Tour durch Corona vermasselt

Giant Rooks verwandeln Stream-Konzert in "livehaftiges" Erlebnis - Chancen auf zweites Album?

Stream statt Zuschauermassen: Die Giant Rooks traten im Tempodrom auf. Zuschauen konnte das Publikum per Livestream.
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Stream statt Zuschauermassen: Die Giant Rooks traten im Tempodrom auf. Zuschauen konnte das Publikum per Livestream.

Die Giant Rooks meldeten sich am Freitag mit einem furiosen Konzert-Abend im Berliner Tempodrom zurück auf den Bühnen. Neben einigen handverlesenen Zuschauern vor Ort erlebten zahlreiche Fans weltweit das Event auf der heimischen Couch.

  • Zum Album-Release "Rookery" haben die Giant Rooks ein Konzert gespielt
  • Die Band aus Hamm trat unter Corona-Bedingungen auf - alleine im Tempodrom in Berlin und für die Zuschauer per Stream schaubar.
  • Dabei machten die Band-Mitglieder Hoffnung auf das zweite Album.

Berlin/Hamm –  Der Release-Gig zum Erstlingswerk„Rookery“ der Giant Rooks wurde von ZART.tv gestreamt und transportierte vor allem eins in die Wohnzimmer: geballte Emotionen. Corona hatte die junge Band an ihrem ersten Höhepunkt der Karriere ausgebremst und den Musikern buchstäblich die Tour vermasselt. Nun spielten sie, als ob sie nie wieder aufhören wollten.

Wie ein Zeremonienmeister hob Sänger Frederik „Fred“ Rabe die Arme, stimmte die ersten Takte von „The Birth of Worlds“ an. Beschwörend klang die markante Stimme bevor der Song förmlich explodierte. Finn Thomas (Drums), Luca Göttner (Bass), Finn Schwieters (Gitarre) und Jonathan Wischniowski (Piano/Synthesizer) gaben Gas und der treibende Sounds wirkte wie ein Startschuss: Rabe hüpfte und wirbelte wie ein Derwisch über die Bühne. Giant Rooks hat man nie bewegungsarm erlebt, aber an diesem Abend wirkte es, als müsste der Überdruck raus nach Wochen der Ungewissheit, wie es mit der Konzertkultur weitergeht. 

Giant Rooks aus Hamm: Konzert im Tempodrom ohne Zuschauer aber mit Stream 

Eine „krass aufregende Sache“ sei der Live-Stream, sagte Rabe. „Krass“ war eines der Worte, die er an diesem Abend noch häufig benutzen sollte. Ein weiteres war „Dankeschön“. „Es ist für uns ein sehr, sehr intensiver Tag – vielen, vielen Dank, dass ihr euch ein Ticket gekauft habt“, richtete der Sänger seinen Dank vor allem auch an jene, die 15 Euro investiert hatten, um sich in den Stream klicken zu können.

Möglicherweise, so sagte Rabe, handele es sich um den wichtigsten Tag im bisherigen Leben der Band. Es war auf jeden Fall ein Abend, an dem die international erfolgreiche Formation Neuland betrat – und das tat sie souverän, mit viel Charme und Witz und bewies auf wunderbar erfrischende Weise Entertainer-Qualitäten.

Konzert im Stream: Giant Rooks bringen Live-Stimmung nach Hause

Wenn Rabe strahlte, als ob am Weihnachtsbaum die Kerzen angehen, Schwieters lachend die Nase kraus zog und sich auf den Boden warf, der konzentriert werkelnde Thomas unvermittelt der Kamera die Zunge rausstreckte, Wischniowski an den Tasten aus voller Kehle mitsang und sich von der eigenen Musik mitreißen ließ und Luca Göttner mit dem Bass auf die Bandkollegen anlegte, dann übertrug sich diese fröhliche Ausgelassenheit und machte das Konzert auch für jene, die es am PC verfolgten, enorm emotional und livehaftig.

Das Bühnenbild zeigte eine Pyramiden-Skyline, über der Wolken, Sterne und Planeten ihre Bahnen zogen. Unerschütterlich durch weltliche Katastrophen. Passend sowohl zur Corona-Krise als auch zu den tiefgründig-poetischen Texten. Die Ambivalenz, die sich ergab, wenn man in die strahlenden Gesichter der jungen Männer schaute, aus denen spätesten ab dem dritten Song „Bright Lies“ die Anspannung gewichen war, hielt man gerne aus. 

Mit jedem Song wurde die Stimmung auf der Bühne lockerer. Immer wieder versuchte Rabe eine Brücke zum Publikum an den heimischen Bildschirme zu schlagen: „Vielleicht sagt ihr ja ,Hallo‘ und ich sag ,Hallo zurück'.“ Als Rabe die Frage stellte, ob denn wohl schon jemand die Möglichkeit gehabt habe, ins Album reinzuhören, saß ihm der Schalk im Nacken, und das Jubeln der Fans vor Ort war ihm sicher.

Die Giant Rooks wissen, was ihr Publikum liebt und mischt das Material ihres ersten Albums mit älteren Hits wie „New Estate“ oder „Mia & Keira (Days to Come)“. Rabes herzlicher Dialog mit dem Publikum förderte sogar eine Anekdote zu dem Song „Very soon you'll see“ zutage – entstanden sei er, weil man sich während eines Hotel-Aufenthaltes in Köln einen Schlüsselbund zugeworfen, den Rhythmus verändert und schließlich darauf den Song aufgebaut habe, berichtete Rabe.

Stream statt Zuschauermassen: Die Giant Rooks traten im Tempodrom auf. Zuschauen konnte das Publikum per Livestream.

Konzerte und Corona: Giant Rooks haben "Mega-Bock noch ein zweites Album zu schreiben"

Ganz ohne Zwischenfälle sollte es an diesem Abend nicht abgehen, wenngleich sie glimpflich ausfielen: Wenige Minuten vor einem Gänsehaut-Solo in „What I know is all quicksand“ lachten sich Rabe und Schwieters krümelig über einen vermeintlich ausgelösten Feueralarm. Und kurz vor der Zugaben-Zielgeraden wurde eine Reparatur am Schlagzeug erforderlich, bevor es mit „King Thinking“ weitergehen konnte.

Das Fazit der Giant Rooks könnte besser kaum ausfallen: „Es war ein supertoller Abend, wir haben es richtig genossen.... Corona-konform, aber es hat geklappt.“ Und die Ansage „Wir haben Mega-Bock noch ein zweites Album zu schreiben“ darf wohl durchaus als Versprechen und Ankündigung verstanden werden.

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