Schwurgericht Münster

Mann erstochen, weil er zu laut telefonierte: Mordprozess gestartet

Mit einem Messer wurde in Münster ein Mann niedergestochen, der zu laut telefoniert hatte. Nun wird dem Täter (62) der Prozess wegen Mordes gemacht.

Münster – Am Schwurgericht Münster startete am Freitag (30. Oktober) der Prozess gegen einen 62-Jährigen. Dem Mann wird vorgeworfen, einen 33-Jährigen mit einem Messer niedergestochen und getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen Mordes erhoben.

Die Tat hatte sich am Abend des 9. Mai 2020 in Roxel, einem Stadtteil von Münster*, abgespielt und kurz darauf für Schlagzeilen gesorgt – auch wegen des mutmaßlichen Grundes für die Gewalttat: Der Täter soll den 33-Jährigen in Münster getötet haben, weil dieser zu laut telefoniert hatte, wie msl24.de* bereits damals berichtete.

Stadt:Münster
Einwohnerzahl:315.293
Bundesland:NRW

Prozess am Landgericht Münster: Angeklagter äußert sich zur Tat

Sechsmal hatte der Angeklagte mit einem Messer auf das Opfer eingestochen. „Einer dieser Stiche durchstach das Herz des 33-Jährigen und führte zu seinem Tod“, heißt es in der Anklageschrift. Als Motiv führt die Staatsanwaltschaft Münster an, dass sich der 62-Jährige durch das zu laute Telefonat des Mannes gestört gefühlt habe, das dieser in den Abendstunden vor der Haustür des Täters geführt hatte. Die Anklage plädiert auf Mord.

Beim Prozessauftakt äußerte sich der 62-Jährige nicht zu der Tat, wie die dpa berichtet. Allerdings wurde im Gericht in Münster eine Videoaufnahme aus dem Polizeiverhör abgespielt. Darin gab der Angeklagte an, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Allerdings erinnere er sich daran, dass das Opfer zu einem Schlag ausgeholt habe. Bei der Abwehr sei es zu den tödlichen Stichverletzungen durch das Messer gekommen. Dass der 33-Jährige verletzt worden sei, habe der Angeklagte erst durch das Blut an dessen Hemd realisiert.

Am Schwurgericht in Münster muss sich ein 62-Jähriger wegen Mordes verantworten. (Symbolbild)

Tödlicher Messer-Angriff in Münster: Ermordet wegen zu lautem Telefonat?

Die Staatsanwaltschaft Münster rekonstruierte den Ablauf der Tatnacht wie folgt: Das Opfer hatte sich am 9. Mai, einem Samstag, gegen 21.20 Uhr auf der Straße vor dem Wohnhaus des Angeklagten aufgehalten. Die Männer kannten sich nicht. Der 33-Jährige hatte mit seinem Handy telefoniert. Daran störte sich der spätere Täter offenbar.

Der Angeklagte und auch dessen Frau forderten den ihn unbekannten Mann angeblich auf, sein Gespräch an einem anderen Ort weiterzuführen. Doch der 33-Jährige habe sich geweigert und sein Telefonat bis 22.30 Uhr vor dem Haus des Paares in Münster-Roxel fortgesetzt. „Vermutlich empfanden der Angeschuldigte und seine Ehefrau dies als weitere Ruhestörung“, hieß es dazu in der Anklageschrift.

Münster: Opfer mit sechs Messerstichen getötet

Auch die Androhung, die Polizei zu alarmieren, hätte keine Wirkung bei dem Mann gezeigt, wie die Frau des Angeklagten später schilderte. Der 62-Jährige sei daraufhin mit einem Messer bewaffnet vor die Tür des Wohnhauses in Münster getreten und hätte den 33-Jährigen aufgefordert zu gehen. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass es dabei zum Streit zwischen den Männern gekommen ist.

Die Folge waren sechs Messerstiche in Bauch und Brust des Opfers. Anwohner in Münster hatten die Polizei verständigt, die den schwerverletzten Mann im Vorgarten liegend vorgefunden hatte. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen verstarb er später im Krankenhaus. In dem Verhör-Video der Polizei gab der Angeklagte an, dass er das Messer aus Angst um seine Frau mit nach draußen genommen habe. Das Urteil in dem Fall steht noch aus.

Zudem steht in Münster noch ein weiteres Verfahren an: In Münster startet in dem großen Kindesmissbrauchs-Komplex rund um den Hauptverdächtigen Adrian V. nun der Prozess.* Insgesamt fünf Personen sitzen bei diesem Verfahren auf der Anklagebank. Es gibt jedoch weitaus mehr Täter, die gesondert angeklagt wurden. Erst vor wenigen Tagen wurde in Münster gegen einen 27-Jährigen Anklage wegen Kindesmissbrauchs erhoben, wie msl24.de berichtet.* (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netswerks.)

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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