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Karnevalisten trotzen dem Sturm: Rosenmontagszüge am Rhein

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NRW - Erst mussten die Narren bangen, dann rollten die Rosenmontagszüge doch noch - jedenfalls in den Hochburgen. Die beliebteste Zielscheibe des Spotts war einmal mehr der Mann mit der sehr blonden Haartolle.

Die Narren haben an Rosenmontag Sturmtief "Bennet" die Stirn geboten. Trotz heftiger Böen und Regenschauern bahnten sich die Karnevalszüge in den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf ihre Wege durch die Städte - in leicht abgespeckter Form. So verzichteten die Karnevalisten in allen drei Städten auf Pferde. Andernorts wurden Züge abgesagt.

Die beliebteste Zielscheibe der Narren war - wieder einmal - der Mann mit der sehr blonden Haartolle. In Düsseldorf hielt US-Präsident Donald Trump als "Schmutzengel" seine schützenden Hände über den saudischen Prinzen Mohammed bin Salman mit einer bluttriefenden Kettensäge - eine Anspielung auf die Ermordung des saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi.

Die Mainzer zeigten Trump als klimavergiftendes Rindvieh, die Kölner als Golfspieler, der Klimaabkommen und Iran-Deal wegschießt. Als besonders politisch und provokant erwiesen sich einmal mehr die Düsseldorfer Wagen von Jacques Tilly. Der rote Faden bei ihm war diesmal das Thema Rechtspopulismus - etwa in Italien, Polen und nicht zuletzt in Deutschland.

AfD-Mann Höcke als Goebbels-Kind

So zeigte ein bis zuletzt geheim gehaltener Wagen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Höcke war als Baby in Windeln dargestellt, Goebbels hielt ihn in die Höhe wie ein Vater seinen Sohn. Das Motiv wurde bis zum Start unter einer Plane versteckt. Natürlich bekam auch die Bundespolitik ihr Fett weg: Der SPD-Dampfer lief in Köln auf den Eisberg "Groko" auf, ein Bild von Kanzlerin Angela Merkel wurde geschreddert.

Im Düsseldorfer Zug war Merkel erstmals seit 2005 nicht mehr mit dabei. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte erst am Montagmorgen endgültig entschieden, dass alle großen Motivwagen mitfahren konnten. Die Düsseldorfer zitterten bis mittags, denn bei ihnen gilt für den Zug eine feste Grenze von Windstärke 7 - mehr darf nicht sein. In mehreren Städten wurden Karnevalszüge abgesagt, so in Bottrop und Hattingen im Ruhrgebiet.

Viele Züge starten später

In vielen anderen Städten begannen die Züge später, so auch in Düsseldorf. Wie stark der Sturm war, konnte man in der Landeshauptstadt sehen, wo die Böen das komplette Flachdach eines Mehrfamilienhauses anhoben. Zahlreiche Bäume wurden umgeweht. In Ochtrup im Münsterland fiel ein Baum auf ein fahrendes Auto und tötete den 37 Jahre alten Fahrer. An mehreren Bahnstrecken stürzten Bäume auf Oberleitungen und verursachten stundenlange Streckensperrungen.

Auf der Autobahn 4 bei Kerpen stürzte ein Baum auf die Fahrbahn: Zwei Lastwagen und zwei Autos wurden stark beschädigt, verletzt wurde niemand. In Bochum fiel ein Baum auf zwei fahrende Wagen - die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Die mit 99 Stundenkilometern stärkste Böe registrierte der Deutsche Wetterdienst am Montag in Haaren (Kreis Paderborn).

Dies entspricht Windstärke 10 ("schwerer Sturm"). Die Düsseldorfer gingen von ungefähr 600.000 Besuchern beim Rosenmontagszug aus. In Köln hieß es, der Zulauf sei höher als im vergangenen Jahr, eine seriöse Schätzung sei aber unmöglich. Die Stimmung war ausgelassen, zwischen Sturmböen und Regenschauern kam sogar ab und zu die Sonne durch. Ob es stürme oder regne, sei letztlich aber auch egal, sagte Moderator Kai Pflaume, der erstmals im Kölner Zug mitfuhr: "Köln feiert bei jedem Wetter." - dpa

Quelle: wa.de

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