Barrios kommt an Lewandowski nicht vorbei

Lucas Barrios Borussia Dortmund
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Lucas Barrios ist derzeit nur noch Stürmer Nummer zwei beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

DORTMUND - Eine Saison hat Robert Lewandowski ohne Murren den Platz hinter Lucas Barrios akzeptiert. Jetzt ist der Pole Stammspieler und in Dortmund angekommen, wie er sagt.

Von Jens Lederer

LA MANGA - Als Robert Lewandowski nach einer Maßflanke von „Manni“ Bender den Ball mit der Hacke an Torhüter Roman Weidenfeller ins Tor zirkelt, brandet spontaner Beifall auf dem Trainingsgelände in La Manga auf.

Mit diesem „Tor des Monats“ demonstriert der Fußballer des Jahres 2011 in Polen nicht nur seine Klasse, sondern auch sein gewachsenes Selbstvertrauen, das in den ersten Monaten gelitten hatte. Denn der mit großen Erwartungen aus Posen nach Dortmund gewechselte Mittelstürmer der polnischen Nationalmannschaft musste sich erst einmal hinten anstellen.

Lucas Barrios war bei Trainer Jürgen Klopp gesetzt, weil der Torjäger aus Argentinien für die Schwarz-Gelben Tor um Tor erzielte und schier unersetzlich schien. Aber bereits vor 18 Monaten, als er erstmals auf der Gehaltsliste der Borussen gestanden habe, sei für ihn klar gewesen: „Ich werde Tore schießen, aber ich benötige Zeit“, erzählt Lewandowski. Zeit, die ihm Trainer Jürgen Klopp zwar gewährte, aber nicht im Sturmzentrum, sondern hinter Angriffsführer Lucas Barrios.

„Das war eine neue Erfahrung. Und am Anfang war es schwer, mich darauf einzustellen. Ich dachte, das ist nicht meine Position, ich bin Stürmer. Doch heute denke ich, dass es mir und meinem Spiel sehr gut getan hat. Wenn ich jetzt den Ball habe, dann weiß ich genau, was damit zu tun ist. In diesem Punkt habe ich mich weiter entwickelt“, hegt der zurzeit erfolgreichste Torschütze des Deutschen Meisters keinen Groll.

Robert Lewandowski, an dem Coach Jürgen Klopp und auch Sportdirektor Michael Zorc nie gezweifelt haben, musste sich in den ersten Spielen für die Borussen Schmährufe und gar Pfiffe gefallen lassen. Diese mangelnde Wertschätzung hatte nur einen Grund: Robert Lewandowski galt in den Augen von vielen Dortmunder Zuschauern als der Chancentod schlechthin.

Pfiffe und nicht auf seiner Lieblingsposition im Sturm agierend, ließ sich der kernige Mittelstürmer dennoch nicht entmutigen und zeigte den Kritikern und Zweiflern, dass er nur auf seine Chance gewartet habe.

Die kam zu Beginn der Hinrunde, als Torjäger Lucas Barrios wegen einer Muskelverletzung nicht zur Verfügung stand. Mit der Rückendeckung von Klopp mauserte sich Lewandowski und zählt mit zehn Toren und sechs Vorlagen zu einem der besten Bundesligaspieler, dem es zum Vorteil gereicht, dass er inzwischen sehr gut Deutsch spricht. Als der 23-Jährige im Jahre 2010 nach Dortmund kam, traf er auf seine Landsleute Jakob Blaszczykowski und Lukasz Piszczek. Er sei sehr dankbar, dass die beiden ihm das Leben im ersten halben Jahr sehr viel einfacher gemacht hätten. „Aber“, schränkt der Mittelstürmer ein, „wenn ich hier auf mich allein gestellt gewesen wäre, hätte ich die Sprache vermutlich noch eher gekonnt.“

Auf die Frage, ob er Verständnis dafür habe, dass Lucas Barrios mit seinem Reservistendasein hadere, antwortete Lewandowski wie ein Diplomat. Er konzentriere sich nur auf das, was er mache. Ob Barrios den BVB verlasse oder ob er bleibe, sei dessen Entscheidung. „Danach müssen Sie ihn selbst fragen“, sagt Dortmunds Torjäger Nummer 1, der ein entspanntes Verhältnis zu Barrios hat. „Wir sind Mannschaftskollegen, da gibt es überhaupt keine Probleme.“

Dass es für den Polen in dieser Saison nicht von Anfang an rund lief, war für ihn auch kein Problem. In den ersten sieben Spielen traf er nur zweimal, danach dann in zehn Spielen zehnmal. „Ich weiß nicht genau, warum der Knoten geplatzt ist. Jürgen Klopp hat nach dem Champions-League-Spiel in Marseille mit mir gesprochen. Er hat mir gesagt, dass ich besser spielen und mehr Tore schießen kann. Dann kam mein Hattrick gegen Augsburg – und danach lief es. Keine Ahnung, warum. Das ist wohl Fußball“, sagt der sympathische Mittelstürmer mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

Quelle: wa.de

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