Großbritannien

Corona-Krise: Lage in Teilen Englands verschlechtert sich rasant 

In einigen Teilen Englands verschlechtert sich die Corona-Lage weiterhin rasant. Im Großraum Manchester wurde deshalb ein „schwerwiegender Vorfall" ausgerufen.

  • Großbritannien leidet unter der Corona-Krise*: Alle News bis zum 24. Mai finden Sie im alten Ticker
  • Boris Johnson plant Milliardenhilfe für britisches Gesundheitssystem
  • Lage in Teilen Englands weiter verschlechtert 

Update vom Montag, 03.08.2020, 07.19 Uhr: In Großbritannien hat sich die Coronavirus-Lage im Großraum Manchester weiter verschlechtert. Die Behörden riefen am Sonntagabend einen „schwerwiegenden Vorfall“ aus, da die Zahl der Infizierten in mehreren Gegenden gestiegen war. Dies gibt den Behörden mehr Handlungsoptionen im Kampf gegen die Pandemie.
Es gebe aber keinerlei Anlass für Panik, betonten die Behörden. Auffällig seien die Anstiege in Manchester, Tameside und Oldham, berichteten die „Manchester Evening News“.

Premier Boris Johnson hatte schon zuvor in ganz England weitere Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise für mindestens 14 Tage gestoppt. Im Norden - auch in Manchester und Umgebung - wurden die Maßnahmen sogar verschärft: Dort dürfen sich Mitglieder verschiedener Haushalte nicht mehr in Innenräumen und Privatgärten treffen. Auch der gemeinsame Besuch von Pubs und Restaurants ist tabu.

Großbritannien führt neuartige Schnelltests ein – Übertragungsketten schnell unterbrechen

Gesundheitsminister Matt Hancock führt die verstärkte Ausbreitung des Virus auf das Nichteinhalten der Abstandsregeln zurück und will auch deshalb zwei neue Arten von Schnelltests in Großbritannien einführen. Hancock sagte laut einer Mitteilung seines Ministeriums vom frühen Montagmorgen: „Millionen neuer Coronavirus-Schnelltests werden vor Ort in weniger als 90 Minuten Ergebnisse liefern und uns helfen, Übertragungsketten schnell zu unterbrechen.“ Ab der kommenden Woche würden Krankenhäusern, Pflegeheimen und Laboren rund 5,8 Millionen DNA- und 450 000 Abstrichtests zur Verfügung gestellt, hieß es weiter.

Beide Tests könnten Covid-19 und andere vor allem im Winter wütende Viren wie Grippeviren nachweisen, hieß es weiter. Dadurch werde die Testkapazität enorm erhöht. Für die Durchführung der Tests sei kein geschultes medizinisches Fachpersonal erforderlich, was bedeute, dass sie auch in eher nicht-klinischen Umgebungen durchgeführt werden könnten. „Die Tatsache, dass mit diesen Tests sowohl Grippe als auch Covid-19 nachgewiesen werden kann, wird uns auf dem Weg in den Winter enorm helfen, so dass die Patienten den richtigen Rat befolgen können, um sich und andere zu schützen“, sagte Hancock.

Wegen befürchteter zweiter Corona-Welle: Übergewichtige Briten sollen abnehmen

+++ 16.27 Uhr: Die Regierung in Großbritannien will mit einer groß angelegten Kampagne die vielen übergewichtigen Briten zum Abnehmen vor einer möglichen zweiten Coronavirus-Welle animieren. Allein in England sind fast 63 Prozent der Erwachsenen zu dick, wie aus Statistiken der Gesundheitsbehörden hervorgeht. Eine Regierungssprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass eine Kampagne zum Abnehmen geplant sei. Nähere Informationen sollen am Montag (27.07.2020) veröffentlicht werden.

Während der Ausgangsbeschränkungen in den vergangenen Monaten hatten viele Briten nochmals an Gewicht zugenommen. Zu viele Kilos können diverse Erkrankungen fördern. Auch das Sterberisiko bei einer Covid-19-Erkrankung steigt an. Wissenschaftler rechnen im Herbst mit einer zweiten Infektionswelle in Großbritannien.

Die Regierung wolle die Kampagne mit umgerechnet etwa elf Millionen Euro unterstützen, berichtete die Zeitung „The Guardian“. So müsse zum Beispiel auf Weinflaschen und Bierdosen künftig der Kaloriengehalt des Getränks verzeichnet sein. Werbung für Junkfood im Fernsehen soll erst spät abends erlaubt sein, so der „Guardian“. Übergewicht sei Experten zufolge der „wichtigste veränderbare Risikofaktor“ im Kampf gegen Covid-19.

Corona in Großbritannien: Spanien-Urlauber müssen in Quarantäne

Update vom Sonntag, 26.07.2020, 08.20 Uhr: Wegen der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in Spanien müssen Spanien-Urlauber in Großbritannien künftig zwei Wochen in Quarantäne. Die britische Regierung strich Spanien am Samstag von der Liste derjenigen Länder, aus denen eine Einreise ohne Quarantäneauflagen möglich ist. Die neue Regelung gilt ab Sonntag.

