Nach Einsatz wegen Ruhestörung 

"Das war barbarisch": Polizei Essen soll brutal gegen Familie agiert haben - Video veröffentlicht

In Essen ist am Samstag ein Einsatz der Polizei eskaliert. Jetzt gibt es gegenseitige Schuldzuweisungen. Eine Familie spricht von Polizeigewalt und Hass.

  • Ein Polizeieinsatz in Essen aufgrund von Ruhestörung ist am vergangenen Samstag (25. April) eskaliert.
  • Nun steht der Vorwurf der Polizeigewalt im Raum - ein 23-jähriger Mann veröffentlichte ein Video bei Instagram
  • Die Polizei Bochum hat die Ermittlungen zur mutmaßlichen Polizeigewalt übernommen.

Essen - Ein vermeintlich harmloser Polizeieinsatz aufgrund von Ruhestörung ist in Essen im Stadtteil Bochold eskaliert, wie RUHR24.de* berichtet. Ein Mann erhebt nun in einem veröffentlichten Instagram-Video schwere Vorwürfe. Die Polizei Bochum ermittelt inzwischen gegen die eigenen Kollegen wegen mutmaßlicher Polizeigewalt (alle Artikel aus dem Ressort Ruhrgebiet bei RUHR24.de*).

Polizeigewalt in Essen: Einsatz wegen Ruhestörung eskaliert - Mann erhebt bei Instagram Vorwürfe

Was war passiert? Am Montag (27. April) veröffentlichte die Polizei Essen eine offizielle Pressemitteilung zu einem Polizeieinsatz, der am vergangenen Samstag (25. April) stattgefunden hat. 

Mutmaßliche Polizeigewalt in Essen. Mann veröffentlicht Video auf Instagram. 

Eine Polizeistreife sei aufgrund einer vermeintlichen Ruhestörung und eines möglichen Verstoßes gegen die Coronavirus-Schutzverordnung in den Essener Stadtteil Bochold gerufen worden. 

Essen: Ruhestörung vor einem Haus - Beteiligte flüchten beim Eintreffen der Polizei

Angeblich hätten sich dort mehrere Personen vor einem Wohnhaus aufgehalten, die beim Eintreffen der Polizisten ins Innere geflüchtet sein sollen. Die Polizisten seien in das Wohnhaus gegangen. Dann sei die Situation eskaliert.

Ein 23-jähriger Mann hätte zunächst die Tür aufgemacht und sie dann beim Anblick der Polizisten zugeschlagen. Die Polizisten hätten das verhindert und wären dann mit Faustschlägen attackiert worden - so zumindest lauten die Angaben in einem Bericht der Polizei Essen.

Ebenfalls attackiert wurde ein Jugendlicher von einem Betrunkenen in einem Bus nach Bochum. Jetzt sucht die Polizei den Täter.

Essen: 23-jähriger Mann attackiert Polizisten mit Faustschlägen

Der 50-jährige Vater sei seinem Sohn zu Hilfe gekommen und hätte die Polizisten ebenfalls mit Schlägen attackiert. Auch vier Frauen im Alter von 21 bis 48 Jahren seien hinzugekommen. 

Aus Sicht der Polizisten hätten sich die in der Wohnung Anwesenden solidarisiert. "Man wollte die Polizisten im wahrsten Sinne des Wortes in die Flucht schlagen", heißt es in der Pressemitteilung.

Essen: Polizisten setzen Pfefferspray und Schlagstöcke ein

Die Polizisten hätten daraufhin Pfefferspray und Schlagstock eingesetzt, um die Gruppe in die Wohnung zu drängen. Zudem seien "zahlreiche Kolleginnen und Kollegen sowie ein Schutzhund" zur Hilfe geeilt, heißt es in der offiziellen Mitteilung der Polizei

Man habe dann für Ruhe gesorgt. Vater und Sohn seien mit angelegten Handfesseln in Gewahrsam genommen worden. Sie hätten sich auf der Wache in Essen-Altenessen beruhigt. 

