Verträge unterzeichnet

Freizeitunternehmen gerettet: Investor für Kettler gefunden

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Werl/Ense - Das Freizeitunternehmen Kettler ist gerettet: Die „Lafayette Mittelstand Capital“ steigt als Investor in die insolvente Firma ein. Nach langem Ringen am Mittwochabend wurde am Donnerstag ein Kaufvertrag, der die Marken- und Lizenzrechte mit umfasst, unterzeichnet. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen.

Es ist die Nachricht, auf die die Beschäftigten der Kettler GmbH lange warten mussten: 500 Arbeitsplätze am Stammsitz in Ense-Parsit und in den beiden Werler Produktionswerken bleiben erhalten. Sie gehen auf die neue Kettler Gruppe über. 

Lafayette übernimmt die Vermögenswerte des Freizeitartiklers mit den Sparten Gartenmöbel, Sport- und Fitnessgeräte sowie dem seit 1961 produzierten Kettcar. Kettler, 1949 gegründet, hat einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro. Für 216 Beschäftigte kommt gleichwohl das Aus: Ihnen war vor einigen Tagen zum Februar 2019 gekündigt und der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten worden

Zitterpartie beendet

Gut 170 sollen den Wechsel vollziehen, hieß es am Donnerstag. Der Personalabbau hatte als Bestandteil einer Neuausrichtung gegolten. Die Kettler-Mitarbeiter wurden am Donnerstagmittag über den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen informiert. Damit endet eine monatelange Zitterpartie, in der das Schicksal des Hauses am seidenen Faden hing. Vor gut vier Wochen galt das Aus des Unternehmens schon besiegelt, als Geld zur Überbrückung fehlte, sich die Heinz-Kettler-Stiftung aber weigerte, Geld dafür locker zu machen. 

Nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist bewegte sich die Stiftung nach dem Einschreiten der Stiftungsaufsicht samt Entlassung des Kuratoriums doch noch – und machte einen Millionenbetrag zur Zwischenfinanzierung frei. Gerettet war Kettler da aber noch nicht. Das war nur möglich durch den Einstieg eines Investors, der die Sanierung des Unternehmens fortführt – mit frischem Geld.

Dabei geisterte der Name „Lafayette Mittelstand Capital“ seit Wochen durch die Werkshallen. Lafayette, in Deutschland mit Frankfurter Adresse, aber auch mit Sitz in Luxemburg, investiert nach eigenen Angaben „in Firmen an Wendepunkten“ mit langfristigem Eigenkapital. Am „Wendepunkt“ befand sich Kettler spätestens mit der zweiten Insolvenzanmeldung binnen kurzer Zeit. Zu den Kriterien einer Investition gehöre ein Betriebsergebnis, das „negativ bis leicht positiv“ ist. 

"Kettler passt gut zu Beteiligungsphilosophie"

„Gerade in Umbruchsituationen beteiligen wir uns seit zehn Jahren an mittelständischen Unternehmen mit besonderem Wachstumspotenzial“, erläutert ein Sprecher der Lafayette Capital. „Kettler, 2007 zur ‚Marke des Jahrhunderts‘ gekürt, passt gut zu unserer Beteiligungsphilosophie.“ Dementsprechend wolle man gemeinsam mit dem Management, angeführt von Olaf Bierhoff, „die Kurve von der Traditions- zur Trendmarke kriegen“. 

Man habe nun eine Lösung mit der Chance, sich „erstmals nach langer Zeit wieder auf Wachstum und der Dienstleistung für Kunden und Händler fokussieren zu können“, so Olaf Bierhoff, designitierter Geschäftsführer der neuen Kettler Gruppe. Der Kaufvertrag stehe noch unter Gremienvorbehalt und weiteren Bedingungen. Diese müssen noch 2018 erfüllt werden, damit der Kaufvertrag rechtswirksam wird.

Quelle: wa.de

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