Von nicht notwendigen Reisens ins spanische Festland rät die britische Regierung ab. Damit sind die bei britischen Urlaubern besonders beliebten Kanaren und die Balearen ausgenommen.

Zweifel an Corona-Statistik

+++ 18.36 Uhr: In Großbritannien könnten die Corona-Statistiken ganz anders aussehen als bisher angenommen: Forscher von der Universität in Oxford wollen schwerwiegende Fehler in den offiziellen Statistiken entdeckt haben. Einer Studie der Experten zufolge könnte die Zahl der Todesfälle deutlich niedriger sein als gedacht: Demnach gleichen die Gesundheitsbehörden bei der Erfassung der Corona-bedingten Todesfälle lediglich die Liste der nachgewiesenen Corona-Infektionen und das Zentralregister mit den landesweiten Sterbefällen ab, ohne die Todesursache zu überprüfen.

Mitarbeiter eines Krankenhauses in Cambridge tragen Schutzkleidung, während sie Patienten auf der Intensivstation behandeln.

So sei es möglich, dass ein von einer Corona-Infektion genesener Patient, der drei Monate später bei einem Verkehrsunfall ums Leben komme, als Corona-Toter in der Statistik auftrete, schrieben die Autoren der Studie. Als Reaktion auf die Kritik forderte Gesundheitsminister Matt Hancock die Gesundheitsbehörden zu einer „dringenden Überprüfung“ ihrer Zählweise auf.
Nach offiziellen Angaben sind in Großbritannien seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als 45.000 Menschen an Covid-19 gestorben - so viele wie in keinem anderen Land Europas.

Corona-Impfstoff: Cyber-Angriffe auf Pharmaunternehmen

+++ 16.15 Uhr: Nach Cyber-Angriffen auf britische Pharmaunternehmen und Forschungsgruppen äußert der britische Sicherheitsminister James Brokenshire einen Verdacht: Laut ihm sei sich die Regierung in Großbritannien sicher, dass die Angriffe vom russischen Geheimdienst ausgehen. Einem Bericht von „theguardian.com" zufolge, behauptet Brokenshire, dass es die Hacker auf Organisationen abgesehen haben, die an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs arbeiten.

Ob die Hacker aus Russland mit ihren Cyber-Angriffen Erfolg hatten, teilte der Sicherheitsminister nicht mit. Er betonte lediglich, dass IT-Systeme angegriffen und diese auf Schwachstellen überprüft wurden. Den Forschern, die an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs mitwirken, riet Brokenshire zu besseren Sicherheitsvorkehrungen.

Corona in Großbritannien: Milliarden-Hilfe für Krankenhäuser

Update vom Freitag, 17.07.2020, 15.20 Uhr: Die Regierung in Großbritannien rechnet mit einer zweiten Corona-Welle im Winter. Daher soll das Gesundheitssystem mit einer Milliarden-Hilfe unterstützt werden, um bestmöglich auf einen erneuten rasanten Anstieg von Covid-19-Infektionen vorbereitet zu sein.

Der britische Premierminister Boris Johnson kündigte an, dem staatlichen Gesundheitsdienst Zuschüsse in Höhe von drei Milliarden Pfund zukommen zu lassen, sodass diese Kapazitäten in Privatkrankenhäusern aufkaufen können. Außerdem sollen mit dem Geld Krankenhäuser erhalten werden, die zu Beginn der Corona-Krise provisorisch errichtet wurden.

Corona-Krise: Banksy wirbt für Maskenpflicht in Großbritannien

Update vom Mittwoch, 15.07.2020, 10.15 Uhr: Der geheimnisvolle Streetart-Künstler Banksy hat in einer U-Bahn in London mit Ratten-Bildern für das Tragen von Masken in der Corona-Krise geworben. Auf einem auf Instagram verbreiteten knapp einminütigem Video soll Banksy selbst zu sehen sein - mit Maske, weißem Schutzanzug, blauen Gummi-Handschuhen und einer orangefarbenen Warnweste. Passagiere erkennen ihn nicht, weil sie ihn wohl für einen Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe halten.

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. . If you don’t mask - you don’t get.

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Corona-Krise in Großbritannien: Zweite Welle könnte noch schlimmer werden

+++ 11.05 Uhr: Renommierte Wissenschaftler warnen vor einer zweiten Coronavirus-Welle mit bis zu 120 000 Todesfällen in Großbritannien. Demnach könnte der Höhepunkt im kommenden Januar und Februar erreicht werden. An der Studie waren 37 Wissenschaftler beteiligt, darunter der medizinische Regierungsberater Patrick Vallance.

