Prognose ist dramatisch

„Dies ist ein Notruf“: Hohe Auslastung der Intensivbetten - Drosten und Intensivmediziner warnen

Die Corona-Lage in Deutschland ist angespannt, vor allem auf den Intensivstationen. Ein Mediziner schlägt Alarm, Christian Drosten spricht von einem „Notruf“.

Hamm - Auch wenn die Corona-Zahlen in Deutschland nach Ostern sinken, die Lage bleibt angespannt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor einem trügerischen Eindruck, denn nach den Feiertagen fehlen Meldungen aus den Gesundheitsämtern. Die Zahlen der Covid-19-Fälle auf den Intensivstationen steigen. Ein Intensivmediziner schlägt Alarm, Virologe Christian Drosten schreibt auf Twitter: „Dies ist ein Notruf“.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83,02 Millionen (2019)

„Dies ist ein Notruf“: Hohe Auslastung der Intensivbetten - Christian Drosten und Intensivmediziner warnen

Ein Prognosemodell des Divi-Intensivregisters zeigt die Dramatik der aktuellen Situation. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, twitterte dazu am Mittwoch: „Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt??? Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen.“

In der Grafik wird die künftige Auslastung der Intensivstationen in einem pessimistischen und einem optimistischen Impfszenario dargestellt. In beiden Fällen werden drei Prognosen für jeweils unterschiedliche Szenarien miteinander verglichen: die Entwicklung mit Notbremse bei einer Inzidenz von 100, 200 und 300. Eine grüne Kurve zeigt zudem die Echtzeit Belegung von Intensivbetten.

„Unser Prognosemodell im Abgleich mit den realen Zahlen (in Grün) spricht Bände. Bitte handelt endlich!“ twitterte Intensivmediziner Karagiannidis. Und tatsächlich: Die Echtzeit-Kurve folgt der Prognose, die für Anfang Mai eine sehr hohe Auslastung der Intensivstationen vorhersagt, wenn die Politik die Notbremse nicht schon bei einer Inzidenz von 100 zieht.

Divi-Prognosemodell zur Auslastung der Intensivstationen in Deutschland

Im pessimistischen Impfszenario würde die Kurve bei zu später Notbremse sogar die Werte Anfang Januar übersteigen, als auf einigen Intensivstationen in Deutschland ein Aufnahme-Stopp herrschte. Seit Mitte März steigt bundesweit die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 wieder deutlich an. Derzeit sind es mehr als 4400, zu Jahresbeginn waren es knapp 5800 gewesen.

Intensivmediziner machen dramatische Prognose zur Corona-Auslastung der Intensivstationen

„Wenn das so weiter geht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5000 Covid-19 Patienten haben“, sagte der ehemalige Divi-Präsident Uwe Janssens am Mittwoch den Sendern RTL/ntv. Ab einer Zahl von 5000 bis 6000 Corona-Intensivpatienten könne es sein, dass einige Krankenhäuser wieder auf den Notbetrieb umstellen müssten. Berlins Universitätsklinikum Charité kündigte am Donnerstag bereits an, ab kommender Woche wieder die Zahl planbarer Eingriffe zurückzufahren.

Christian Karagiannidis mahnte auf Twitter, dass Städte in Nordrhein-Westfalen wie Bonn und Köln oder auch Bremen „kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder #covid Patienten“ hätten. „Und einen instabilen Patienten kann man NICHT einfach dorthin verlegen wo gerade Platz ist. Ein freies Bett in Ostwestfalen hilft da NICHT!“

Dramatische Prognose zur Auslastung der Intensivbetten - Christian Drosten: „Das ist ein Notruf“

Christian Drosten teilte den Tweet von Karagiannidis - und schlug ebenfalls Alarm: „Dies ist ein Notruf.“ SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezog sich auf den Tweet von Christian Karagiannidis und prangerte das Abwarten von Bund und Ländern an, weil die Statistik nach Feiertagen „wie immer“ kollabiere. „Viele hoffen, es wäre ein Wunder geschehen und die dritte Welle endete von allein, weil es wärmer wurde. So ist es leider nicht. Es wird weiter gehen. Besonders in Schulen.“

Karl Lauterbach kritisierte weiter: „Jetzt ist keine Zeit für Wahlkampf oder eine Föderalismusreform. Schnelles pragmatisches Handeln zählt, keine Show.“ Wissenschaftler seien sich weitgehend einig, dass ein Lockdown nötig ist. „Je schneller er kommt, umso kürzer kann er sein“, so der SPD-Politiker. Das Ziel sei es, das Wachstum der Corona-Mutation B.1.1.7 stabil zu senken.

Angesichts der zuletzt stark steigenden Corona-Zahlen in Deutschland hat auch Drosten immer wieder für einen harten, strengen Lockdown plädiert. Schon vor Ostern sprach der Virologe von einer Lage, die „sehr ernst und sehr kompliziert“ sei. „Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen“, sagte Drosten im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Auch Angela Merkel will einen harten Bundes-Lockdown - dafür kämpft die Kanzlerin mit allen Mitteln gegen die Ministerpräsidenten der Länder und will dem Bund mehr Macht bei den Corona-Maßnahmen geben. Vor dem nächsten Gipfel am Montag, 12. April, erntet sie massiv Kritik.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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