So können Sie mitmachen

Vogelzählung in NRW: Deutlich weniger Tiere erwartet

+
Am Wochenende lädt der Nabu wieder zur "Stunde der Gartenvögel" ein

Köln - Der Naturschutzbund (Nabu) rechnet vor einer bundesweiten Vogelzählaktion am Wochenende mit deutlich weniger Tieren auch in Nordrhein-Westfalen.

Wegen des kühlen Wetters im April und Anfang Mai hätten viele Vögel nicht genügend Nahrung für ihre Brut finden können - Jungtiere verhungerten derzeit in den Nestern. "Das wird zu einem Bestandseinbruch führen", sagte Nabu-Vogelexperte Heinz Kowalski. 

Die Zahl der Vögel in Deutschland und Europa geht seit Jahren dramatisch zurück. Vor allem Vögel, die in Agrarlandschaften leben, sind zunehmend bedroht. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hatte die Bundesregierung kürzlich die Zahlen zusammengetragen: Insgesamt ist demnach in der EU die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent. 

In Deutschland hat etwa der Bestand der Kiebitze zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent abgenommen, die Zahl der Braunkehlchen um 63 Prozent, die der Uferschnepfen um 61 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent. Die Zahl der Rebhühner hat zwischen 1990 und 2015 sogar um 84 Prozent abgenommen. 

Ein Drittel aller Vogelarten zeigte seit Ende der 90er Jahre "signifikante Bestandsabnahmen". Als einen Grund für den Artenschwund nannte Kowalski die industrielle Landwirtschaft. Durch den Einsatz von Pestiziden gebe es immer weniger Insekten, weshalb es den Vögeln an Nahrung fehle, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Nabu NRW. Noch sei es jedoch möglich, den Trend zu stoppen. Dass Großvögel wie der Kranich oder der Wanderfalke in NRW wieder brüten, sei ein Beweis dafür, dass sich Anstrengungen lohnten. "

Es muss eine Landwirtschaftspolitik geben, die naturverträglich wirtschaftet." Ähnlich sieht es Veronika Huisman-Fiegen von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft. "Da muss eine Umkehr in der Landwirtschaft stattfinden", sagte sie. 

Am Wochenende lädt der Nabu wieder zur "Stunde der Gartenvögel" ein. Von Freitag bis Sonntag sind alle Naturfreunde aufgerufen, eine Stunde lang Vögel zu zählen und sie für eine gemeinsame Auswertung zu melden. Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde entdeckt werden kann. Das Ergebnis kann dann entweder per Online-Formular oder per Meldebogen an den Nabu übermittelt werden.

Im vergangenen Jahr haben allein in NRW 8000 Menschen teilgenommen und 1,09 Millionen Vögel gezählt. In diesem Jahr könnten es noch deutlich weniger werden, schätzt Kowalski. - dpa

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare