Bender holt sich die Sicherheit für Zweikämpfe

LA MANGA ▪ Nicht einmal acht Wochen nach seinem doppelten Kieferbruch beim Champions-League-Spiel gegen Arsenal London geht Sven Bender im Trainingslager des deutschen FußballMeisters Borussia Dortmund wieder in die Zweikämpfe, als sei die schwere Verletzung nicht mehr als ein bedauerlicher Betriebsunfall gewesen.

Irgendwann müsse er sich die Sicherheit für die Zweikämpfe holen. Prompt sei es in La Manga zum ultimativen Test gekommen. Er habe einen heftigen Schlag gegen den Kopf gespürt, aber der Kiefer habe gehalten, erzählt der defensive Mittelfeldspieler.

„Durch die intensiven Trainingseinheiten und die Zweikämpfe, die ich bestritten habe, bin ich vom Kopf her wieder frei“, sagt „Manni“, wie er von seinen Mannschaftskollegen in Anlehnung an den ehemaligen Bundesliga-Fußballer Manfred Bender (Karlsruher SC) gerufen wird.

Den doppelten Kieferbruch auf seiner eigenen Festplatte gelöscht, nimmt er alle Risiken in Kauf. „Bei einer anderen Spielweise würde mir etwas fehlen“, erzählt Bender, der im Juli 2009 als „Leichtmatrose“ vom TSV 1860 München zu den Borussen wechselte und sehr schnell zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten von Kapitän Sebastian Kehl wurde.

Gelang es dem erfahrenen Nationalspieler vorerst, seinen Stammplatz gegen den gebürtigen Rosenheimer zu verteidigen, war Bender mehr als nur der Vertreter von Kehl. Durch seine hervorragenden Trainingsleistungen und dem damit verbundenen Feinschliff, den Trainer Jürgen Klopp seinem bayerischen Rohdiamanten verpasste, stand der junge Fußballer plötzlich selbst in der Anfangsformation der Schwarz-Gelben.

Begünstigt durch die langwierige Verletzung von Kapitän Sebastian Kehl bildete der 22-Jährige mit Nuri Sahin ein Mittelfeld-Duo, das großen Anteil am Gewinn der Deutschen Meisterschaft hatte. Während der türkische Nationalspieler den Vorwärtsgang einlegte, verrichtete „Manni“ Bender die Drecksarbeit. Diesen Begriff lässt er für sich allein nicht gelten: „Jeder bei uns im Team verrichtet auf seine Weise Drecksarbeit, denn wir kämpfen und laufen füreinander. Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, für andere die Räume zu schließen und immer da zu sein, wo es gerade brennt“, sagt der Musterschüler von Trainer Jürgen Klopp, der ihn dazu animierte, häufiger in die Offensive zu gehen.

„Ich habe auf jeden Fall mehr Offensivdrang als in den Jahren zuvor. Dass ich offensiver agieren möchte, hatte ich schon im Sommer angekündigt. Die Sicherheit, auch mal mit nach vorne zu gehen, habe ich jetzt einfach. Und wenn dabei dann ein Tor oder eine Vorarbeit herauskommt – um so besser“, sagt Bender, der wahrscheinlich Seite an Seite mit Kapitän Sebastian Kehl mit dem Spiel gegen den Hamburger SV am 22. Januar das Kapitel Titelverteidigung in Angriff nimmt.

Angriff ist für ihn das Stichwort. „Selbst mit Kehl und mir war die Ausrichtung doch gar nicht so defensiv, wie das vielleicht rüberkam. Kehl ist ein Spieler, der mit viel Tempo in den Strafraum geht, wenn er sich darauf verlassen kann, dass er entsprechend abgesichert wird. In dieser Konstellation können wir genau so offensiv sein wie in anderen Formationen auch. Bei uns kann vor der Abwehr jeder spielen. Jeder hat den Defensivpart drin, und hat jeder den Offensivpart drin“, sagt Bender, der 12,3 km im Schnitt pro Spiel läuft. Auf die Frage, ob er ein guter Langstreckler sei, antwortet der Fußballer mit der Pferdelunge: „Ich weiß es nicht. Die Position verlangt von mir, so viel zu laufen. Ich bin gerne viel in Bewegung, aber ein Marathon wäre nichts für mich. Da laufe ich lieber zwei Kilometer mehr und spiele Fußball“, geht Bender in La Manga auf die Philosophie der Meistermannschaft ein. ▪ Jens Lederer

Quelle: wa.de

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