Baustelle NRW - Teil 2

Lagebericht Straßen: Bauwut gegen Bröselpisten

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Eines der größten Straßenbauprojekte im Land: Die Lennetalbrücke der Sauerlandlinie bei Hagen wird komplett erneuert.

Düsseldorf - Bröckelnde Brücken, Schlaglochpisten und Dauerstau: Autofahren in Nordrhein-Westfalen ist kein Spaß. Kürzlich meldete der ADAC einen neuen Stau-Rekord: Auf den mehr als 2200 Autobahn-Kilometern in NRW zählte der Autofahrerklub 2016 rund 218.000 Staus – das sind fast 20 Prozent mehr als 2015. Die Straßen, auf denen man so viel herumsteht, zerbröseln unter den Reifen. Und die Politik? Was tut die?

Nach Jahren des Stillstands darf man sowohl den Verkehrspolitikern des Bundes als auch des Landes bescheinigen: Sie tun was – was natürlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Kassen für Verkehrsprojekte prall gefüllt sind. Geld für Sanierung und Ausbau des völlig überlasteten Fernstraßennetzes ist da – und es wird gebaut, wie seit Jahren nicht. 

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat denn auch in dieser Legislaturperiode ein „Jahrzehnt der Baustellen“ angekündigt. Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass das Geld vom Bund (der bezahlt den Autobahnbau) auch tatsächlich in Bauprojekte fließen kann, hat die Landespolitik erkannt: Wer bauen will, muss vorher planen. 

Geld floss an NRW vorbei

Jahrelang waren im für die Planung zuständigen Landesbetrieb Straßen.NRW Stellen abgebaut worden – erst von der schwarz-gelben, später auch von der rot-grünen Landesregierung. Die Folge: Milliarden aus dem Etat des Bundes flossen an NRW vorbei, weil hier die baureifen Projekte fehlten. Mittlerweile hat Düsseldorf diesen Trend erkannt, die Zahl der Planer beim Landesbetrieb erhöht und baut überdies auch auf externe Fachkräfte. 

Lesen Sie hier Teil 1: Lagebericht Schienen

2014 ist das Land als Gesellschafter der „Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“ (Deges) beigetreten. Die ursprünglich vom Bund und den fünf neuen Bundesländern gegründete Gesellschaft unterstützt Straßen.NRW als Partner und deckt Auftragsspitzen ab. Und zu tun gibt es gigantisch viel: Der über alle Erwartungen hinaus gestiegene Schwerlastverkehr hat dem Straßennetz schwer zugesetzt. 

Marode Brücken kosten

Speziell die Brücken haben gelitten. Vor allem bei den vielen Brücken aus den 60er und 70er Jahren besteht Handlungsbedarf. Experten schätzen die Kosten hierfür auf gut fünf Milliarden Euro. Ein großer Teil davon wird in die Sauerlandlinie fließen – die „Königin der Autobahnen“ wird zur königlichen Herausforderung für die Straßenbauer: 38 große Brücken müssen erneuert werden, die Strecke wird bis zur Hessen-Grenze sechsstreifig ausgebaut. Der Preis dafür ist auch königlich: Bis 2032 sollen hier rund zwei Milliarden Euro verbaut werden. 

Bei aller Einigkeit über die Notwendigkeit des Bauens gibt es in der Politik indes Streit um das „Wie“. Die Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), für einen schnelleren Autobahnausbau verstärkt private Anleger zu gewinnen, stoßen in NRW auf Ablehnung. Gar nichts hält Landesminister Groschek von Plänen, Autobahnen zu privatisieren: „Straßen und Autobahnen müssen im Besitz des Bundes bleiben.“

Hier finden Sie die Positionen der Parteien zur Infrastruktur

Quelle: wa.de

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