Regierungsvizepräsident lobt Kampfmittelräumer

Marvin Schröder: Dieser 24-Jährige beseitigt ein explosives Erbe

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Marvin Schröder (24) arbeitet als Munitionsräumarbeiter beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe.

Hagen - Knapp vier Jahre nach Ende des Zeiten Weltkrieges übergab die damalige britische Besatzungsmacht am 1. Mai 1949 die Kampfmittelbeseitigung in die Hände deutscher Behörden. Auch nach 70 Jahren bedeutet das: Viel Arbeit und ständiges Risiko.

„Das ist keine Arbeit, die mal eben nebenbei erledigt wird. Es ist ein täglicher, unermüdlicher Einsatz mit ganz hohem Risikopotenzial, der da geleistet wird“, lobte Volker Milk, Vizepräsident der Bezirksregierung Arnsberg, seine Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe. 

Der anhaltende Boom im Straßen- und Wohnungsbau sorge laut Milk fortlaufend für einen Anstieg der Einsatzzahlen: „Im Jahr 2018 gab es eine Steigerung von 100 Prozent. Insgesamt gab es 13.500 Anträge auf Luftbildauswertung in den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster.“

Volker Milk, Vizepräsident der Bezirksregierung Arnsberg.

Der Regierungsvizepräsident mahnte: „Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende wurden allein im Jahr 2018 2811 Bomben unschädlich gemacht. Wenn man den großen finanziellen Aufwand und das hohe persönliche Risiko bei der Entschärfung beachtet, dann glaube ich, gibt es wenig Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines vereinten Europas“, und nahm damit Bezug auf den nunmehr knapp 74-jährigen Frieden seit Ende des zweiten Weltkrieges.

Aufklärungsflüge der Alliierten bringen 130.000 Luftbilder

Von den 13.500 Auswertungen konnten 6500 mit Hilfe von rund 130.000 Luftbildern, die während des Kriegs im Rahmen von Aufklärungsflügen der Alliierten angefertigt worden waren, als unbedenklich bewertet werden. „Ohne die Baustelle zu betreten, konnte das Bauvorhaben freigegeben werden.“

7000 Belastungen entdeckt

Doch: Bei 7000 Überprüfungen wurden Kampfmittelbelastungen entdeckt. „Das sind nicht nur Bomben, sondern beispielsweise auch alte Laufgräben, in denen Bodenkämpfe stattgefunden haben. Diese müssen bis zum Ausgraben und Entschärfen des jeweiligen Kampfmittels weiter bearbeitet werden.“ 

Das ist unter anderem die Aufgabe von Marvin Schröder. Der 24-Jährige ist Munitionsräumarbeiter und assistiert bei einer Entschärfung seinem Truppführer, der den Zünder letztlich unschädlich macht. Bei rund 20 Bombenentschärfungen war der Hagener, der ursprünglich eine Tischlerlehre absolviert hatte, bereits dabei. „Hinzu kommen etliche Einsätze, bei denen Kleinmunition entweder kontrolliert gesprengt werden musste, oder abtransportiert werden konnte.“

Mit seinem Truppführer entschärfte Marvin Schröder bereits mehrere Bomben.

Einen Traumeinsatz gebe es in seinen Augen nicht. Doch eine Bombenentschärfung in Haltern am See ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir mussten eine zehn Zentner schwere Bombe aus der Lippe bergen. Dabei wurden wir von der DLRG und der Feuerwehr unterstützt, das hat wirklich Spaß gemacht. Zum Glück war es warm, wir mussten mit unserer Einsatzkleidung in der Lippe arbeiten.“

Nicht nur Bomben, auch sogenannte Kleinmunition, wird vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft und entsorgt.

Vor allem bei seiner Freundin sorgte sein ungewöhnlicher Beruf zunächst für Verwunderung: „Sie konnte das erst gar nicht glauben, als wir uns kennenlernten. Sie dachte, ich würde sie veräppeln.“

So bewies er seiner Freundin, was sein Beruf ist

Erst durch Fotos, die Marvin Schröder in Einsatzkleidung an einer Baustelle zeigen, sei sie überzeugt gewesen und stehe nun vollkommen hinter ihm. „Sie sagt mir nur regelmäßig, dass ich bloß auf mich aufpassen solle.“ 

Die Antwort laute stets: „,Ich tue was ich kann.’ Wir hängen ja auch an unserem Leben und machen nichts Unüberlegtes.“

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Quelle: wa.de

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