Mehr Verlässlichkeit auf der Linie RB 50

Genug vom Eurobahn-Chaos: Schüler aus Werne startet Online-Petition

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Joshua Tolksdorf hat die Nase voll – von Verspätungen und Ausfällen der Eurobahnlinie RB 50 zwischen Münster und Dortmund. Deshalb hat der 16-Jährige aus Werne jetzt eine Online-Petition gestartet.

Werne - Joshua Tolksdorf hat die Nase voll – von Verspätungen und Ausfällen der Eurobahnlinie RB 50 zwischen Münster und Dortmund. Von überfüllten Wagen, fehlenden Informationen, stundenlanger Wartezeit. Deshalb hat der 16-Jährige aus Werne am Dienstag eine Online-Petition gestartet.

Er will Druck auf Verkehrsunternehmen und -Verbände ausüben. Dass sich an den akuten Problemen in naher Zukunft etwas ändert, scheint dennoch unwahrscheinlich, wie Nachfragen unserer Zeitung unter anderem bei der Eurobahn ergaben. 

Der Schulweg gleicht einer Odyssee. Joshua Tolksdorf, der in Werne wohnt und in Dortmund zur Schule geht, ist auf die Fahrt mit dem Zug angewiesen. Dass alles glatt läuft, habe er aber selten erlebt seit dem Start seiner Laufbahn an der Schule im Sommer dieses Jahres. 

Er hat ein dreiseitiges Schreiben verfasst, das er nach eigener Aussage dem Eurobahn-Betreiber Keolis, dem Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe, der DB Regio, dem NRW-Verkehrsministerium und dem Eisenbahn-Bundesamt zugeschickt hat. 

Fahrpläne undurchsichtig, Ersatzverkehr unzuverlässig

Darin beklagt er, dass die Eurobahn fast täglich massiv verspätet sei, wegen fehlender Wagen zu wenig Platz für die Fahrgäste biete – oder ohne jegliche Information einfach ausfalle. Die Fahrpläne zum Schienenersatzverkehr wegen einer Baustelle zwischen Lünen und Werne seien darüber hinaus undurchsichtig, der Ersatzverkehr als solcher unzuverlässig. 

Monatlich zahle er 130 Euro für eine Leistung, „die in keinster Weise erbracht wird“. Mehrfache Versuche, eine Erstattung zu bekommen, seien gescheitert. Unterdessen wiesen sich Eurobahn und Deutsche Bahn die Schuld gegenseitig zu, sagt Tolksdorf. „Die Eurobahn sagt, dass die Deutsche Bahn Schuld ist, da die Baustelle von der DB Netz AG sei. Die Deutsche Bahn sagt, die Eurobahn sei Schuld, da die Organisation bei der Eurobahn liegen würde [...].“ 

Alles in allem fordert der Schüler:

  • transparente Kommunikation
  • schnellstmöglichen Ersatz bei Ausfällen
  • Stellungnahmen der Kommunen der betroffenen Bürger 
  • dass bei der Eurobahn sowie beim Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) Verlässlichkeit wieder an erster Stelle stehen. 

Keolis nimmt Stellung zu den Vorwürfen 

Der Eurobahn-Betreiber Keolis hat Kenntnis von der Petition, bestätigte Sprecherin Nicole Pizzuti. Sie räumte ein, dass das Unternehmen Probleme habe. „Wir liefern im Moment nicht die Performance ab, die gefordert wird, und können die Wut und die Enttäuschung nachempfinden.“ Auf der Linie RB 50 liege allerdings ein Sonderfall vor. 

Hitzeschäden zwängen die Züge auf eine Geschwindigkeit von 70 anstatt 160 Stundenkilometer herunter. Dadurch entständen Pünktlichkeitsprobleme. Vor zwei Wochen sei bereits der Fernverkehr von der Strecke genommen worden, um die Situation zu entzerren. Die Reparaturen im Gleisbett lägen bei der DB Netz. 

Um recht kurzfristige Anpassungen der Fahrpläne komme man nicht herum. „Es ist für uns ein rabenschwarzes Jahr“, sagt Pizzuti. Denn es sei eine Reihe weiterer unvorsehbarer Probleme hinzugekommen. Nachdem bei einem Fahrzeug Schäden an den Bremsscheiben aufgefallen seien, würden alle anderen Fahrzeuge dahingehend ebenfalls geprüft. 

Momentan komme das Gleiten der Züge auf nassem Laub hinzu, weshalb unrunde Stellen an den Rädern entstehen könnten und repariert werden müssten. Weitere böse Überraschungen: drei Unfälle mit Zügen und ein heftiger Vandalismusschaden. Die Konsequenz: Mehrere Fahrzeuge seien nicht einsatzbereit, die Werkstätten voll und die Personaldecke für diese Situation zu dünn, so dass Keolis bereits versuche aufzustocken. 

"Der Verkehr muss laufen"

Die Entscheidung, alle Linien mit geringerem Platzangebot zu bedienen, sei das kleinere Übel, als einige Linien ganz ausfallen zu lassen, so Pizzuti. Alles in allem, sei es nicht im Sinne des Unternehmens, wie es im Moment laufe. Man bemühe sich nach Kräften, wieder einen besseren Service zu liefern. Wann das der Fall sein wird, vermochte Pizzuti aber nicht einzuschätzen. 

Uli Beele, Sprecher des NWL, sagte, sein Verband wisse seit geraumer Zeit von den Problemen – auf der Linie RB 50, aber auch auf den anderen Linien der Eurobahn. Der NWL prüfe derzeit juristische Mittel gegen Keolis. Die Konsequenzen könnten bis zur Vertragskündigung reichen. 

„Der Verkehr muss laufen“, sagt Beele. Doch ohne neuen Partner führen dann keine Züge. Am 6. Dezember bei der NWL-Verbandsversammlung werde das Thema auf den Tisch kommen.

Hier geht es zu der Online-Petition 

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Quelle: wa.de

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