Die Forscher der Akademie der medizinischen Wissenschaften legten verschiedene Szenarien vor und nannten die prognostizierten 120 000 Todesfälle ein fundiertes „Worst-Case-Szenario“. „Das Risiko kann verringert werden, wenn wir sofort handeln“, teilten die Forscher in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie mit. Sie warnen unter anderem vor einem Zusammentreffen mit einer Grippewelle und vor einem höheren Infektionsrisiko im Winter, weil sich die Menschen dann mehr in geschlossenen Räumen aufhalten. Dadurch könnte ein zweiter Corona-Ausbruch zwischen kommendem September und Juni 2021 deutlich schlimmer ausfallen als der erste, betonen die Forscher.

Corona-Krise in Großbritannien: England führt Maskenpflicht in Geschäften ein

Update vom 14.07.2020, 06.20 Uhr: In England wird eine allgemeine Maskenpflicht in Geschäften eingeführt. Die Maßnahme gilt ab dem 24. Juli, wie das Büro von Premierminister Boris Johnson am Montag mitteilte. Es gebe zunehmende Belege dafür, dass das Tragen von Atemschutzmasken in geschlossenen Räumen vor dem Coronavirus schütze, hieß es zur Begründung. Verstöße gegen die Maskenpflicht können mit Bußgeldern von bis zu 100 Pfund (109 Euro) geahndet werden.

Eine Maskenpflicht gilt in England bereits seit dem 15. Juni in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die britische Regierung ist nur für die Corona-Maßnahmen in England zuständig. In den übrigen Landesteilen Nordirland, Schottland und Wales werden die Maßnahmen von den dortigen Regionalregierungen getroffen.

Großbritannien ist das am härtesten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Fast 45.000 Todesopfer wurden dort verzeichnet. Das Land rangiert damit in der weltweiten Statistik der Todesfälle hinter den USA und Brasilien an dritter Stelle.

Die britische Akademie der Medizinischen Wissenschaften warnt in einem am Dienstag veröffentlichen Bericht, dass sich die Lage noch deutlich verschlimmern könnte. Eine zweite Ausbreitungswelle des Virus könnte zwischen September und Juni zu 120.000 Todesfällen allein in den Krankenhäusern führen, erklären die Wissenschaftler. Sie fordern sofortige Maßnahmen zur Verhinderung einer solchen zweiten Welle.

Britische Regierung verhängt wegen Coronavirus erneuten Lockdown in Leicester

Update vom Dienstag, 30.06.2020, 10.25 Uhr: Wegen anhaltend hoher Corona-Fallzahlen hat die britische Regierung für die mittelenglische Stadt Leicester erneut strikte Beschränkungen des öffentlichen Lebens verhängt. Während die Rate der Infektionsfälle in den meisten Landesteilen zurückgegangen sei, sei sie in Leicester zuletzt weiter gestiegen, begründete Gesundheitsminister Matt Hancock im Parlament den Schritt.

Nicht essenzielle Geschäfte müssen deshalb in Leicester ab heute (30.06.), Schulen ab Donnerstag (02.07.) schließen. In zwei Wochen sollen die Maßnahmen laut Hancock auf den Prüfstand kommen. „Wir müssen dieses Virus kontrollieren. Wir müssen die Menschen schützen“, betonte der Minister.

Die Schulen in England hatten für einige Schüler am 1. Juni wieder geöffnet, nicht als essenziell eingestufte Geschäfte vor zwei Wochen. Pubs, Restaurants und Kultureinrichtungen sollten eigentlich in ganz England ab kommenden Samstag wieder öffnen.

In der 340.000-Einwohner-Stadt Leicester wurden jedoch nach Behördenangaben in den vergangenen zwei Wochen 866 weitere Coronavirus-Infektionsfälle registriert. Insgesamt wurden in der Stadt seit Ausbreitung des neuen Erregers nach Großbritannien rund 3000 Ansteckungsfälle verzeichnet.

Auf Leicester seien in der vergangenen Woche rund zehn Prozent aller neuen Infektionsfälle im Land entfallen, sagte Hancock. Täglich würden dort sechs bis zehn Menschen wegen der Infektion ins Krankenhaus eingeliefert.

Update vom Montag, 29.06.2020, 12.50 Uhr: Auch Boris Johnson kann vor den Tatsachen nicht die Augen verschließen. „Das Coronavirus ist eine Katastrophe, da brauchen wir nicht um den heißen Brei reden, es ist ein „absoluter Albtraum für das Land“, sagte der britische Premier in einem Interview mit dem neuen Radiosender „Times Radio“.

Mit einem großen Investitionspaket will der britische Premierminister die von der Corona-Pandemie arg gebeutelte Wirtschaft in seinem Land nun wieder in Schwung bringen. Unter anderem soll eine Milliarde Pfund (rund 1,1 Milliarden Euro) in den kommenden zehn Jahren in den Bau und die Sanierung von Schulen fließen. Neben Investitionen in Bildungseinrichtungen nannte Johnson auch die weitere Infrastruktur und den Bereich Technologie. Mehr Details wollte Johnson am Dienstag bei einer Rede vorstellen.

