Unterrichtsausfall en masse? Liebfrauenschüler kämpfen für die Vierzügigkeit ihrer Schule

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Symbolfoto

Nottuln. Auf welche weiterführende Schule schicke ich mein Kind? Eine Frage, die so manchen Eltern von Viertklässler vielleicht um schlaflose Nächte bringt. Denn schließlich möchten sie ihrem Nachwuchs den bestmöglichen Bildungsweg bieten.

Für Nottulner Eltern scheint es bis dato recht einfach, haben sie direkt ein Gymnasium und eine Sekundarschule vor Ort. Letztere ging im August 2012 mit 93 Fünftklässlern an den Start. Da war noch die Fünfzügigkeit ein großes Thema nach dem Motto „Kein Kind bleibt auf der Straße“. Fast acht Jahre später kämpfen Schüler und Eltern darum, dass die Liebfrauenschule als vierzügig eingerichtete Bildungseinrichtung erhalten bleibt. 70 Anmeldungen liegen der Sekundarschule für das Schuljahr 2020/21 vor. Bei rund 25 Schülern pro Klasse und Nachrückern können somit drei Klassen gebildet werden.

Soll dies für künftige Jahrgänge der Liebfrauenschule die Regel werden?

Ja! Der Schulträger, das Bistum Münster und die Gemeinde Nottuln haben sich im Januar dieses Jahres darauf verständigt, die Schule künftig dreizügig zu führen. Eine Geheimverhandlung hätte es laut Dr. Stephan Kronenburg, dem Pressesprecher des Bistums Münsters, nicht gegeben, sondern es sei eine politische Entscheidung der Gemeinde gewesen. „Mit Blick auf bevorstehende Investitionskosten hat die Gemeinde dem Bistum den politischen Wunsch nach Veränderung der vertraglichen Vereinbarung bezüglich des vierten Zugs mitgeteilt“, so Dr. Kronenburg. Aus Sicht des Bistums hätten die vertraglichen Vereinbarungen weiterhin Bestand haben können.

Doch wie sehen die Anmeldezahlen der vergangenen Jahre aus?

Mit 93 Fünftklässlern konnte die Sekundarschule an den Start gehen. 2017/18 waren es 87, Schüler/Eltern, die sich für diese Schulform entschieden. 76 Fünftklässler waren es im Schuljahr 2019/2020 und jetzt 70 für das kommende Schuljahr. Die sinkenden Anmeldezahlen und entsprechende Zurückhaltung sprechen Bände.

Rührt daher die Reaktion der Gemeinde sowie der Ratsvertreter?

Nein! Sowohl die Gemeinde, alle Nottulner Ratsfraktionen und auch dem Bistum ist es daran gelegen, die Liebfrauenschule gemeinsam fortzuführen. Dennoch sei die Gemeinde Nottuln laut Doris Block ihren eigenen Schulen gegenüber verpflichtet. Die Beigeordnete der Gemeinde Nottuln führt die Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen an den vier Grundschulgebäuden an. Ebenso bestünde der Wunsch des Rupert-Neudeck-Gymnasiums, das Schulgebäude an die heute veränderten pädagogischen Unterrichtsstrukturen anzupassen. „Insofern muss die Entscheidung über den Ausbau der Zügigkeit der Sekundarschule auch vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Finanzmittel gesehen werden“, betont Block.

Was befürchten die Schüler und Eltern mit Blick auf die Dreizügigkeit?

Im Wesentlichen geht es darum, dass die Bildung darunter leidet. Denn je weniger Schüler desto weniger Stellen. Die Schüler befürchten, dass Lehrerstellen abgebaut werden. „Dann sind es noch mehr Stunden, die ausfallen“, so Schülersprecherin Rike Allendorf. Sie betont. „Wir wollen Bildung genießen können, um somit auf alles gut vorbereitet zu sein.“ Das bis dato breit gefächerte Angebot sieht auch der Schulleiter Heinrich Willenborg in Gefahr. So sei bei der ganzen Diskussion über die Drei-/Vierzügigkeit die individuelle Förderung der Schüler zu bedenken.

Apropos Bildung: Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?

Dies ist den demonstrierenden Schülern ebenso wichtig. In ihrer jüngsten SV-Sitzung zum aktuellen Thema „Dreizügigkeit“ ging es ihnen nicht nur darum, dass auch ihre Geschwister und andere die Möglichkeit haben, die Sekundarschule zu besuchen, sondern auch darum, dass sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule fahren oder gehen können. „Ein kleiner Klimagrund“, so Schülersprecherin Rike Allendorf.

Wie lässt sich der Konflikt lösen?

Rund 70 Eltern und Jugendliche demonstrierten am 18. Februar vor der Ratssitzung im Gymnasium unter dem Motto „Noch ist der Zug nicht abgefahren“. Im Gepäck hatten sie ihre Petition zum Beibehalt der Vierzügigkeit der Liebfrauenschule. Unterzeichnet war sie von 1 870 Personen. „Es hat einen großen Eindruck gemacht“, so Rike Allendorf.

Wie reagiert die Gemeinde?

Sie beharrt auf die Dreizügigkeit der Liebfrauenschule. „Grundsätzlich können kleine Kommunen wie Nottuln nicht alle Schulformen für die Bürgerschaft zur Verfügung stellen“, so die Beigeordnete. Wer also keinen Platz in der Liebfrauenschule bekommt, muss auf Schulstandorte in den umliegende Kommunen ausweichen. „Letztlich bleibt es immer Elternwille, welche Schulform in welchem Ort gewählt wird“, so Block. In diesem Zusammenhang führt sie an, dass selbst Eltern deren Kinder eine gymnasiale Empfehlung haben, nicht die Bildungseinrichtung vor Ort wählen. Sehnsüchtig warten alle Beteiligten darauf, dass das Schiff Liebfrauenschule wieder in ruhige Gewässer hineinfährt. „Meine Sorge als Schulleiter ist es, eine gesicherte Grundlage zu haben, um arbeiten zu können“, betont Heinrich Willenborg. Am Dienstag, 10 März, tagt der Finanzausschuss der Gemeinde Nottuln. Vielleicht zeichnet sich da eine Lösung ab. Die Eltern und Schüler werden die Sitzung gespannt verfolgen.

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