1300 Polizisten im Ruhrgebiet  Einsatz

Großrazzia gegen Familien-Clans: Das ist die erschreckende Bilanz

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Mit einer großen Razzia im Ruhrgebiet haben die Sicherheitsbehörden am Samstag und Sonntag der Clankriminalität den Kampf angesagt. 

[Update, 17.30 Uhr] Ruhrgebiet - Etwa 1300 Polizisten rückten zeitgleich aus: Mit einer großen Razzia im Ruhrgebiet haben die Sicherheitsbehörden am Samstag und Sonntag der Clankriminalität den Kampf angesagt. Das ist die Bilanz.

Bei der groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität im Ruhrgebiet sind 14 Menschen festgenommen und mehrere Hundert Kilogramm unversteuerter Tabak beschlagnahmt worden. Die Polizei schrieb bei dem nächtlichen Einsatz 100 Strafanzeigen, wie das nordrhein-westfälische Innenministerium am Sonntag mitteilte.

Zehn Waffen wie verbotene Messer und Teleskopschlagstöcke und mehrere Tausend Euro Bargeld seien sichergestellt worden. Das NRW-Innenministerium spricht vom größten Einsatz gegen Clans in dem Bundesland.

Die Ermittlungen richten sichn auch gegen Polizeischüler . Der Kommissaranwärter soll am frühen Sonntagmorgen Widerstand gegen eine Kontrolle in Essen geleistet haben. Gegen ihn wurden laut einer Sprecherin der Polizei eine Strafanzeige sowie disziplinarrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden. 

Der Mann soll mit drei anderen Männern in einem Auto kontrolliert worden sein. Gegen eine Durchsuchung durch seine Kollegen soll er sich massiv gewehrt haben und versucht haben, sich loszureißen. Informationen des Westfalenblatt zufolge habe er die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes angezweifelt. Bild berichtete, dass die jungen Männer die Beamten durch Gelächter und herablassende Bemerkungen provoziert hätten.

Razzia: Das ist geschehen

Etwa 1300 Polizisten hatten am Samstagabend und am Sonntagmorgen zeitgleich unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen, Bochum und Gelsenkirchen zugeschlagen, um Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben zu kontrollieren.

Zum Abschluss der Kontrollen am frühen Sonntagmorgen zitierte das Ministerium auf Twitter Ressortchef Herbert Reul (CDU), der bei der Durchsuchung einer Diskothek in Essen dabei gewesen sei: "Diese Nacht hat eine klare Botschaft: Bei uns gilt nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates."

Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden präsentieren am Sonntag die Ergebnisse des Einsatzes. Die Einsatzkräfte haben Betäubungsmittel, unverzollten Tabak und Geld sichergestellt. In Essen wurde ein Mann nach Angaben der dortigen Sicherheitsbehörden mit 9000 Euro festgenommen. Die Beamten stellten das Bargeld sicher, sagte ein Polizeisprecher am Morgen.

"Wir lassen sie nicht in Ruhe - zu keiner Zeit und an keinem Ort"

"Die Razzia liegt voll auf unserer Nulltoleranz-Linie. Diese verfolgen wir sehr konsequent und sehr kontinuierlich. Die kriminellen Clanmitglieder sollen merken, wir lassen sie nicht in Ruhe - zu keiner Zeit und an keinem Ort", sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Beginn der Kontrollen der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

NRW-Innenminister Herbert Reul war bei einer Durchsuchung in Essen dabei.

Die Polizei rückte am Samstagabend um 21.00 Uhr in den Revierstädten aus. Die Beamten wurden von Zoll, Finanzbehörden und Ordnungsamt unterstützt. Zudem gab es Verkehrs- und Personenkontrollen. In Essen wurde laut Polizei eine Person festgenommen. Zudem stellten Beamte unverzollten Tabak sicher. 

Shisha-Bars wurden wegen zu hoher Belastung mit Kohlenmonoxid geschlossen. ""Wir verfolgen konsequent Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die von einzelnen Mitgliedern der 'Familienclans' begangen werden", twitterte die Polizei. Auch in anderen Städten wie Mülheim, Witten und Herne liefen Maßnahmen.

Rund 50 Clans in NRW

Reul hatte die Bekämpfung der Clankriminalität zuletzt als große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden bezeichnet. Das Treiben von rund 50 Clans in NRW besorge ihn "extrem", sagte Reul im Dezember. "Sie erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat."

Die deutsche Polizei geht immer wieder - und zuletzt verstärkt - gegen Clans und Mafia-Organisationen vor. Anfang Dezember hatten Ermittler bei Großrazzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Dabei geht es um Drogenhandel und Geldwäsche.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden nach Behördenangaben damals Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren rund 440 Beamte beteiligt, es gab 14 Festnahmen.

Im vergangenen Juli und August war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien vorgegangen. Beamte durchsuchten Wohnungen und andere Objekte. Es gab vier Festnahmen, wie die Polizei mitteilte. Hintergrund auch dieser Razzia: der Verdacht des Drogenhandels im großen Stil. - dpa

Quelle: wa.de

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