Johnson vergleicht Maßnahme mit New Deal von Roosevelt

Johnson verglich die Maßnahme mit der „New Deal“-Politik des früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt nach der Weltwirtschaftskrise im frühen 20. Jahrhundert. Der Sparpolitik der vergangenen Jahre erteilte er eine klare Absage.

Die Corona-Krise hat der britischen Wirtschaft einen erheblichen Schock versetzt. Wie das Statistikamt ONS kürzlich mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im April um 20 Prozent gemessen am Vormonat. Es ist der größte Einbruch von Monat zu Monat, der jemals verzeichnet wurde und drei Mal so groß wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/9. Im Vergleich zu Februar war das britische Bruttoinlandsprodukt im April sogar um ein Viertel kleiner. Die Produktion brach in allen Bereichen ein.

Corona-Krise: Großbritannien plant Lockerungen für Reisende aus bestimmten Ländern

Update vom Samstag, 27.06.2020, 13.33 Uhr: Großbritannien will die Quarantänepflicht für Reisende in der Corona-Krise lockern. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf Regierungskreise. Demnach will die britische Regierung Reisende aus mehreren Ländern von der umstrittenen Pflicht zur 14-tägigen Isolation befreien.

Großbritannien in der Corona-Krise: Reisebestimmungen gelockert

Kommende Woche solle eine Liste von Staaten vorgelegt werden, die vom 6. Juli an von der Regelung ausgenommen sind. Dazu sollen den Berichten zufolge unter anderem Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland gehören. Reisende aus Portugal, Schweden und den USA müssen sich demnach hingegen weiterhin nach Ankunft in Großbritannien für zwei Wochen isolieren.

Die Regelung soll den Menschen „die Möglichkeit eines Sommerurlaubs im Ausland“ geben und auch die britische Wirtschaft ankurbeln, zitiert die BBC einen Regierungssprecher. Man behalte sich aber vor, auf die Bremse zu treten, sollte sich die Situation wieder verschlimmern. Angedacht ist dem Sprecher zufolge auch ein Ampelsystem, um Länder nach ihrer Coronavirus-Ausbreitung einzustufen.

Die Maßnahme war am 8. Juni wegen des Coronavirus in Kraft getreten und gilt sowohl für ausländische Einreisende als auch für Briten, die von Reisen zurückkehren. Die Regelung wurde von verschiedenen Seiten heftig kritisiert. Mehrere Fluggesellschaften hatten Klage dagegen eingereicht. Auch in der konservativen Regierungspartei von Premierminister Boris Johnson rumorte es.

Kehrtwende in Großbritannien? Niedrigste Corona-Zahlen seit Mitte März

Update vom Montag, 22.06.2020, 21.12 Uhr: Großbritannien meldet die niedrigste Zahl von Corona-Todesfällen seit Mitte März. Das geht aus einer Mitteilung des britischen Gesundheitsministeriums hervor. Demnach wurden in den 24 Stunden bis Sonntagabend (21.06.2020) 15 Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet. Auch die Zahl der Neuinfizierten lag seit Monaten mit 958 erstmals unter 1000 am Tag. 

Für Dienstag (23.06.2020) wird erwartet, dass Premierminister Boris Johnson weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen in England ankündigt. Medienberichten zufolge soll der Mindestabstand von zwei Metern reduziert werden. Johnson will sich demnach auch zur möglichen Öffnung von Restaurants und Pubs vom 4. Juli an äußern. 

Großbritannien ist das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Dort starben bislang der Regierung zufolge mehr als 42.600 Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Coronavirus in Großbritannien: Mehr als 50.000 Tote laut Statistikämtern

Update 09.06.2020, 13.15 Uhr: Nach Angaben der Statistikämter von England und Wales, Schottland und Nordirland sind in Großbritannien inzwischen mehr als 50.000 Menschen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus gestorben. Die genaue Zahl beläuft sich auf 50.413 Todesopfer.

Damit verzeichnet Großbritannien weltweit die zweithöchste Anzahl an Todesfällen durch Coronaviren. Die Zahl der Todesopfer wird nur von den USA übertroffen, wo mehr als 111.000 Menschen  dem Virus zum Opfer fielen.

Die Daten unterscheiden sich von der offiziellen Zählung der britischen Regierung. Das britische Ministerium für Gesundheit und Soziales (DHSC) hat nur 40.680 Todesfälle durch Coronaviren gemeldet. Dies ist die Zahl, die im Covid-19-Dashboard der John Hopkins Universität aufgeführt ist.

Die Diskrepanz zwischen den beiden Angaben wird durch unterschiedliche Zählmethoden verursacht. Das DHSC erfasst nur Todesfälle, bei denen bei dem Verstorbenen zuvor Coronavirus diagnostiziert wurde, im Gegensatz zu einer Post Mortem festgestellten Krankheit.

Großbritannien hat offiziell 288.834 Fälle von Coronavirus registriert, die höchste Gesamtzahl in Europa.

