Prozess am Landgericht Bielefeld

Gewaltsamer Tod eines 17-Jährigen – Urteil gegen Täter gefallen

Am Landgericht Bielefeld muss sich ein Mann aus Herford wegen versuchten Mordes verantworten. 
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Am Landgericht Bielefeld musste sich nach dem Tod eines 17-Jährigen ein Mann (19) in einem Prozess verantworten

Am Landgericht Bielefeld musste sich ein Mann (19) wegen mehrerer Taten verantworten. Mit einem Messer tötete er einen 17-Jährigen. Nun fiel das Urteil.

Bielefeld – Die III. große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld hat den 19-jährigen Angeklagten am Montag (19. Januar) zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt. Der junge Mann war unter anderen wegen Totschlags angeklagt worden. Er musste sich aber auch wegen einer ganzen Reihe weiterer Straftaten in einem Prozess verantworten. Vorsätzliche Körperverletzung in zwei Fällen, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln beinhaltete die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Stadt: Bielefeld
Einwohner: 334.195 (31. Dezember 2019)
Bundesland: NRW

Bielefeld: 17-Jährigen an Straßenbahnhaltestelle niedergestochen und tödlich verletzt

Am späten Abend des 30. April 2020 hat der damals 18-Jährige bei einer Auseinandersetzung auf dem Bahnsteig der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilserwegin Bielefeld einen 17-Jährigen mit einem Messer tödlich verletzt*. Die Tatwaffe war ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser. Der Geschädigte P. trug zum Zeitpunkt des Verbrechens eine mit Kordeln versehene Plastiktüte auf dem Rücken. Kurz vor der Tat kam es zu einer kurzen Unterhaltung zwischen dem Täter und dem Opfer.

Worüber die beiden gesprochen hatten, konnten die Kammer am Landgericht in Bielefeld* nicht mehr klären. Nach dem Gespräch forderte der Angeklagte den Geschädigten auf, „ihm seine Sachen zu geben, sonst steche er ihn ab“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung der Behörde. Kurz danach soll der Angeklagte dem Geschädigten zwei Stiche in den Bauchbereich versetzt haben. Der 17-Jährige verblutete und starb. Der genaue Ablauf des Tatgeschehens sowie das Tatmotiv ließen sich im Rahmen der Beweisaufnahme nicht sicher ermitteln. Dem Angeklagten gelang nach der Tötung zunächst die Flucht. Die Polizei Bielefeld konnte ihn jedoch später stellen.

Bielefeld: 19-Jähriger räumt Tat vor Gericht ein – beruft sich jedoch auf Erinnerungslücken

„Der 19-Jährige habe die Taten im Wesentlichen eingeräumt“, bestätigte ein Sprecher am Landgericht Bielefeld in Ostwestfalen*. Bei zwei Vergehen berief er sich jedoch auf Erinnerungslücken. Die Richter der III. großen Strafkammer stützen ihre Feststellungen im Wesentlichen auf die geständige Einlassung des Angeklagten, den Inhalt einer Vielzahl von Zeugenaussagen sowie auf ausgelesene Chatverläufe.

Ein Mordmerkmal stellte das Gericht in Bielefeld jedoch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft hatte dies anderes gesehen. Nach Einschätzung der Behörde lag das Mordmerkmal der „Habgier“ vor. Die Richter entschieden aber anders. „Die Kammer konnte insoweit nicht feststellen, dass der Angeklagte – wie es die Habgier voraussetzt – nach materiellen Gütern um jeden Preis strebte, da der Angeklagte – trotz entsprechender Möglichkeit – keine Gegenstände des Geschädigten mitnahm und auch bei vorangegangenen Taten es dem Angeklagten nicht auf die Beuteerzielung unmittelbar ankam“, heißt es dazu in der offiziellen Pressemitteilung.

Bielefeld: Nach tödlicher Messerattacke – Mann (19) muss ins Gefängnis

Die Kammer wendete bei der Findung des Urteils das Jugendstrafrecht an. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten eine Gefängnisstrafe von neun Jahren und sechs Monaten beantragt. Die Verteidigung hielt sechs Jahre und sechs Monate für Tat und Schuld angemessen. Die Richter in Bielefeld verkündeten nun das Urteil gegen den 19-Jährigen.

Der Angeklagte wurde zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Des Weiteren ordnete die Kammer die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Vor der Unterbringung des Angeklagten in der Entziehungsanstalt sind von der verhängten Freiheitsstrafe ein Jahr und neun Monate vorweg zu vollziehen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ist die Kammer davon überzeugt, dass der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten begangen hat. Gegen das Urteil kann noch Revision eingelegt werden. (*Owl24.de und msl24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

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