Aus der Dorfschmiede wurde ein global liefernder Spezialist

Heimann Fahrzeugbau hat Lösungen für logistische Herausforderungen

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Ausnahmsweise mal nahmen für dieses Foto nicht Kinder, sondern Vater Karl und Sohn Hubert Heimann Platz in der restaurierten Stürzkarre.

Nottuln/Region. Mit einem Hubwagen Paletten rampenlos ebenerdig auf die Ladefläche schieben, zum Zielort transportieren und wieder ebenerdig abladen? Sich dadurch einen Gabelstapler sparen? Kein Problem mit den Fahrzeugen, die bei Fahrzeugbau Heimann in Nottuln gefertigt werden. Seien es Anhänger oder Lkw, deren Ladefläche gehoben und gesenkt werden können. Und wenn eine offene oder beplante Ladefläche nicht ausreicht, können auch rundum geschlossene Wechselcontainer zum Heben und Senken bestellt werden. „In diesem Bereich sind wir in Deutschland weitgehend einziger Anbieter“, erklärt Hubert Heimann, seit sieben Jahren Geschäfsführer des Unternehmens.

Auch ins Ausland gehen solche Spezialfahrzeuge. So ist etwa in Salzburg ein Lkw mit Absenkvorrichtung und Ladecontainer mit Türen im Einsatz. „Damit werden dort täglich 27 000 Mittagessen zu den Einrichtungen der Landesklinik gebracht“, erklärt Hubert Heimann. „Schnelle Logistik dank ebenerdigem Be- und Entladen, Wendigkeit und kurzen Wegen. Dafür ist unser City-Hub-Lkw ideal“, so der 41-Jährige. Wenn auch eine der jüngsten Bestellungen aus China kommt, wissen doch viele Kunden in Deutschland die Technik zu schätzen: „Garten- und Landschaftsbauer, Handwerker oder auch kleine Brauereien.“

Vielleicht wird dieses Fahrzeugkonzept auf Dauer noch eine viel größere Rolle spielen – wenn Stadtlogistik mit Blick auf Verkehrsvermeidung, Energiesparen und Kostensenkung neu organisiert wird. „Wir sind mit einigen anderen Firmen an einem Forschungsprojekt beteiligt, das die Europäische Union fördert“, erklärt Hubert Heimann.

Dorfschmiede bis ins Jahr 1843 zurückzuverfolgen

Dass sich das Unternehmen so in einen speziellen Markt hin entwickeln würde, war vor Jahrzehnten noch nicht ausgemacht: „Das Unternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1843 zurückzuverfolgen sind, ist ja ursprünglich eine Dorfschmiede in Darup gewesen“, erklärt Karl Heimann, von 1973 bis 2012 Chef des Unternehmens. „Ich hab noch erlebt, dass wir in der Schmiede Flachstahl gebogen, im Feuer zusammengeschmiedet und diese Stahlreifen heiß auf Holzspeichenräder gezogen haben.“ Daneben wurde viel Hufbeschlag durchgeführt. „Und etliche Aufträge bekamen wir vom Kloster Gerleve. Dafür bauten wir etwa einen Mistaufzug und einen hydraulisch betriebenen Langholz-Greifarm für den Lanz Bulldog des Hofs der Abtei.“

Bis in die 1980er Jahre erstellte das Unternehmen auch Buchten für Sauen- und Abferkelställe sowie Eggen und Löffeleggen, aber auch Reifenspurlockerer, die an Ackerstangen von Traktoren befestigt wurden, die Eggen oder auch Sämaschinen zogen. Zwischenzeitlich bot das Unternehmen Bauern auch Mähdrescher und selbstfahrende Maishäcksler zur Miete an.

Zahnstangen- und Hydraulikkipper

Sowieso stand die Landwirtschaft als Kunde im Zentrum: „In den 1950er Jahren bauten wir beispielsweise zweiachsige Anhänger zum Kippen – erst mit Zahnstangen-Hebetechnik, später mit Hydraulik“, so Karl Heimann. Einen solchen Zahnstangenkipper hat er sich aus der Kundschaft zurückgekauft und restauriert – pünktlich zum 1. September zur „Daruper Landpartie“, bei der neben diesem Zahnstangenkipper auch eine einachsige Heimannsche Stürzkarre aus den 1950er Jahren zu sehen war. „Auch die habe ich zurückgekauft und restauriert“, so Karl Heimann – und die Ladefläche mit zwei Autositzen bestückt. „Schön für Enkel-Ausfahrten“, schmunzelt er.

Hunderte Stürzkarren im Laufe der Zeit gebaut

„Diese Stürzkarren haben wir zu Hunderten gebaut und verkauft. Damals gab es noch viele kleine landwirtschaftliche Betriebe“, so Karl Heimann. „Zumal wir die Stürzkarren auch modifiziert haben: Wir haben den Drehpunkt zum Kippen verlagert, so dass das Kippen viel leichter wurde.“ Damit nicht genug: „Bei uns gab es auch Stürzkarren mit besonders tiefer Bodenkonstruktion und höheren Aufbauten – ideal für Tiertransporte.“ Für diese Variante hatte das Unternehmen sogar ein Patent.

Eichenholz für Stürzkarren „fast Möbel-Qualität“

Als Holz für die Karren kam nur Eiche in Frage. „Mal bekamen wir das zu Brettern gesägte Holz von Schloss Varlar in Osterwick, mal haben wir die Stämme anderswo gekauft und bei Bertels in Stevern sägen lassen“, so Karl Heimann. „Hauptsache, das Holz war astfrei. Das war den Bauern wichtig. Daher hatte das Holz fast Möbelqualität.“ 

Schon früh baute die Firma Lkw zu Viehtransportern um und fertigte auf Wunsch flache zweiachsige Anhänger so, dass sie sich auch für den Transport von Kühen und Pferden nutzen ließen. Daneben wurden auch schon Marktstände-Anhänger gebaut. So etwa 1958 ein Verkaufsanhänger für die Metzgerei Theodor Branse in Nottuln für dessen Wochenmarkt-Verkauf in Essen. Und schon in den 1960er Jahren stieg die Schmiede in den Bau von Pkw-Viehtransportanhängern ein, „später waren wir mit die ersten, die Pferdetransportanhänger mit Tandemachse gebaut haben“, so Karl Heimann.

Seit Jahrzehnten auf vielen Messeschauen vertreten

Wie man an die Kundschaft kommt? „Schon in den 50er Jahren waren wir mit unseren Anhängern bei den Westfalenschauen in Hamm, in Telgte beim Mariä-Geburts-Markt, beim Fettmarkt in Warendorf und bei anderen Messen“, so Karl Heimann. „Und heute sind wir vertreten bei vielen Spezialveranstaltungen, etwa bei Fachmessen für Gartenbau oder auch für Flughafentechnik.“ In Zeiten des Internets gilt es natürlich auch, im Netz und in Suchmaschinen gut gefunden zu werden

Auf diese Weise wuchs und wächst das vor sieben Jahren ins Nottulner Gewerbegebiet Beisenbusch umgesiedelte Unternehmen, so dass inzwischen rund zwei Dutzend Mitarbeiter im Team sind. Diese Erfolgsgeschichte gilt es mal aufzuschreiben. „Arbeit für mich für den Winter“, schmunzelt Karl Heimann, dem ein reich bebildertes Buch vorschwebt, Auflage 20 bis 30 Exemplare. „Für Familie und Freunde.“

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