Quarantäne-Regelung für Einreisende in Kraft

Update von Montag, 08.06.2020, 8.05 Uhr: In Großbritannien ist eine umstrittene Quarantäne-Regelung für Einreisen ins Land in Kraft getreten. Ab diesem Montag müssen sich als Maßnahme gegen die Coronavirus-Pandemie die meisten Einreisenden für zwei Wochen in Isolation geben. 

Bei der Grenzkontrolle müssen sie Details zu ihrer Reise angeben sowie den Ort benennen, an dem sie sich in Isolation begeben werden. Die Regelung betrifft nicht nur Besucher, sondern auch britische Bürger und Menschen mit Aufenthaltsstatus in Großbritannien. Sie gilt nicht nur für Flugreisende, sondern unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel. Nur wenige Ausnahmen von der Quarantäne sind zugelassen, etwa für Lkw-Fahrer oder manche Beschäftigte des Gesundheitswesens.

Update von Donnerstag, 04.06.2020, 17.05 Uhr: Der britische Wirtschaftsminister Alok Sharma sorgt mit einem Auftritt vor dem Parlament für weitere Unruhe nach Diskussionen um die Corona-Lockerungen im Land. Während einer Rede über einen Gesetzentwurf rieb er sich mehrfach durchs Gesicht und tupfte seine Stirn mit einem Handtuch ab. In einem Video von dem Auftritt wirkt Sharma teils fahrig.

Diskussion um Corona-Lockerungen für britisches Unterhaus

Der Vorfall sorgt für Diskussionen im Unterhaus. Schon zuvor hatte es Kritik an der Rückkehr der Entscheidung von Primierminister Boris Johnson gegeben. Dieser hatte die Abgeordneten zurück in das Parlament beordert. Sie sollen Vorbild für die Briten sein, die Johnson dazu bringen will, ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken und in einen Alltag ähnlich dem vor der Corona-Pandemie zurück zukehren.

Ein Sprecher der oppositionellen Labour Party bezeichnete es als „lächerlich“, dass Sharma krank zur Arbeit erschien. Sharma selbst sagte, er habe ich „unwohl“ gefühlt und sich im Anschluss an seinen Auftritt in Selbstisolation begeben. Er soll auf das Coronavirus getestet werden. Der Saal des Unterhauses soll grundlegend gereinigt werden.

Weitere Corona-Lockerungen in Großbritannien

+++ 19.15 Uhr: Die Kontaktbeschränkungen wegen Corona in England werden weiter gelockert. Das teilte der britische Premierminister Boris Johnson am Donnerstag (28.05.2020) mit. Demnach sollen von kommender Woche an wieder Treffen von bis zu sechs Personen in privaten Gärten möglich sein, solange der Mindestabstand von zwei Metern eingehalten wird. Bislang waren nur Treffen von zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten in Parks und anderen öffentlichen Räumen möglich. Auch Läden mit Verkaufsfläche im Freien sollen wieder öffnen dürfen. Zudem werden auch teilweise die Schulen wieder für eine größere Zahl von Kindern geöffnet.

Johnson hatte fünf Bedingungen für weitere Corona-Lockerungen genannt. Dazu gehören unter anderem sinkende Zahlen bei Infektionen und bei Todesfällen. Alle Bedingungen seien nun erfüllt, sagte der konservative Regierungschef. „Ich will und werde die Erfolge, die wir gemeinsam erzielt haben, nicht wegwerfen, deshalb sind die Änderungen, die wir vornehmen, beschränkt und vorsichtig“, so Johnson. 

Hohe Zahl an Todesfällen durch Corona in Großbritannien

Er hatte Ende März strenge Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus erlassen, unter anderem sind alle Geschäfte außer Lebensmittelläden und Apotheken seitdem geschlossen. Eine erste Runde an Lockerungen hatte es bereits Anfang Mai gegeben. Dabei wurde unter anderem Garten-Centern erlaubt, wieder aufzumachen.

Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die höchste Zahl an Todesfällen in Europa. Bis Mittwoch starben dort etwa 37.800 Menschen, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Corona in Großbritannien: Regierungsberater Cummings hat wohl doch Lockdown-Regeln gebrochen

+++ 15.10 Uhr: Der britische Regierungsberater Dominic Cummings hat nach Einschätzung der Polizei möglicherweise doch die Lockdown-Regeln verletzt. Der Chefberater von Premierminister

Boris Johnson habe mit einer Fahrt ins Ausflugsziel Barnard Castle am Ostersonntag eventuell einen geringfügigen Verstoß gegen die Corona-Ausgangsbeschränkungen begangen, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der Polizei der nordostenglischen Grafschaft Durham. Mit Konsequenzen habe er aber nicht zu rechnen. Cummings und die Regierung bestreiten einen Regelbruch bislang vehement.