Polizeigewalt: 23-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe in einem Instagram-Video

Die Polizei Essen* hat gegen den 23-Jährigen und 50-Jährigen ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Das Ordnungsamt prüft zudem, ob ein Verstoß gegen die Coronavirus-Schutzverordnung vorliegt. 

Mutmaßliche Polizeigewalt in Essen. Mann veröffentlicht Video auf Instagram. 

Am Dienstag (28. April) veröffentlichte der 23-Jährige schließlich ein circa zehnminütiges Video bei Instagram, in dem er seine Sicht der Dinge schildert und den Beamten Polizeigewalt vorwirft. 

Polizeigewalt in Essen: Keine Ruhestörung, aber aggressive Polizisten 

Aus Sicht des 23-Jährigen sei es zu keiner Ruhestörung gekommen. Die Polizisten hätten sich Eintritt in die Wohnung verschaffen wollen. Einer der Polizisten hätte ihm die Brille vom Kopf geschlagen und ihn mit Pfefferspray attackiert. 

Sein Vater hätte daraufhin lediglich versucht, seinen Sohn und die Polizisten auseinanderzuhalten. Der 23-Jährige schildert, dass Polizisten ihn zu Boden gedrückt und mit dem Knüppel geschlagen hätten. "Das war barbarisch, mit tiefstem Hass geschlagen", beschreibt der Essener die Szenen in der Nachbetrachtung auf Instagram.

Polizeigewalt in Essen: Schläge gegen 23-Jährigen, widersprüchliche Angaben zu Anwesenden 

Auch nach der Ingewahrsamnahme und im Polizeiauto sei es zu Schlägen gegen den 23-Jährigen und den 50-Jährigen gekommen. Auf der Polizeiwache soll es zudem zu Erniedrigungen gekommen sein. 

Die Polizisten hätten ebenfalls die anwesenden Frauen, unter denen sich eine 16- und 80-Jährige aufgehalten haben soll, mit Schlägen und Pfefferspray attackiert. In dem Instagram-Video zeigt der 23-Jährige seine Verletzungen und die seines Vaters. Es ist nicht der erste Vorwurf von vermeintlicher Polizeigewalt bei der Essener Polizei - im Dezember 2019 hat eine dunkelhäutige Familie Beamten rassistische Gewalt* vorgeworfen. 

Polizei Essen reagiert: Strafverfahren gegen eigene Beamten eingeleitet

Am Dienstag (28. April) veröffentlichte die Polizei Essen eine weitere Pressemitteilung, in der noch einmal der Einsatz vom vergangenen Samstag geschildert wurde. 

Zudem hat die Polizei Essen - ein Randalierer hustete vorsätzlich zwei Beamte der Bundespolizei an - routinemäßig ein Strafverfahren gegen die beteiligten Polizeibeamten eingeleitet. Die Polizei Bochum prüft nun die erhobenen Vorwürfe der Polizeigewalt. Doch wie geht es jetzt weiter?

Polizei Bochum hat die Ermittlungen übernommen - Strafverfahren gegen Vater und Sohn bleibt in Essen

"Im Gesamtkontext wird jetzt die Polizei Bochum ein mögliches Fehlverhalten der Essener Beamten untersuchen", sagt Pressesprecher Frank Lemanis von der Bochumer Polizei. Die Polizeibeamten würden in den nächsten Tagen angehört werden und sich auch durch einen Anwalt vertreten lassen können. 

"Es waren eine ganze Menge Beamte vor Ort. Man muss natürlich jetzt schauen, wer eventuell nur draußen stand, wer direkt beteiligt war. Die Ermittlungen werden jetzt Zeit in Anspruch nehmen", sagt Polizeipresssprecher Frank Lemanis gegenüber RUHR24.de. Das Strafverfahren gegen Vater und Sohn wird jedoch weiterhin von der Essener Polizei bearbeitet.

deli

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/privat; Collage: Ruhr24

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare