„Buchstäblich zu Tode gefoltert“

Floyd-Tod: Trump spielt tödliche Polizeigewalt herunter - Familie erhebt Klage

Der Mord am Afroamerikaner George Floyd sorgte weltweit für Proteste. Jetzt verkündet US-Präsident Donald Trump eine steile These. Floyds Familie erhebt derweil Klage.

  • Der Afroamerikaner George Floyd* wurde im Mai dieses Jahres bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet. 
  • Ein Video des Vorfalls gelang an die Öffentlichkeit und löste weltweite Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus.
  • Nun wurde weiteres Videomaterial vor Gericht veröffentlicht. Es zeigt grausame Details des Vorfalls. 

Update vom 20. Juli, 13.51 Uhr: Dieser Ticker ist nun beendet. Alle weiteren Neuigkeiten zu George Floyd und den durch seine Tötung ausgelösten Protesten lesen Sie in unserem neuen News-Ticker.

Update vom 16. Juli, 9.30 Uhr: Die Familie des bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Schwarzen George Floyd hat Klage gegen die Stadt Minneapolis und die vier beteiligten Polizisten wegen widerrechtlicher Tötung eingereicht. "Während ganz Amerika mit der öffentlichen Gesundheitskrise der Coronavirus-Epidemie zu kämpfen hat, muss sich das schwarze Amerika mit einer weiteren Pandemie der Polizeibrutalität auseinandersetzen", sagte Anwalt Benjamin Crump am Mittwoch vor einem Bundesgericht in Minneapolis.

Der Stadtverwaltung warf er „bewusste Gleichgültigkeit“ vor, denn sie habe es versäumt, gegen gefährliche Polizeipraktiken vorzugehen und ihre Polizeibeamten richtig zu schulen. Sie habe dadurch eine Kultur exzessiver Gewalt und Straflosigkeit gefördert.

Weiter sagte Crump, Floyd „wurde buchstäblich zu Tode gefoltert, nicht in einem Land der Dritten Welt, sondern hier in Minneapolis, im Bundesstaat Minnesota, in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2020“. Er machte keine Angaben zur Höhe der geforderten Entschädigung. Ziel des Anwaltsteams sei aber, es für die Polizei künftig abschreckend teuer zu machen, „marginalisierte Menschen, vor allem Schwarze, unrechtmäßig zu töten“.

Floyd-Tod: Trump spielt tödliche Polizeigewalt herunter und ignoriert einschlägige Studien

Update vom 15. Juli, 8.19 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat die Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner zu relativieren versucht. Diese Fälle seien „schrecklich“, doch würden „mehr Weiße“ als Schwarze durch Polizeigewalt sterben, sagte Trump am Dienstag dem Fernsehsender CBS News. Näher äußerte er sich nicht dazu. Zur Frage der Journalistin, wieso Afroamerikaner in den USA immer noch von Polizisten getötet würden, sagte Trump: „Was für eine schreckliche Frage.“

Mehrere Studien von Hochschulen zeigen zwar, dass die absolute Zahl von Weißen, die bei Polizeieinsätzen in den USA zu Tode kommen, höher ist als die von Afroamerikanern. Im Verhältnis zu ihrem Anteil an der US-Gesamtbevölkerung betrachtet, sind Afroamerikaner von tödlicher Polizeigewalt jedoch deutlich stärker betroffen.

Tödliche Polizeigewalt: Opfer-Wahrscheinlichkeit für Schwarze deutlich höher

Es gibt in den USA keine landesweite amtliche Statistik zu Tötungen durch die Polizei. In absoluten Zahlen sind Weiße tatsächlich die größte Opfergruppe, wie eine Auswertung der Washington Post zeigte. Die Wahrscheinlichkeit für Angehörige der schwarzen Minderheit, Opfer der Polizei zu werden, ist allerdings deutlich größer.

Seit 2015 haben Polizisten in den USA der Washington Post zufolge rund 5400 Menschen erschossen, die zumeist bewaffnet waren. Davon waren 45 Prozent weißer Hautfarbe, obwohl Weiße rund 60 Prozent der US-Bevölkerung stellen. 23 Prozent der von der Polizei Getöteten waren Schwarze, die nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

US-Präsident Donald Trump versucht, die Polizeigewalt gegen Schwarze zu relativieren.

Floyd-Proteste: NYC-Bürgermeister wischt Trump eins aus - der zetert über „Symbol des Hasses“

Update vom 10. Juli, 9.22 Uhr: Klare Ansage an US-Präsident Donald Trump*: Vor dem Trump Tower auf New Yorks Fifth Avenue steht jetzt in gelben Buchstaben „Black Lives Matter“*. Bürgermeister Bill de Blasio  und seine Ehefrau Chirlane McCray malten den Schriftzug am Donnerstag gemeinsam mit Künstlern und Aktivisten auf die Straße in Manhattan. „Wir machen heute eine Aussage darüber, was wir in New York wertschätzen. Wir machen eine Aussage darüber, was von Bedeutung ist“, sagte de Blasio. „Wir befreien die Fifth Avenue.“

Die gelben Buchstaben sind so auf dem Asphalt aufgemalt, dass sie vom Trump Tower aus gut lesbar sind. Den ganzen Tag lang kamen Schaulustige zu dem Ort, protestierten mit Plakaten gegen US-Präsident Trump* und posierten für Fotos vor den Buchstaben.

Trump hatte sich zuvor auf Twitter über die Ankündigung des Schriftzugs beschwert. Er nannte den in ähnlicher Form auch vor dem Weißen Haus in Washington und an vielen anderen Orten des Landes angebrachten Schriftzug ein „Symbol des Hasses“. Die Bewegung „Black Lives Matter“ (auf Deutsch etwa: Schwarze Leben sind von Bedeutung) setzt sich gegen Polizeibrutalität und Rassismus ein.