Der Johnson-Berater steht in der Kritik, weil er Ende März von London ins rund 430 Kilometer entfernte Durham zu seinen Eltern reiste. Einen Rücktritt lehnt er ab. Cummings besteht darauf, im Rahmen der Regeln gehandelt zu haben. Er hat bislang auch die Rückendeckung des Premierministers. Cummings behauptet, keine andere Möglichkeit gehabt zu haben, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohns sicherzustellen, weil sowohl er als auch seine Frau mit einer Coronavirus-Infektion rechnen mussten. Hier sieht auch die Polizei laut der Mitteilung keinen Regelbruch.

Zum Verhängnis könnte Cummings nun jedoch die kürzere Reise werden, die er nach überstandener Erkrankung von Durham aus unternahm. Angeblich wollte er mit der Fahrt ins etwa 40 Kilometer entfernte Dorf Barnard Castle testen, ob er für die Rückreise nach London fit genug war und ob sich sein durch die Erkrankung eingeschränktes Sehvermögen wieder ausreichend verbessert hatte. Ein Anwohner hatte ihn dort gesehen und angezeigt. Aus dem Regierungssitz Downing Street hieß es, der Befund der Polizei ändere die Einschätzung der Lage nicht. Johnson betrachte die Angelegenheit als beendet.

Kritik an Dominic Cummings: BBC setzt in Corona-Pandemie bekannte Moderatorin ab

Update vom Donnerstag, 28.05.2020, 06.00 Uhr: Die Journalistin Emily Maitlis ist in Großbritannien für ihre kritischen Nachfragen bekannt. Erinnert sei nur an ihr Interview mit Prinz Andrew über seine Beziehung zu Jeffrey Epstein, das im November 2019 auch über die Insel hinaus für Aufsehen gesorgt hatte. 

Nun steht die Moderatorin aber plötzlich selbst im Mittelpunkt der Nachrichten. Denn nach ihren Äußerungen in der Affäre um den britischen Regierungsberater Dominic Cummings hat der Sender BBC sie am Mittwochabend kurzfristig ersetzt. 

Was war geschehen? Maitlis hatte Cummings in der Anmoderation zur ihrer Sendung „Newsnight“ am Dienstag (26.05.2020) vorgeworfen, dass er die Regeln im Kampf gegen die Pandemie mit einer Reise zu seinen Eltern nach Durham in den Nordosten Englands gebrochen habe. „Das Land kann das sehen und ist geschockt, dass die Regierung das nicht kann.“ Zugleich warf sie Premierminister Boris Johnson „blinde Loyalität“ gegenüber seinem Berater vor. 

Damit habe die Journalistin gegen Regeln der Überparteilichkeit des Senders verstoßen, teilte die BBC daraufhin mit. Die Moderatorin wurde in der Sendung am Mittwoch von ihrer Kollegin Katie Razzall vertreten. Die Schelte der BBC stieß auf scharfen Protest von Journalisten und Politikern. Gerade während einer Krise sei „ehrlicher und furchtloser Journalismus“ gefragt, teilte die Gewerkschaft National Union of Journalists mit. Johnson ist als Kritiker der BBC bekannt und stellt die Rundfunkgebühr infrage. 

Maitlis selbst versuchte unterdessen die Gemüter zu beruhigen. „Ich hatte um einen Abend Auszeit gebeten“, schrieb sie auf Twitter. Und dass die Sendung bei Katie Razzall „in überaus exzellenten Händen“ gewesen sei. 

Corona-Affäre macht Boris Johnson schwer zu schaffen

Update vom Donnerstag, 28.05.2020, 06.00 Uhr: Boris Johnson hält offenbar weiter unverrückbar an seinem umstrittenen Berater Dominic Cummings fest. Johnson musste nun dem sogenannten Liaison-Committee des Parlaments Rechenschaft ablegen. Dabei wurde er auch gefragt, warum er keine offizielle Untersuchung zu Cummings' Verhalten angeordnet habe. 

Er sei sich nicht sicher, ob eine Untersuchung gut investierte Zeit gewesen wäre, erwiderte Johnson, der die Empörung über das Verhalten von Cummings als „Ablenkung“ und „sehr, sehr frustrierende Episode“ bezeichnete. Er könne verstehen, warum das Thema die Leute beschäftigt habe, „aber was wir wirklich tun müssen, ist, es hinter uns zu lassen“.

Das Liaison-Committee besteht aus den Vorsitzenden der ständigen Ausschüsse des Parlaments und ist das einzige, gegenüber dem der Regierungschef regelmäßig Rechenschaft ablegen muss. Es war Johnsons erster Auftritt als Premierminister dort. Der Vorsitzende des Liaison-Committees ermahnte den Premier, regelmäßig zu kommen.

Konservative in Großbritannien rebellieren: Boris Johnson kämpft wegen Cummings-Affäre mit Tory-Revolte 

Update vom Mittwoch, 27.05.2020, 14.00 Uhr: Die Affäre um Dominic Cummings sorgt in Großbritannien für immer mehr Unruhe. Jetzt werden die Rufe nach einem Rücktritt des britischen Regierungsberaters, der die eigenen Corona-Regeln gebrochen hat,  zusehends lauter. Knapp 40 Parlamentarier der regierenden Konservativen Partei verlangen bereits, dass Cummings seinen Hut nimmt. Premierminister Boris Johnson habe Schwierigkeiten, die wachsende Revolte in den eigenen Reihen zu kontrollieren, berichtete die „Times“ am Mittwoch. 

