Ein Stück Freiheit 

Alle Hafträume der JVA Werl erhalten Telefonanschluss

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Werl - „Funk-Zellen“ der ganz besonderen Art: In der Justizvollzugsanstalt Werl sollen alle Hafträume mit Telefonanschlüssen versehen werden. Das bestätigt die JVA auf Anfrage. 

Man folge damit einem Auftrag des NRW-Justizministeriums, das die Haftanstalten des Landes mit der Prüfung der Möglichkeit der Umsetzung beauftragt hatte. Mehr Privatsphäre, weniger Personaleinsatz – das ist die Folge. Bislang müssen die rund 900 Häftlinge Anträge schreiben, wenn sie telefonieren wollen. Dann werden sie in ein Abteilungsbüro mit Telefonschluss gebracht und können telefonieren – im Beisein eines Bediensteten. Das sei sehr personalintensiv – und auch nicht gerade eine geschützte Privatsphäre. All das ändert sich, wenn nun die Anschlüsse in den Zellen kommen. 

Es gibt allerdings Sicherheitsauflagen, die beachtet werden müssen, sagt Markus Artmann, Leiter der Haushaltsabteilung der JVA Werl. So müssen Insassen ihre „Geeignetheit“ unter Beweis stellen, dass sie überhaupt telefonieren dürfen. Das treffe aber auf die Mehrheit der Häftlinge zu. Zudem wird es eine so genannte „Weißliste“ geben mit Nummern, die freigeschaltet werden. Denn ein Telefon in der Zelle bedeutet nicht, dass jede Nummer angewählt werden kann. 

Gesperrte Nummern kommen auf die "Schwarzliste" 

Zudem gibt es eine „Schwarzliste“ mit gesperrten Nummern. Sicher werde man auch die technische Machbarkeit haben, Gespräche mitzuhören. Dann aber, so Markus Artmann, werde man die Häftlinge darauf hinweisen. Ansonsten sollen sie ungestört jederzeit telefonieren können. Es gebe auch die Alternative der „Flurtelefone“, aber davon habe man Abstand genommen, weil genau dieser Aspekt der Privatsphäre nicht gewährleistet sei. 

Grundsätzlich, so Artmann, wolle man den Häftlingen den wortwörtlichen „Draht zur Außenwelt“ erhalten. Denn der ist ein wichtiger Aspekt für den Fall, dass Insassen in die Freiheit entlassen werden. Kontakte nach „draußen“ gelten als entscheidender Faktor für die Resozialisation. Bis zum Jahresende werde man wissen, welcher Anbieter den Zuschlag für die Dienstleistungskonzession bekommt, Er wird auch die nötigen Anschlussarbeiten in der JVA durchführen. 

Der Steuerzahler muss dafür nicht blechen

Auf den Steuerzahler kommen keine Kosten zu. Man gehe davon aus, dass über die Hälfte der Häftlinge die Möglichkeit nutzen werden, die kostenpflichtige Leitung in ihre Zelle freizuschalten. In jeder Zelle, auch in den Gemeinschaftzellen, wird es dann mindestens einen Telefonanschluss geben. Anfangen wird man mit der Umrüstung im Haus 2 mit dem pädagogischen Zentrum, dann sollen die anderen Strafbereiche erschlossen werden. 

Bis Ende 2018 sollte die Gesamtmaßnahme umgesetzt sein. In der Sicherungsverwahrung gibt es die Telefonanschlüsse in den Räumen der Untergebachten schon. Handys bleiben nach wie vor verboten. In der JVA Werl dürfen weder Insassen, noch Bedienstete Handys nutzen. Diensthandys der Bediensteten kommen nur außerhalb der Anstalt zum Einsatz.

Quelle: wa.de

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