Arbeitnehmer haben Anspruch

Homeoffice im Corona-Lockdown jetzt möglich - Arbeitgeber in der Pflicht

Bund und Länder haben sich auf einen Anspruch auf Homeoffice für Arbeitnehmer geeinigt - zunächst bis zum 15. März. Arbeitgeber sind nun in der Pflicht.

Update vom 19. Januar, 22.06 Uhr: Jetzt ist klar, was in Sachen Homeoffice auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zukommt. Bund und Länder haben beim Corona-Gipfel beschlossen, dass Arbeitnehmer einen weitgehenden Anspruch auf Homeoffice haben sollen. Künftig müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten das Arbeiten aus dem Homeoffice überall dort ermöglichen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Dazu soll das Bundesarbeitsministerium eine Verordnung erlassen.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohnerzahl83.190.556 (Stand: 30. September 2020)
Fläche357.582 km²

Durch mehr Homeoffice sollen Kontakte am Arbeitsort sowie auf dem Weg zur Arbeit reduziert werden. Nicht nur im Beschlusspapier werden die Beschäftigten gebeten, dieses bis zum 15. März befristete Angebot auch zu nutzen. Wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der Pressekonferenz nach dem Gipfel sagte, habe man beim Thema Homeoffice einen „guten Kompromiss gefunden“. Gleichzeitig betonte er, wie enorm bedeutsam es sei, dass möglichst viele die Homeoffice-Möglichkeit wahrnehmen: „Wo immer es geht, muss Homeoffice her.“

Homeoffice-Pflicht light: Reduzierung von Kontakten das A und O

Update vom 19. Januar, 17.27 Uhr: Bund und Länder sind sich einig: Zur Bekämpfung des Coronavirus ist die Reduzierung von Kontakten weiterhin das A und O. Deshalb soll die Homeoffice-Pflicht kommen. Die Corona-Regeln fürs Büro sollen streng werden, wie es im Referentenentwurf zur „Corona-Arbeitsschutzverordnung“ aus dem Bundesarbeitsministerium heißt, den der Bild vorliege.

Demnach soll es eine Art Büro-Verbot geben. Konkret heißt das: Arbeitgeber müssen ihren Büro-Angestellten ab einer Inzidenz von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner das Homeoffice anbieten, „wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“.

Wenn das Arbeiten im Büro notwendig ist, müsse pro Mitarbeiter 10 Quadratmeter Mindestfläche vorhanden sein. Wenn das nicht umsetzbar sei, seien Lüftungsmaßnahmen oder geeignete Abtrennungen zwischen den Personen Pflicht. Weiter hieße es: „Der Arbeitgeber hat alle geeigneten technischen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen, um betriebsbedingte Personenkontakte zu reduzieren.“

Darüber hinaus soll der gemeinsame Verzehr von Speisen und Getränken - etwa in Kantinen oder Pausen bzw. Aufenthaltsräumen - verboten werden. Können Mindestabstände im Büro nicht eingehalten werden, müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern medizinische Masken zur Verfügung stellen.

Liegt die Inzidenz in einer Region bei 200 oder drüber, müssen Firmen, bei denen zeitlich mehr als 50 Angestellte anwesend sind, mindestens einmal pro Woche Schnelltests bei ihren Mitarbeitern durchführen.

Homeoffice-Pflicht light: Diese Maßnahme planen Bund und Länder fürs Arbeiten im Büro

Update vom 19. Januar, 10.25 Uhr: Die Beschlussvorlage für den Corona-Gipfel heute ist durchgesickert. Dabei wird auch das Thema Homeoffice-Pflicht zwischen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel diskutiert. Laut Beschlussvorlage, die die Bild veröffentlichte, soll es zu keine Pflicht zum Arbeiten zu Hause geben.

Stattdessen soll das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Verordnung erlassen, die Arbeitgeber dazu zwingen, Beschäftigten das Homeoffice zu ermöglichen, wenn es ihr Job zulässt. Außerdem sollen Unternehmen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten anbieten, damit die Anzahl an Pendlern im öffentlichen Nahverkehr reduziert und besser verteilt wird.

„Homeoffice-Pflicht light“ bei Corona-Gipfel im Gespräch: Lockdown wird wohl verschärft

[Erstmeldung] Hamm - Der Kaffee ist meist besser als im Büro, die Kollegen und die Ruhe fehlen: Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie arbeiten viele Deutsche im Homeoffice. Das Arbeiten von Zuhause nahm nach der ersten Corona-Welle stark zu, innerhalb der zweiten Welle sind jedoch viele wieder zum Arbeiten ins Büro zurückgekehrt. Bei der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag soll nun die Homeoffice-Pflicht diskutiert werden - und zwar in der Light-Version. (News zum Coronavirus)

Homeoffice-Pflicht light: Arbeitnehmer und Chefs sollen Kontakte im Lockdown reduzieren

In Nordrhein-Westfalen und Deutschland herrschen strenge Corona-Regeln. Kitas und Schulen sind in der Notbetreuung, es herrschen deutliche Kontaktbeschränkungen (die in manchen Städten wie Hamm auch auf den privaten Raum ausgeweitet wurden). Mithilfe der Maßnahmen sollen die Kontakte reduziert werden und damit die Ausbreitung von Corona gestoppt oder zumindest reguliert werden. Doch auf der Arbeit haben viele Menschen deutlich mehr Nähe zu anderen als im Privatleben. Die Forderung wird immer lauter, die Büros zu schließen.