Dies wohl auch deshalb, weil die Torys in der Corona-Krise deutlich an Zuspruch verlieren, während die Opposition zulegt. So verringte sich der Vorsprung von Johnsons Konservativen gegenüber der oppositionellen Labour-Partei laut einer Umfrage des Instituts YouGov um neun Prozentpunkte. Demnach büßte die Regierungspartei vier Punkte ein und liegt nun bei 44 Prozent. Labour verbesserte sich um fünf Punkte auf 38 Prozent. Einen solchen Rückschlag in den Umfragen hatten die Torys zuletzt unter dem damaligen Parteichef David Cameron während des Wahlkampfs 2010 hinnehmen müssen.

Corona-Krise: Übersterblichkeit in Großbritannien ist extrem hoch 

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Zahl der Todesfälle mit Covid-19 in Großbritannien nach den neuesten verfügbaren Daten die Marke von 47.000 überschritten hat. Wie aber ein Blick auf die Übersterblichkeit zeigt, dürfte die tatsächliche Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus allerdings noch höher liegen. So sind während der Epidemie fast 60.000 Menschen mehr gestorben als im Fünfjahresschnitt des vergleichbaren Zeitraums.

Am späten Nachmittag muss sich Johnson in einer Videokonferenz den Fragen der Abgeordneten zu der Affäre um Cummings und zum Krisenmanagement der Regierung in der Corona-Krise stellen. Bisher hält Johnson seinem Chefberater unverbrüchlich die Treue. Johnsons Schwester Rachel sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender ITV immerhin, sie hätte sich an Cummings Stelle entschuldigt. Auch das hat Cummings bis jetzt nicht getan.

Corona-Affäre um Johnsons Chefberater: Erster Minister tritt aus Protest zurück

Update vom Dienstag, 26.05.2020, 13.45 Uhr: Die Eskapade von Johnsons Chefberater Dominic Cummings sorgt weiter für große Aufregung in Großbritannien. Inzwischen gibt es auch einen ersten Rücktritt: Der für Schottland zuständige Staatsekretär Douglas Ross nahm aus Protest gegen Cummings Verhalten in der Corona-Krise seinen Hut. 

Cummings Interpretation der Ausgangsbeschränkungen „können die meisten Menschen, die die Regeln der Regierung befolgen, nicht nachvollziehen“, schrieb Ross an Premierminister Boris Johnson. „Ich habe Wähler, die sich nicht von ihren Liebsten verabschieden konnten, Familien die nicht zusammen trauern konnten, Menschen, die nicht ihre kranken Verwandten besuchten, weil sie die Regeln der Regierung befolgten“, so Ross. Er könne doch nicht allen sagen, sie lägen falsch und Cummings richtig. 

Auch andere Abgeordnete der konservativen Torys sehen das ganz ähnlich. So steigt die Zahl der Tory-Abgeordneten, die Cummings’ Rücktritt fordern, stündlich weiter an. Laut Sky-News-Journalist Joe Pike haben bisher 14 Abgeordnete den Rücktritt des Chefberaters gefordert.

Briten pfeifen auf Corona-Regeln: Strände am Feiertag völlig überfüllt

Update vom Dienstag, 26.05., 11.30 Uhr: In Bournemouth ging es am Montag hoch her. Es war ein Feiertag in Großbritannien, und das Wetter war klasse. Prächtiger Sonnenschein und Temperaturen von knapp 26 Grad lockten die Menschen ins Freie – allen Corona-Beschränkungen zum Trotz. Vor allem die Strände von Durley und Alum Chine waren regelrecht überfüllt. 

Die Situation entwickelte sich teilweise derart extrem, dass der Stadtrat von Bournemouth per Twitter zur Mäßigung aufrief. „Unsere Parkplätze am Meer sind voll. Bitte überlegen Sie es sich zweimal, bevor Sie den Strand besuchen - es gibt andere, weniger belebte, aber ebenso schöne Freiflächen, die Sie genießen können. Besser wäre es natürlich, wenn Sie zu Hause bleiben würden.“

Aber was soll man auch erwarten, wenn sich hochrangige Regierungsmitglieder nicht an die eigenen Corona-Regeln halten? „Wenn Cummings die Regeln brechen kann, können wir das auch“, sagte ein Badegast gegenüber der Zeitung „Daily Mirror“. Die Ignoranz des Chefberaters von Boris Johnson trug also wesentlich zum Menschenauflauf in Bournemouth bei.    

