Blankes Entsetzen bei Schalke 04 nach Derby-Pleite

GELSENKIRCHEN Die 1600 Dortmunder Fans, die ihre Karten fürs 136. Revierderby wegen eines vermeintlich zu hohen Preises zurück gegeben hatten, dürften sich gestern Abend ziemlich geärgert haben.

Sie verpassten es, live und in Farbe einer BVB-Sternstunde beizuwohnen, einem Moment, den es fünf Jahre nicht gegeben hatte. 2005 hatte die Borussia zum letzten Male beim FC Schalke 04 triumphiert. Gestern gewann der BVB nicht nur mit 3:1 (1:0), er blamierte das blau-weiße Millionen-Ensemble dabei auch noch bis auf die Knochen. „Unglaublich, dass wir die zweite englische Woche mit einem solchen Knaller beenden“, frohlockte BVB-Trainer Jürgen Klopp, während sein Pendant Felix Magath schmallippig in den Katakomben der Arena verschwand. Vier Niederlagen zum Saisonauftakt hatte es sogar in den finstersten Schalker Zeiten noch nicht gegeben, weshalb sich die Knappen nun als einzige noch punktlose Mannschaft am dunklen Tabellenende wiederfinden.

„So einen Start habe ich auch noch nie erlebt“, sagte ein sichtlich angeschlagener Magath. Dass es nach 90 Minuten lediglich nach Ecken 10:4 für Dortmund stand, war einerseits Manuel Neuer, andererseits der ein oder anderen Unzulänglichkeit der BVB-Angreifer geschuldet. Die Schalker zeigten die bislang gruseligste Vorstellung in dieser Saison. Ein Mittelfeld, in dem Ivan Rakitic und Peer Kluge eher irrlichterten als dirigierten, existierte nicht. Die Offensive mit Jefferson Farfan, Klaas-Jan Huntelaar und Raúl war am Spielgeschehen ähnlich intensiv beteiligt wie die Stadion-Ordner. Und die Abwehr war so überfordert wie ein verrosteter Käfer auf einem Alpenpass.

 Den Reigen der Dortmunder Chancen hatte Neven Subotic in der zwölften Minute mit einem Kopfball auf die Latte eröffnet. Es folgten weitere Großchancen durch Shinji Kagawa (15./16.), Lucas Barrios (23./44.) und erneut Subotic (45.). Die mangelnde Verwertung war das einzige Manko der taktisch klug eingestellten und leidenschaftlich kämpfenden Dortmunder, die den mitgereisten BVB-Fans dennoch viel Freude bereiteten. Und die mit Shinji Kagawa bewiesen, dass auch kleines Geld Tore schießen kann. Der in der Sommerpause für 350 000 Euro verpflichtete Japaner traf in der 20. Minute zunächst zum hochverdienten 1:0. Und sorgte in der 58. Minute schließlich nach schöner Flanke des eingewechselten Jakub Blaszcykowski mit dem 2:0 für die Vorentscheidung in dieser einseitigen Partie. Für die blauweißen Fans muss der Anblick ihrer Mannschaft gestern ein wahrer Graus gewesen sein. Als müssten sie hilflos mit ansehen, wie ein sündhaft teurer Sportwagen von einer Schrottpresse zermalmt wird. Fassungslos und am Ende betreten schweigend schauten sie dem ziellosen Treiben ihres Teams auch im zweiten Durchgang zu, das bei den BVB-Fans nicht zu Unrecht „Absteiger“-Sprechchöre und weitere Spottgesänge provozierte.

Dass Nicolas Plestan in der 61. Minute noch die gelb-rote Karte sah und Robert Lewandowski vier Minuten vor Schluss per Kopf das 0:3 markierte, komplettierte das Schalker Desaster endgültig. Klass-Jan Huntelaars Treffer zum 1:3 (89.) konnte die tiefe Depression des Schalker Anhangs auch nicht mehr mindern. „Es war ganz klar ein nervliches Problem, die Mannschaft war total verunsichert“, befand Magath, der zugab, „dass wir überhaupt keine Chance gehabt haben, dieses Spiel zu gewinnen“. Ihm bleiben nun knapp drei Tage, seine Mannschaft bis zum Auswärtsspiel in Freiburg (Mittwoch, 20 Uhr) wieder aufzurichten. Was eine der schwierigsten Aufgaben in der bisherigen Karriere des 57-Jährigen werden dürfte.

Quelle: wa.de

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