US-Präsident Donald Trump ist kein Fan des „Black Lives Matter“-Schriftzugs, der vom Trump Tower aus gut zu sehen ist.

Fall George Floyd: Video enthüllt neue grausame Details - Er flehte vor seinem Tod mehr als 20 Mal um Luft

Erstmeldung vom 9. Juli:

Minneapolis - Im Fall George Floyd sind weitere Einzelheiten des brutalen Einsatzes bekannt geworden, bei dem der Afroamerikaner von US-Polizisten im Mai getötet worden war: Aus dem Transkript eines Körperkamera-Videos der Polizei geht hervor, dass Floyd vor seinem Tod mehr als 20 Mal um Luft gefleht hat. Dem Dokument zufolge waren seine letzten Worte: „Sie werden mich töten. Ich kann nicht atmen.“ Derweil erschüttert der Fall eines gewaltsam getöteten schwarzen Teenagers in einer Jugendvollzugsanstalt die USA.

Fall George Floyd: Transkript eines weiteren Videos zeigt weitere brutale Details des Vorfalls

Einer der am Fall Floyd beteiligten Polizisten hatte am Dienstag das Video seiner Körperkamera dem Gericht vorgelegt. Daraus geht hervor, dass Floyd die Beamten bei der Festnahme am 25. Mai bat, ihn nicht in das Polizeiauto zu setzen, weil er unter Platzangst leide. Als die Polizisten ihn dennoch ins Auto zwingen wollten, rief er dem Transkript zufolge, er werde „hier drinnen sterben“. Später habe Floyd gesagt: „Mama, ich liebe dich. Sag meinen Kindern, dass ich sie liebe. Ich bin tot.“ Mehr als 20 Mal soll Floyd „I can't breathe“ gesagt haben - „Ich kann nicht atmen“. Laut dem Transkript sind in dem Video auch die Beamten zu hören, die Floyd sagen, er solle sich „entspannen“. Als Floyd flehte, sie würden ihn töten, antwortete ihm demnach der Polizist Derek Chauvin*: „Dann hör auf zu reden, hör auf zu schreien. Reden kostet verdammt viel Sauerstoff.“

Chauvin war der Polizist, der knapp neun Minuten lang sein Knie auf Floyds Nacken drückte. Ihm wird „Mord zweiten Grades“ zur Last gelegt. Das entspricht in etwa einem Totschlag in einem besonders schwerem Fall und kann mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Chauvin und drei weitere beteiligte Polizisten wurden am Tag nach Floyds Tod aus dem Polizeidienst entlassen. Das Transkript wurde am Dienstag von Thomas Lane, einem der beschuldigten Polizisten, einem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota übergeben. Lane will damit den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Beihilfe zu einem Tötungsdelikt entkräften.

Floyd wurde wegen eines Falschgelddelikts festgenommen - und hat den Polizeieinsatz nicht überlebt

Wegen des Verdachtes auf einen kleinen Falschgelddelikt war Floyd von den Polizisten festgenommen worden. Sein Tod löste unter anderem im Rahmen der Black Lives Matter-Bewegunglandes- und weltweite Demonstrationen gegen exzessive Polizeigewalt und Rassismus aus. Floyds verzweifelte Worte "Ich kann nicht atmen" wurden zur Parole der Demonstranten. Inzwischen wurden als Reaktion auf Floyds Tod und die Proteste Polizeireformen in mehreren US-Städten auf den Weg gebracht. Auch dem US-Kongress liegen Gesetzesvorschläge für Reformen bei der Polizei vor.

In New York wurde eine Straße mit einem riesigen Black Lives Matter-Schriftzug versehen.

Unterdessen sorgt der gewaltsame Tod eines afroamerikanischen Teenagers in einer Jugendvollzugsanstalt in den USA für Empörung: In einem Video ist zu sehen, wie der 16-jährige Cornelius Fredericks Ende April in der Anstalt im Bundesstaat Michigan von mehreren männlichen Mitarbeitern umgeworfen, auf den Boden gedrückt und gewürgt wird. Fredericks hatte zuvor einen Sandwich auf einen anderen Jungen in der Cafeteria geworfen. Er starb zwei Tage nach dem Vorfall. Der Fall erinnert stark an den Tod von George Flyod.

Nach Fall George Floyd: Gewaltsamer Tod eines schwarzen Teenager empört die USA

In den durch Überwachungskameras aufgezeichneten Aufnahmen ist zu sehen, wie der Teenager nach rund zehn Minuten offenbar das Bewusstsein verliert. Mitarbeiter versuchen, ihn wiederzubeleben, und rufen dann medizinische Hilfe herbei. Das Video wurde vom Anwalt von Fredericks' Familie veröffentlicht. Dieser erhob den Vorwurf, der 16-Jährige sei "exekutiert" worden. Die sieben Mitarbeiter, die den Jugendlichen zu Boden gedrückt hätten, hätten ihm Sauerstoff entzogen und sein Gehirn schwer beschädigt. Drei Mitarbeiter der Anstalt Lakeside Academy in Kalamazoo wurden inzwischen wegen des Vorfalls formell von der US-Justiz beschuldigt. Ihnen wird fahrlässige Tötung und die Misshandlung eines Minderjährigen vorgeworfen. 

Übrigens: US-Präsident Donald Trump wurde für seinen Umgang mit den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus kritisiert. Er drohte, das Militär zu schicken

(AFP/cia) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Rubriklistenbild: © AFP / NICHOLAS KAMM

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