Erdgasstreit im Mittelmeer

Türkei-Griechenland-Konflikt: Erdogan zieht Forschungsschiff wieder ab - Athen begrüßt „positiven Schritt“

Der türkische Präsident Erdogan an einem Rednerpult
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Der türkische Präsident Erdogan zog seine Forschungsschiff aus dem Mittelmeer ab.

Im Streit um Erdgasvorkommen im Mittelmeer zwischen der Türkei und Griechenland gibt es eine Annäherung. Aus Athen kommen positive Signale in Richtung Erdogan.

  • Zwischen der Türkei und Griechenland gibt es im Konflikt um Erdgasvorkommen im Mittelmeer eine Annäherung.
  • Der türkische Präsident Erdogan ließ sein Forschungsschiff nach vorigen Drohungen abziehen.
  • Die griechische Regierung begrüßt diesen Schritt. Kommt es jetzt zu Gesprächen?

Update vom 13. September, 13.06 Uhr: Die Türkei hat im Streit um Gasvorkommen mit Griechenland im östlichen Mittelmeer einen Schritt zurück gemacht. Das Land hat sein Forschungsschiff, das mit seiner Mission den Konflikt zwischen Ankara und Athen auslöste, aus den Gewässern offenbar wieder abgezogen.

Wie die regierungsnahe türkische Zeitung Yeni Safak berichtete, kehrte die „Oruc Reis“ nach dem planmäßigen Ende ihrer Mission am Samstag in den Hafen von Antalya zurück. Zuvor hatte das Schiff seit 10. August in einem von Griechenland beanspruchten Seegebiet nach Gasvorkommen gesucht. Dabei wurde die umstrittene Mission trotz massiver Proteste seitens der Europäischen Union und Griechenlands insgesamt dreimal verlängert.

Türkei-Griechenland-Konflikt: Erdogan zieht Forschungsschiff ab - Griechenland sieht „positiven Schritt“

Laut dem Bericht entschied sich die türkische Regierung zu dem Abzug des Forschungsschiffs, um „der Diplomatie eine Chance zu geben“. Die Entscheidung wurde in Griechenland begrüßt. Regierungssprecher Stelios Petsas wertete den Abzug der „Oruc Reis“ am Sonntag im Sender Skai TV als „positiven Schritt“.

Als Vermittler in dem Streit der beiden Länder versuchte sich die Nato, der sowohl Griechenland als auch die Türkei angehören. Dabei hatte die Türkei mehrfach Gesprächsbereitschaft ohne Vorbedingungen signalisiert, während Griechenland ein Ende der türkischen „Drohungen“ als Bedingung für Gespräche nannte.

Update vom 13. September, 8.55 Uhr: Im Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei um reiche Gasvorkommen im Mittelmeer hat Athen große Rüstungskäufe und eine Aufstockung der Streitkräfte angekündigt. Wie Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis mitteilte, werde sein Land 18 französische Kampfjets vom Typ Rafale sowie Fregatten und Hubschrauber ordern.

Zusätzlich plane man, die nationale Verteidigungsindustrie zu stärken und knapp 15.000 neue Soldaten zu rekrutieren. Laut Mitsotakis „bedrohe“ die Türkei Europas Ostgrenze und „untergrabe“ die regionale Sicherheit. 

Türkei-Griechenland-Konflikt: Erdogan droht Frankreichs Präsident Macron

Unterdessen warnte Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan davor, sich „mit dem türkischen Volk anzulegen“. Erdogan wandte sich insbesondere an Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser solle sich nicht mit der Türkei „anlegen“, wie Erdogan während einer Fernsehansprache sagte.

Von französischer Seite wurde Ankara durch Präsident Macron am Donnerstag dazu aufgefordert, in dem Konflikt im östlichen Mittelmeer „rote Linien“ nicht zu überschreiten. Zuvor hatte Frankreich seine Marinepräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt, um Griechenland zur Seite zu stehen.

Türkei-Griechenland-Konflikt vor brutaler Eskalation: Erdogan „zu allen Konsequenzen bereit“

Erstmeldung vom 7. September, 10.43 Uhr: Ankara/Athen - Der Streit zwischen der Türkei und Griechenland um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer hält weiter an. Und die Situation könnte weiter eskalieren.

Vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der zuletzt auch scharfe Worte an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron richtete, kamen erneut Drohgebärden in Richtung Athen. Erdogan drohte Griechenland wie bereits zuvor mit Konsequenzen. Das Staatsoberhaupt der Türkei bekräftigte am Samstag in einer Rede in Istanbul, dass man in dem Konflikt „zu allen Möglichkeiten und allen Konsequenzen bereit“ sei.

Nach der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer erhoben sowohl Griechenland und die Türkei als auch Zypern Ansprüche auf die entsprechenden Seegebiete, um den wertvollen Rohstoff abbauen zu können.

Erdgasstreit im Mittelmeer: Türkei mit Militärmanöver - Griechenland verstärkt Grenztruppen

Aus Ankara und Athen wurden zudem Kriegsschiffe entsendet, seitdem sind die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Mitgliedern bis auf das Äußerste angespannt. Dies dürfte sich durch die Entscheidung der Türkei, am Sonntag seine Streitkräfte eine weitere Militärübung in der Region abhalten zu lassen, kaum ändern.

Das geplante fünftägige Manöver soll in der Türkischen Republik Nordzypern stattfinden, die nur von der Türkei anerkannt wird. Unterdessen hat auch Griechenland angekündigt, einige Einheiten zu verlegen und seine militärische Präsenz an der Grenze zur Türkei zu verstärken.

Der stellvertretende griechische Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos begründete diesen Schritt am Sonntag mit der Befürchtung, dass der Konflikt beider Länder Spannungen an der griechisch-türkischen Grenze nach sich ziehen könnte.

Erdgasstreit im Mittelmeer: Griechenland befürchtet EU-Erpressung durch die Türkei

Man könne nicht ausschließen, dass die türkische Führung erneut Migranten instrumentalisiert, um die Europäische Union (EU) zu erpressen und dadurch mögliche Sanktionen zu verhindern, schilderte Koumoutsakos dem Nachrichtensender Skai. „Wir sind darauf vorbereitet und werden so antworten, wie wir es im März gemacht haben.“

Im März hatte Erdogan die Grenze zu Griechenland und somit zur EU als offen für Migranten erklärt. Als Folge dieser Ansage begaben sich Tausende Menschen auf den Weg Richtung Westen. Letztlich mussten griechische Sicherheitskräfte Übertritte auf EU-Gebiet verhindern. Von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gab es dankende Worte. Die CDU*-Politikerin lobte Griechenlands Einsatz, das Land sei der „europäische Schild“.

Auch zahlreiche Beamte der europäischen Grenzschutzagentur Frontex sind am Grenzfluss Evros stationiert. Von der EU gab es wiederholt Kritik an den türkischen Erdgas-Forschungen in den Meeresgebieten südlich der griechischen Inseln Kastelorizo und südöstlich der Urlaubsinseln Rhodos und Kreta. Über EU-Sanktionen gegen die Türkei soll beim anstehenden Gipfel am 24. und 25. September entschieden werden. Nach dem Konflikt mit Griechenland und Zypern folgte jetzt die nächste Provokation der Türkei. (kh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Video: Streit um Erdgas im Mittelmeer - Griechenland erweitert seine Hoheitsgewässer

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