Die Borussia demütigt den Rekordmeister

MÜNCHEN ▪ Pünktlich zum 111. Vereinsbestehen am 27. Februar rief der FC Bayern München die Festspielwochen aus. Dazu hatte er sich mit Borussia Dortmund allerdings eine Mannschaft eingeladen, die nicht gewillt war, schmückendes Beiwerk in der mit 69  000 Zuschauern gefüllten Allianz-Arena zu sein. Im Gegenteil. Die von Kapitän Nuri Sahin angeführten Borussen trumpften vor allem in den ersten 45 Minuten so stark auf, dass den Bayern sehr schnell bewusst wurde, woher die Besten kommen – nämlich aus dem Westen. Zu ihnen zählte auch Lucas Barrios, der in der 9. Minute nach Zuspiel des überragenden Kevin Großkreutz das 1:0 erzielte.

Als jedoch Luiz Gustavo nach einem Fehler von Lukasz Piszczek das 1:1 (15.) gelang, glaubte der Rekordmeister, den Tabellenführer durch den schnellen Ausgleich geschockt zu haben. Ein folgenschwerer Irrtum, denn während den Hausherren die geistige Frische fehlte, setzten sich die Dortmunder nicht zuletzt durch die taktische Meisterleistung von Trainer Jürgen Klopp immer besser in Szene. Und genau drei Minuten nach dem Ausgleich zirkelte Nuri Sahin den Ball aus mehr als 20 Metern zum 2:1 ins Netz. Die Vorarbeit zu diesem Treffer lieferten Lucas Barrios, der den hüftsteifen Holger Badstuber an der Mittellinie verdrehte, und Mario Götze.

Mit der Führung im Rücken dominierten die Dortmunder das Spiel. Sie ließen Ball und Gegner mächtig laufen. Zudem spielten sie das Pressing so optimal, dass der Rekordmeister auf eigenem Terrain gedemütigt wurde. Trainer Luis van Gaal, der es trotz der kostenlosen Lehrstunde für seine Mannschaft nicht übers Herz brachte, die Dortmunder zum neuen Deutschen Meister auszurufen, gab allerdings nach dem Schlusspfiff ziemlich angefressen zu: „Die Dortmunder haben das Spiel bestimmt, und wer so viele Fehler macht wie wir, der kann nicht gewinnen.“

Mit dieser Aussage war vor allem Bastian Schweinsteiger gemeint, der einen rabenschwarzen Abend erlebte. Denn an zwei Gegentreffern hatte er maßgeblichen Anteil, überdies gelang es ihm zu keiner Zeit, Ordnung in das Spiel seiner Mannschaft zu bringen.

Ganz anders BVB-Kapitän Nuri Sahin. Er gab bei den Borussen die Schlagzahl vor und krönte seine gute Leistung mit dem wichtigen Tor zum 2:1. Als Mats Hummels nach einer Stunde per Kopfball die Führung auf 3:1 ausbaute, war die Partie gelaufen. Die vor dem Spiel großmäuligen Bayern wurden immer ruhiger, so dass in der Allianz-Arena nur noch die BVB-Fans zu hören waren.

Während sie ihre Mannschaft wieder als den neuen Deutschen Meister feierten, schlichen die Bayern-Stars ohne einen Ton zu sagen und wie geprügelte Hunde aus dem Stadion.

Mats Hummels, der an ehemaliger Wirkungsstätte nicht nur als Torschütze glänzte, trat nach dem Triumph in München auf die Euphoriebremse. Obwohl ganz deutlich zu sehen war, dass dieses junge BVB-Team einen hervorragenden Fußball spielt und jederzeit in der Lage ist, alle taktischen Vorgaben seines Trainers Jürgen Klopp 1:1 umzusetzen. Bestes Beispiel dafür waren Marcel Schmelzer, dem Michael Zorc eine Weltklasseleistung attestierte, und Kevin Großkreutz. Diese beiden Jungfüchse hetzten den vielgepriesenen Arjen Robben derart heftig durch die Arena, dass er ebenso wie auf der anderen Seite Franck Ribery letztlich die Lust am Spiel verlor.

So erging es auch vielen Bayern-Fans, die insgeheim gehofft hatten, ihr Protagonist Uli Hoeneß, der einen Bayern-Sieg mit zwei Toren Vorsprung prognostizierte, würde wieder einmal Recht behalten.

Dass die Schwarz-Gelben derzeit die Nr. 1 in Deutschland sind, davon wollten sich die maßlos enttäuschten Bayern-Fans nicht bis zum Schlusspfiff überzeugen lassen. Deshalb verließen sie bereits nach 80 Minuten und unter den Freudengesängen der Westfalen die Arena. Wohl wissend, dass sie nicht nur das Topspiel verloren hatten, sondern auch noch um die direkte Qualifikation für die Champions League zittern müssen. „Wir müssen aufpassen, dass wir den zweiten Platz, auf den wir schon jetzt sechs Punkte Rückstand haben, nicht aus den Augen verlieren“, sagte Thomas Müller.

Jens Lederer

Quelle: wa.de

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