Corona-Affäre in Großbritannien: Boris Johnson unter Druck 

Erstmeldung vom Montag, 25.05.: London - In Großbritannien ticken die Uhren ein wenig anders. Das weiß man nicht erst seit dem Brexit. Auch in der Corona-Krise läuft auf der Insel manches ein wenig anders als im Rest der Welt. So musste vor wenigen Wochen der Wissenschaftler Neil Ferguson seinen Posten als Regierungsberater aufgegeben. Und warum? Weil der Epidemiologe die Regeln zur Eindämmung der Pandemie missachtet hatte.

Großbritannien: Wissenschaftler verstößt gegen Corona-Regeln 

Das war schon ein wenig erstaunlich, immerhin leitete Ferguson die Gruppe von Wissenschaftlern am Imperial College in London, deren Berechnungen die Regierung um Boris Johnson dazu veranlasst hatte, strenge Abstandsregeln, Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkzungen einzuführen.

Trotzdem setzte Ferguson seine Affäre mit einer 38-Jährigen fort, die ihn gleich mehrfach besucht haben soll. „Ich habe in dem Glauben gehandelt, dass ich immun bin“, so Ferguson. Das allerdings war er nicht. Er wurde positiv auf das Virus getestet und hat sich dann zwei Wochen in Isolation begeben.

Chefberater Dominic Cummings hält sich nicht an Ausgangsbeschränkungen 

Und nun ist Dominic Cummings an der Reihe. Der Chefberater von Boris Johnson hat mit einer Reise von London zu Familienangehörigen ins rund 430 Kilometer entfernte Durham Ende März ebenfalls gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen.  Der Wahlkampfstratege gilt als eine Art Strippenzieher in der Regierung, der hochintelligent und zugleich unberechenbar ist.

Die Aufregung ist entsprechend groß. so fürchtet die Polizei Folgen für ihre Arbeit: Cummings habe durch sein Verhalten die Durchsetzung der Pandemie-Maßnahmen zum Gespött gemacht, sagte ein Vertreter der Polizei in der südenglischen Grafschaft Gloucestershire. Derweil twitterte der Mediziner Dominic Pimenta ein Foto von sich in voller Schutzausrüstung und schrieb: „Wenn er (Cummings) nicht aus dem Dienst ausscheidet, dann mache ich das.“ 

Affäre um Cummings: Johnson-Berater weist Kritik zurück

Doch Cummings weist die massive Kritik an seiner Reise zurück. „Ich bedaure nicht, was ich getan habe“, sagte der zweitmächtigste Mann der Regierung am Montag im Rosengarten des Regierungssitzes in London. Er habe den Umständen entsprechend „vernünftig und angemessen“ gehandelt, sagte Cummings, der als Grund für seine Reise angab, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohnes sicherzustellen. Er habe für die Betreuung seines Kindes sorgen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst auch mit einer Ansteckung habe rechnen müssen.

„Ich habe meinen Rücktritt nicht angeboten. Nein, ich habe nicht über einen Rücktritt nachgedacht“, sagte Cummings, der sich auf der Pressekonferenz auch nicht für sein Verhalten entschuldigte. Er äußerte aber sein Bedauern, dass er Boris Johnson nicht um Erlaubnis für die Reise gebeten habe: „Das war ein Fehler.“

Dominic Cummings ist trotz des Lockdowns mehr als 400 Kilometer zu seinen Eltern gereist, als er an Covid-19-Symptomen litt.

Boris Johnson stärkt Cummings den Rücken und gerät selbst unter Druck

Boris Johnson selbst hat Cummings bisher den Rücken gestärkt. Cummings sei „den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt“, sagte Johnson. Dafür könne er ihn nicht an den Pranger stellen. Nach den Worten Johnsons hat sein Chefberater „in jeder Hinsicht verantwortlich, legal und mit Integrität“ gehandelt.

Doch nach dieser Rückendeckung gerät Johnson nun selbst immer mehr unter Druck. Außer der Opposition forderten inzwischen über ein Dutzend Parlamentarier aus Johnsons Konservativer Partei sowie Kirchenvertreter und Ärzte den Rücktritt Cummings. Der Premier behandle die Menschen „wie Trottel“ und „ohne Respekt“, twitterte der Bischof von Leeds, Nicholas Baines. Außer ihm kritisierten noch viele andere Geistliche der Kirche von England Johnsons und Cummings Verhalten. 

Auch in der Tory-Partei bröckelt die Unterstützung für Johnson und Cummings

Die Zeitung „Daily Mail“ titelte am Montag zu Bildern von Johnson und Cummings: „Auf welchem Planeten leben die eigentlich?“ Der Chef der Oppositionspartei Labour, Keir Starmer, sagte der BBC: „Das war ein großer Test für den Premierminister und er ist gerade durchgefallen.“

Auch in der Tory-Partei bröckelt die Unterstützung. Der frühere Staatssekretär Paul Maynard nannte das Verhalten des Chefberaters „völlig unhaltbar“. Der Abgeordnete David Warburton sagte im BBC-Interview am Montag, Cummings „schädigt die Regierung und das Land“. 

cs mit Agenturen

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Rubriklistenbild: © Neil Hall/dpa

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