Schnupperfliegen an jedem ersten Samstag

Piloten vom Boden aus: Mitglieder des MFC Holtwick bauen eigene Flieger 

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Heino Thies (von links, hintere Reihe), Vorsitzender Ralf Ober, Sascha Stosik, Ralf Brockhoff sowie Ingo Hellenkamp (links, vordere Reihe) und Max Roters treffen sich auf dem Flugplatz.

Holtwick / Osterwick. Selbstgebaute Flugzeuge kreisen regelmäßig über die Bauerschaft Horst in Rosendahl. Manchmal können Zuschauer spektakuläre Loopings beobachten. Gesteuert werden die Flieger vom Boden aus. Denn bei den kleinen Maschinen handelt es sich um Modellflugzeuge. Die Streiflichter haben sich mit Mitgliedern des Modellflugclubs (MFC) Holtwick getroffen. Und eine Übungsstunde begleitet.

Sascha Stosiks Blick ist in Richtung Himmel gerichtet. Ein kleines Segelflugzeug – ein weißes Modell mit gelben und roten Streifen an den Flügeln – ist vor den Wolken gerade noch zu erkennen. Stosiks Hände halten eine Fernsteuerung. Mit Daumen und Zeigefinger bedient der „Pilot“ die Steuerknüppel. Ein sanftes Nach-hinten-Kippen des Knüppels und das Flugzeug wird schneller. Mit den Augen verfolgt Stosik die Maschine und reagiert mit leichten Fingerbewegungen. „Konzentration ist wichtig bei unserem Hobby“, sagt Vereinsvorsitzender Ralf Ober.

Heino Thies hat sein Modellflugzeug selbst gebaut. Nach etwa fünf Monaten war die Propellermaschine fertig.

Der Modellflugplatz des MFC befindet sich an der Kreisstraße 33. Die Fläche, etwa ein Hektar groß, ist angemietet. Jeden Samstag treffen sich hier Modellflug-Begeisterte. Interessierte Laien können sich jeweils am ersten Samstag im Monat (von April bis September) zum kostenlosen „Schnupperfliegen“ anmelden. „Modellfliegen, das ist oftmals Adrenalin bis zum Abwinken“, erklärt Ober. Zum Beispiel dann, wenn eigens gebaute Maschinen – einige von ihnen werden bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell – erstmals den Boden verlassen. „Die Hände der Besitzer zittern dann manchmal vor Aufregung“, weiß der Vorsitzende. Einer, der selbst Modellflugzeuge baut, ist Heino Thies. „CY-U“ steht an seiner in grau und militärgrün lackierten Maschine. Fünf Monate hat er an dem Flugzeug gewerkelt. „Sonst dauert sowas oft erheblich länger“, erklärt Thies. Sein Flugzeug besteht aus Holz. Auch Flieger aus Carbon oder aus einer Schaumwaffel finden sich auf dem Platz. „Früher hatten unsere Modelle fast ausschließlich Verbrennungsmotoren“, beschreibt Ralf Brockhoff. Mittlerweile seien aber fast 90 Prozent der Flieger auf dem Holtwicker Platz mit Elektromotoren ausgestattet. Brockhoff ist einer der Gründer des Modellflugclubs. In seiner Schulzeit schloss er sich mit Freunden zusammen, die seine Leidenschaft teilten. Aus der einstigen Interessengemeinschaft entstand 1983 der Verein. 55 Mitglieder zählt dieser derzeit.

Toll ist an ihrem Hobby die Vielfältigkeit, da sind sich Ober und Brockhoff einig. Modellfliegen vereint technisches Interesse mit sportlichem Ehrgeiz, sagt Ober. Immer wieder müssen die Piloten aber auch Kritik einstecken: Die Flieger vertreiben Vögel und andere Tierarten, lautet beispielsweise ein Vorwurf. Ralf Ober wehrt sich gegen solche Aussagen. Schwalben, Kaninchen und weitere Tiere seien nach wie vor auf und neben dem Modellflugplatz zu sehen, erklärt er. Außerdem halte er sich – genau wie seine Kollegen – an die Regeln. „Wir fliegen zum Beispiel nur so weit, dass sich unsere Flugzeuge noch in Sichtweite befinden.“

Für zukünftige Modellflugstunden wünschen sich die Vereinsmitglieder eine Schutzhütte auf dem Flugplatz. „Wir hätten gerne einen Ort zum Unterstellen“, sagt Ober. Auch die Errichtung eines Toilettenhäuschens stehe auf der Agenda.

Das „Schnupperfliegen“ findet noch bis September an jedem ersten Samstag im Monat statt (im Winter wird in Sporthallen trainiert). Anmeldung per E-Mail an vorstand@mfc-holtwick.com.

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