"Kultur in Australien pflegen"

Hammerin gründet "deutschen" Kindergarten in Australien - diese Hürden meisterte sie dabei

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Steffi Knippenkötter auf Heimatbesuch in Hamm: Zusammen mit ihrem australischen Mann Chris und weiteren Mitstreiterinnen hat die Hammerin für Grace (rechts) und Elaine sowie andere Kinder mit deutschem Hintergrund in Melbourne eine Kita ins Leben gerufen.

Seit acht Jahren lebt Steffi Knippenkötter in Australien. Als Mutter zweier Kinder ist ihr daran gelegen, dass ihre Mädchen zweisprachig aufwachsen und viel über ihr Heimatland lernen. Damit ist sie in Melbourne nicht alleine und hat mit anderen Familien eine deutschsprachige Kindergartengruppe ins Leben gerufen – allen bürokratischen Hürden zum Trotz.

Hamm/Melbourne – Eigentlich klingt es ganz simpel: Man nehme ein Dutzend Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, suche sich eine Erzieherin und einen Raum und beginne mit der Kinderbetreuung. Doch was in Deutschland nicht ganz so einfach ist, erweist sich auch am anderen Ende der Welt als denkbar kompliziert. 

Davon können Steffi Knippenkötter und ihre Mitstreiterinnen in Melbourne in Australien ein Lied singen. Am Ende aber haben sich unzählige Mails, Gespräche und Stunden der Internetrecherche ausgezahlt. Im Februar dieses Jahres ging der Kindergarten DerDieDas im Südwesten der Stadt an den Start.

"Ein Anfang ist damit gemacht"

„Zunächst zwar nur mit vier Stunden pro Woche. Ein Anfang ist damit aber gemacht“, sagt die 37-Jährige nicht ohne Stolz. Denn tatsächlich war der Weg von der Idee einiger Familien einer deutschen Spielgruppe bis zur ersten Kindergartenstunde lang und nicht immer ganz einfach. „Unser Ziel ist es, die deutsche Sprache und Kultur in Australien zu pflegen und an unsere Kinder weiter zu geben“, sagt die zweifache Mutter. 

Sie ist seit acht Jahren in Australien zu Hause und findet es für sich und ihre Kinder „wichtig zu wissen, wo man herkommt, und die Sprache ist eben ein Teil davon.“ So wachsen ihre beiden Mädchen Grace (3) und Elaine (1) zweisprachig auf. Sie selbst redet mit den Kindern ausschließlich auf Deutsch, der Vater Chris auf Englisch. Um ihnen zudem ein Umfeld zu bieten, in dem sie mit Gleichaltrigen Deutsch sprechen können, nahmen die Elternpaare das Projekt Kindergarten in Angriff.

„Dass das allerdings so kompliziert werden würde, haben wir nicht gedacht“, sagt Knippenkötter rückblickend. Dabei waren die ersten Schritte noch ein Selbstläufer. Die Kindergarten-Idee machte in der deutschen Gemeinschaft der Stadt schnell die Runde. „Wir hatten ruckzuck mehr als 20 Familien, die Interesse bekundet haben“, sagt die Mutter. Ein Raum war ebenfalls zügig gefunden, und auch eine deutschsprachige Erzieherin mit australischer Ausbildung sofort Feuer und Flamme. 

„DerDieDas“ im Vereinsregister 

Doch um den Raum mieten und eine Versicherung für den Kindergartenbetrieb abschließen zu können, musste ein Verein her. Wenig später war „DerDieDas“ ins australische Vereinsregister eingetragen. Am Ziel waren die Initiatorinnen damit aber noch immer nicht. Denn was fehlte, war eine Lizenz. Und die gibt es in Australien nur, wenn der Verein mindestens eine zweite qualifizierte Kraft eingestellt hätte. „Und zwar eine, mit einer australischen Ausbildung. Die deutsche wird nicht anerkannt“, sagt Knippenkötter. 

Wie ein Ausflug nach Deutschland: In der Kita DerDieDas in Melbournes Südwesten wird Deutsch gesprochen. Auch wenn zum Start noch einige Bücher auf englisch waren, „The very hungry caterpillar“ spielt in den Gruppenstunden keine Rolle. Hier hat „Die kleine Raupe Nimmersatt“ das Sagen.

Eine Aufgabe, die sich als unlösbar herausstellte. Zumal die gesuchte Erzieherin auch noch fließend Deutsch hätte sprechen müssen und nur vier Wochenstunden Arbeit bekommen hätte. Mit einem Kunstgriff brachte DerDieDas die Gruppe aber dennoch an den Start. Der Verein holte Eltern zu den Kindergartenstunden dazu. So war der Betrieb rechtlich einwandfrei: Mit zwölf Mädchen und Jungen startete DerDieDas schließlich am 11. Februar – nur sechs Monate nach dem ersten Brainstorming – in das Kindergartensemester. „Wir sprechen ausschließlich Deutsch, die Spiele sind auf Deutsch, die Lieder, die wir singen – einfach alles“, sagt die Hammerin. 

Einige wollen gar nicht mehr zurück

Und das verfehlt nicht die erhoffte Wirkung. „Eltern berichten uns, dass ihre Kinder nach den Kindergartentagen mehr Deutsch sprechen und deutsche Lieder singen.“ Einige wollen nach dem halben Tag bei DerDieDas nicht einmal mehr in ihre regulären Einrichtungen zurück. Dass der Sprachkindergarten wirkt, beobachtet Knippenkötter auch bei ihrer Großen, Grace. Nicht nur, dass sie beim Heimatbesuch in Deutschland ihre deutsche Familie versteht, sie fordert ihren Vater Chris bei den Gute-Nacht-Geschichten sogar dazu auf, „wie Mummy zu lesen“. 

Suche nach Sponsoren 

In Melbourne steht inzwischen das dritte Kindergarten-Semester an. Zufrieden geben mit dem Status-Quo wollen sich die Mütter und Väter von DerDieDas nicht. Und dafür strecken Knippenkötter und ihre Mitstreiterinnen praktisch ständig die Fühler aus – unter anderem, um Fördergelder zu bekommen oder Sponsoren zu gewinnen, um zum Beispiel die Stundenzahl aufzustocken. „Unser langfristiges Ziel ist es zudem, weniger Eltern im Gruppenraum zu haben“, sagt Knippenkötter. Dafür bedarf es aber eines ausgiebigen Studiums der rechtlichen Bestimmungen für den Kindergartenbetrieb in Australien. 

Und genau damit verbringt Steffi Knippenkötter, die als Raumplanerin bei der Stadt Melbourne angestellt ist, aktuell ihre Feierabende. Immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Beste für den Kindergarten heraus zu holen. Und einen Schritt weiter denkt Steffi Knippenkötter dabei auch schon: Ein Schulprogramm, das den DerDieDas-Kindern auch in der Grundschule das Deutsche näher bringen soll, nimmt in ihrem Kopf bereits Form an. „Alles als eine Investition in die Zukunft unserer Kinder.“

Quelle: wa.de

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