Ergebnis wird am 30. November verkündet

Wahl zum SPD-Vorsitz: Scholz oder Walter-Borjans? Umfragen zeigen völlig offenes Rennen

Die SPD soll künftig von einer Doppelspitze angeführt werden. Welche das ist, entscheiden die Mitglieder. Doch was sagen die Umfragen vor der Stichwahl zwischen den beiden Duos?

  • In der Stichwahl zum SPD-Vorsitz treten die Duos Klara Geywitz/Olaf Scholz und Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans gegeneinander an.
  • Abgestimmt wird vom 19. bis 29. November unter den Parteimitgliedern.
  • Die offizielle Wahl findet auf dem Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin statt.

München - Es geht um die Zukunft der SPD. Mindestens um die künftige Ausrichtung der ältesten Partei Deutschlands, die seit Jahren von Wahl zu Wahl strauchelt und deren Nimbus als Volkspartei sich quasi nur noch wie eine zu schwere Bürde aus besseren Zeiten auszunehmen scheint. Der SPD-Parteivorsitz steht zur Wahl - wieder einmal. 

Gesucht wird nach dem Rücktritt von Andreas Nahles im Sommer der 16. SPD-Chef seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Und schon der neunte in den vergangenen 20 Jahren - da ist die aktuelle kommissarische Spitze nicht einmal mitgezählt. Erstmals soll es eine Doppelspitze geben.

Im Dezember steht die SPD am Parteitag erneut vor einem großen Duell: Kühnert kämpft gegen Heil um Vize-Posten

Wahl zum SPD-Vorsitz: 425.000 Mitglieder können bis 29. November abstimmen

Vom 19. bis 29. November sind rund 425.000 Mitglieder der Sozialdemokraten aufgerufen abzustimmen, ob Klara Geywitz und Olaf Scholz oder Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans den Kurs im Willy-Brandt-Haus bestimmen sollen. Die beiden Duos behaupteten sich im ersten Wahlgang vor den vier übrigen Kandidaten-Paaren.

Bei der ersten Mitgliederbefragung lagen Geywitz/Scholz mit 22,68 Prozent knapp vor Esken/Walter-Borjans, die auf 21,04 Prozent kamen. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 53,3 Prozent betrug der Abstand etwa 3500 Stimmen. Es verspricht also ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Pro-GroKo-Gespann um den Vize-Kanzler und dem Duo, das dem aktuellen Berliner Bündnis kritisch gegenübersteht.

Wahl zum SPD-Vorsitz: Spiegel-Umfrage sieht Esken/Walter-Borjans deutlich vorn

Doch wie sind die Aussichten? Viele Prognosen gab es im Vorfeld der SPD-Abstimmung nicht. Ende Oktober - also kurz nach dem ersten Wahlgang - befragte das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Spiegel 7634 Bürger nach ihrer Präferenz. Hier stachen Esken/Walter-Borjans ihre Kontrahenten Geywitz/Scholz mit 36,9 Prozent zu 24,9 Prozent recht deutlich aus. Alarmierend jedoch für die Partei: Eine relative Mehrheit von 38,2 Prozent sprach sich für keine der beiden Optionen aus.

Unter den SPD-Anhängern kommt das vom Landesverband Nordrhein-Westfalen nominierte Duo sogar auf eine absolute Mehrheit von 54,2 Prozent, das Gespann des Landesverbandes Hamburg vereint 35,4 Prozent der Stimmen auf sich. Noch deutlicher liegt das linksgerichtete Duo Esken/Walter-Borjans bei Unterstützern der Grünen (52,9 zu 16,6) sowie der Linken (52,9 zu 13,4) vorn.

Bei Anhängern von CDU/CSU (44,9 zu 18,2) und FDP (30,2 zu 24,8) schneiden dagegen Geywitz/Scholz besser ab. Unter AfD-Freunden drehen Esken/Walter-Borjans den Spieß mit 20,7 Prozent zu 10,2 Prozent um, doch hier sind satte 69,1 Prozent unentschlossen, würden also wohl keines der Duos wählen.

Wahl zum SPD-Vorsitz: Geywitz/Scholz schneiden nur bei Über-65-Jährigen besser ab

Besonders gut schneiden die NRW-Kandidaten bei jüngeren Wählern ab: Unter den 18- bis 29-Jährigen bekommen sie 50,3 Prozent Zustimmung, Geywitz/Scholz sind hier mit 15,6 Prozent deutlich abgeschlagen. Mit zunehmendem Alter der Befragten wird der Abstand immer geringer, doch erst bei den Über-65-Jährigen übernimmt das Hamburger Duo mit 35,3 Prozent zu 32,6 Prozent knapp die Führung.

Auffällig auch: In den alten Bundesländernerhalten Esken/Walter-Borjans deutlich mehr Zuspruch (39 zu 24,8), im Osten ist der Vorsprung deutlich geringer (28,9 zu 25,4).

Wahl zum SPD-Vorsitz: Zwei Drittel der Befragten wollen andere Spitzenkandidaten

Ein etwas anderes Bild zeichnet die Repräsentativumfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des RedaktionsNetzwerk Deutschland. Von den 2000 befragten Bürgern würden sich 19 Prozent für Geywitz/Scholz entscheiden, nur 13 Prozent für Esken/Walter-Borjans. Allerdings votierten 36 Prozent dafür, dass keines der Gespanne die SPD anführen solle. Die übrigen Teilnehmer entschieden sich für die Option „Weiß nicht“.

Das Ergebnis der parteiinternen Abstimmung will die SPD am Samstag, den 30. November verkünden. Offiziell gewählt wird das erste Duo an der Spitze der Partei auf dem Parteitag vom 6. Bis 8. Dezember in Berlin. Dabei sollen die Delegierten dem Votum der Mitglieder folgen.

Zuletzt stellte sich Walter-Borjans in einer Debatte um reine Männervereine gegen Scholz. Zum Thema Grundrente lieferten sich die Kandidaten bereits einen heftigen Schlagabtausch. Walter-Borjans dachte auch laut darüber nach, ohne SPD-Spitzenkandidaten in den nächsten Bundestagswahlkampf zu starten - doch dafür erntet er nur Lob außerhalb seiner Partei.

In einem Interview auf merkur.de* verspricht Walter-Borjans, dass es unter seiner Führung zu einer Veränderung innerhalb der Partei kommen würde.

Nur wenige Wochen nach der Wahl zur SPD-Vorsitzenden erhebt die ARD-Reihe „Kontraste“ schwere Vorwürfe gegen Saskia Esken. Walter-Borjans überrascht mit dem Vorschlag für eine neue Steuer - und erntet prompt einen Shitstorm auf Twitter. Doch einige Argumente der Kritiker gehen am Thema vorbei.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mg

Rubriklistenbild: © dpa / Jörg Carstensen

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