An deutschen Arbeitsplätzen gelten zwar die Hygiene- und Abstand-Regeln sowie zumeist Maskenpflicht, doch im zweiten Lockdown wird bis jetzt nicht so sehr auf Kurzarbeit und Homeoffice gesetzt, wie im Frühjahr, als viele Betriebe schließen mussten. Bei der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag soll jetzt eine deutliche Verschärfung des zweiten Lockdowns beschlossen werden - zur Diskussion steht auch die Homeoffice-Pflicht.

Homeoffice-Pflicht light: Was bedeutet die neu diskutierte Corona-Regel?

Im Vorfeld vor der Bund-Länder-Konferenz ist die Rede von „Homeoffice-Pflicht light“. Damit sollen Betriebe (und auch Verwaltungen) dazu animiert werden, ihre Arbeitnehmer - wann immer es möglich ist - nach Hause zu schicken.

Vor dem Corona-Gipfel am 19. Januar berichtet die Nachrichtenseite Businessinsider.de über die wohl geplanten Maßnahmen. So zitiert Businessinsider.de Quellen aus Regierungskreisen, dass es rechtlich möglich sei, Unternehmen dazu zu verpflichten, Homeoffice anbieten zu müssen. Eine unmittelbare Pflicht für Arbeitnehmer im Homeoffice zu arbeiten sei rechtlich jedoch nicht umsetzbar.

Businessinsider.de hatte bereits bei vergangenen Bund-Länder-Konferenzen wichtige (und richtige) Informationen bereits im Vorfeld der Treffen zwischen Kanzleramt und Ministerpräsidenten veröffentlicht. Das Unternehmen ist US-amerikanisch und betreibt weltweit Nachrichtenseiten. Es gehört zu 97 Prozent dem Axel Springer Konzern (Bild, Die Welt), die restlichen drei Prozent liegen bei Bezos Expedition (von Jeff Bezos, dem Gründer von Amazon).

Ist die Homeoffice-Pflicht nötig oder sind bereits alle Zuhause?

Die Zahl der Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten, ist geringer als im ersten Lockdown - konkrete Zahlen gibt es jedoch nicht. Ein Blick auf die Mobilität zeigt allerdings, dass viele Menschen ins Büro gehen: Busse und Bahnen sind voll.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier richtete sich deswegen am Freitag gemeinsam mit Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern an die Bevölkerung: „Wenn Sie die Möglichkeit haben und es bisher noch nicht tun: Arbeiten Sie im Homeoffice! Gehen Sie nicht ins Büro, wenn Sie nicht zwingend müssen. Jede Fahrt zur Arbeit in der S-Bahn oder im Bus, die vermieden werden kann, hilft.“

Von einer Pflicht zum Homeoffice sah Steinmeier zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ab - deswegen auch die Diskussion um die Homeoffice-Pflicht light als Kompromiss.

Homeoffice-Pflicht light: Wenn Arbeitnehmer und Chefs von Zuhause aus arbeiten sollen

Homeschooling und Homeoffice: Ist Arbeiten und Betreuung zeitgleich überhaupt möglich?

Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen Eltern und Erziehungsberechtigte immer wieder vor dem Problem, wie Homeoffice und Homeschooling zeitgleich machbar sein sollen. Mit dem zweiten Lockdown sind Kitas und Schulen nur noch für die Notbetreuung erreichbar, die Landesregierung rät aktiv davon ab, diese Angebote zu nutzen.

Für Eltern gibt es zwar Möglichkeiten, mehr Kinderkrankentage oder ähnliche Konzepte zur Betreuung zu verwenden, sie sind jedoch oft schwierig und an Lohn-Verzicht gebunden. Homeschooling und Homeoffice muss so oft zeitgleich stattfinden. Eine Lösung dafür gibt es noch nicht, besonders da Kontakte reduziert werden sollen und damit auch die Personengruppe schrumpft, die sich um die Kinder kümmern könnte.

Gibt es bereits Länder, in denen eine Homeoffice-Pflicht eingeführt wurde?

Während in Deutschland die Light-Version der Homeoffice-Pflicht diskutiert wird, gilt sie bereits seit Mitte Oktober in den Nachbarländern Frankreich und Belgien. In Frankreich müssen seit dem 14. Oktober alle Arbeitnehmer, denen es möglich ist, Zuhause arbeiten, in Belgien gilt diese Corona-Regel seit dem 19. Oktober.

Die belgische Regierung setzt dabei auf strenge Maßnahmen: Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen werden Kontrolleure eingesetzt, die unangekündigt in die Betriebe kommen sollen, so berichtet die FAZ. Die Bußgelder haben es in sich: Bis zu 48.000 Euro kann ein Verstoß gegen die Homeoffice-Pflicht kosten.

Deutschland vor Mega-Lockdown: Welche Regeln werden beim Corona-Gipfel noch diskutiert?

Weil die Corona-Zahlen in Deutschland weiter steigen, wird von Kanzleramt und Ministerpräsidenten der harte Lockdown als nicht ausreichend angesehen. Am Dienstag soll über den sogenannten Mega-Lockdown entschieden werden. Neben der Verlängerung des Lockdowns sind weitere harte Regeln wie eine FFP2-Maskenpflicht im Supermarkt oder Nahverkehr sowie nächtliche Ausgangssperren in ganz Deutschland und nicht nur in Hotspots im Gespräch.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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