zwischen Selbstkritik, Erleichterung und einer wichtigen Erkenntnis: Es geht auch mal schmutzig. Brandt wertete das zweite Comeback im zweiten Spiel als gelungenen Charaktertest: "Jetzt haben wir gemerkt, dass wir für unsere drei Punkte kämpfen müssen. Dass das alles nicht selbstverständlich ist."

Reus hatte keine Lust auf die Bayern

Der Nationalspieler drängt mit Macht in die Mannschaft, zumal Thorgan Hazard auf der linken Seite beinahe unsichtbar blieb. "Es ist immer eine Qual, auf der Bank zu sitzen", berichtete Brandt. Es wäre arg verwunderlich, würde er nicht schon am kommenden Wochenende bei Union Berlin erlöst.

Der Trainer wollte sich nicht in die Karten gucken lassen. "Die Einwechslungen haben uns sehr, sehr viel gebracht", sagte er nur, daraus konnte sich jeder sein eigenes Orakel basteln. Favre hatte es zwar nicht geschafft, seine Mannschaft auf die knallharte Spielweise des Gegners einzustellen - aber er wechselte den Sieg ein.

Alles gut also? "Wir marschieren nicht durch die Liga, als wären das Fahnenstangen", betonte Reus. Auf das Spiel der Bayern am Samstag hatte er keine Lust: "Ich mache mal ein fußballfreies Wochenende."

sid

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Quelle: wa.de

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